Offenwinkelglaukom: Risikofaktoren und Screening
Hintergrund
Das Offenwinkelglaukom ist eine chronische, progrediente Optikusneuropathie, die zu irreversiblen Gesichtsfelddefekten führt. Da die Erkrankung im Frühstadium meist asymptomatisch verläuft, wird sie von Betroffenen oft erst im Spätstadium bemerkt.
Die aktualisierte S2e-Leitlinie von DOG und BVA (2024) bewertet systematisch die Risikofaktoren für das Auftreten eines primären Offenwinkelglaukoms. Ziel ist es, Risikopersonen frühzeitig zu identifizieren und irreversible Sehverluste zu verhindern.
Auf Basis dieser Risikostratifizierung formuliert die Leitlinie konkrete Empfehlungen für augenärztliche Screening-Untersuchungen. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie können das Fortschreiten der Erkrankung in den meisten Fällen verlangsamen oder aufhalten.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fallstrick in der Praxis ist das Verlassen auf eine einmalige unauffällige Augeninnendruckmessung. Die Leitlinie warnt davor, dass aufgrund von starken tageszeitlichen Fluktuationen eine Einzelmessung ein Glaukom oder eine okuläre Hypertension nicht sicher ausschließen kann. Zudem wird hervorgehoben, dass bei pseudophaken Augen Ablagerungen einer Pseudoexfoliatio lentis oft nur in der Linsenperipherie sichtbar sind, weshalb hier eine mydriatische Untersuchung in Erwägung gezogen werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird empfohlen, allen Personen ab dem 40. Lebensjahr ein Screening auf ein Offenwinkelglaukom anzubieten. Bei Vorliegen von Risikofaktoren, wie beispielsweise dunkler Hautfarbe, wird ein früherer Beginn ab 30 Jahren empfohlen.
Es wird empfohlen, das Screening zwingend aus einer Kombination von binokularer Papillenuntersuchung und Augeninnendruckmessung zusammenzusetzen. Eine alleinige Tensiomessung wird als unzureichend eingestuft.
Bei Personen ohne weitere Risikofaktoren empfiehlt die Leitlinie ein Intervall von 5 Jahren für die Altersgruppe zwischen 40 und 59 Jahren. Ab dem 60. Lebensjahr wird das Intervall auf 2 bis 3 Jahre verkürzt.
Eine längere systemische oder am Auge applizierte Steroidtherapie gilt als relevanter Risikofaktor für eine Augeninnendruckerhöhung. Intranasale Steroide haben laut Leitlinie hingegen keine klinisch relevante Auswirkung auf den Augeninnendruck.
Personen mit einer positiven Familienanamnese ersten Grades (Eltern oder Geschwister) haben ein etwa zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko, an einem Glaukom zu erkranken. Dies gilt als relevanter Risikofaktor, der eine Verkürzung der Screening-Intervalle rechtfertigt.
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Quelle: Bewertung von Risikofaktoren für das Auftreten des Offenwinkelglaukoms (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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