DGOOCS12017Orthopädie

Oberarmkopffraktur: DGOOC-Leitlinie zur Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2017 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGOOC (2017)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die DGOOC-Leitlinie (2017) behandelt die Diagnostik und Therapie der Oberarmkopffraktur. Diese Verletzung stellt die dritthäufigste Fraktur bei Personen über 60 Jahren dar und gilt als Indikatorfraktur für Osteoporose.

Frauen sind im Verhältnis 7:3 deutlich häufiger betroffen als Männer. Bei jüngeren Menschen entsteht die Fraktur meist durch Hochrasanztraumen oder Sportverletzungen, während bei älteren Patienten oft ein einfacher Sturz im häuslichen Umfeld ausreicht.

Begünstigende Faktoren sind unter anderem Gangunsicherheit, kardiovaskuläre Erkrankungen und Muskelschwäche. Zur Prävention empfiehlt die Leitlinie neben einer sturzprophylaktischen Umgebungsanpassung auch körperliches Training und die Abklärung einer möglichen Osteoporose.

Empfehlungen

Diagnostik

Laut Leitlinie wird primär eine Röntgenuntersuchung der Schulter und des proximalen Humerus in zwei Ebenen empfohlen (true a.p. und axial oder Y-Aufnahme).

Bei höhergradigen oder komplexen Frakturen ist eine CT-Bildgebung indiziert. Diese dient insbesondere der Beurteilung der Tubercula, der Gelenkfläche und einer möglichen Head-Split-Komponente.

Zur Einteilung der Frakturen wird unter anderem die Neer-Klassifikation herangezogen. Diese definiert eine Dislokation als eine Verschiebung von mehr als 1 cm oder eine Abwinklung von über 45 Grad:

Neer-TypBeschreibung
Typ INicht und wenig dislozierte Frakturen
Typ IIDislozierte Frakturen des anatomischen Halses
Typ IIIDislozierte Frakturen des chirurgischen Halses
Typ IVDislozierte Frakturen des Tuberculum majus
Typ VFrakturen des Tuberculum minus
Typ VILuxationsfrakturen

Präklinisches und konservatives Management

Bei Verdacht auf eine Frakturkomponente wird von der Reposition einer glenohumeralen Luxation am Unfallort abgeraten. Es wird eine Ruhigstellung und Analgesie empfohlen.

Ein Großteil der Frakturen kann konservativ behandelt werden. Dies gilt laut Leitlinie insbesondere für:

  • Nicht oder gering dislozierte Frakturen (One-Part-Frakturen)

  • Reponier- und retinierbare Frakturen

  • Vorliegen von Kontraindikationen gegen eine Operation

Operative Therapie

Die Indikation zur Operation wird individuell gestellt. Zu den Indikationen für eine Osteosynthese (z.B. Plattenosteosynthese, Marknagelung) zählen unter anderem dislozierte Frakturen, Luxationsfrakturen und offene Frakturen.

Eine Endoprothese (Hemiprothese, anatomische oder inverse Prothese) wird bei bestimmten Konstellationen erwogen. Dazu gehören:

  • Head-Split-Frakturen beim alten Menschen mit reduzierter Knochenqualität

  • Nicht ausreichend reponierbare Frakturen

  • Länger bestehende Luxationsfrakturen

Bei älteren Patienten mit nicht-rekonstruierbaren Frakturen oder bei einer begleitenden Rotatorenmanschettenmassenruptur wird die inverse Schulterprothese favorisiert.

Postoperative Behandlung

Es wird eine passive Frühmobilisation unter adäquater Analgesie empfohlen. Dies verringert die Dekubitusrate und minimiert das Risiko einer Beinvenenthrombose.

Zudem wird auf die Notwendigkeit regelmäßiger klinischer und radiologischer Kontrollen hingewiesen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, eine glenohumerale Luxation präklinisch zu reponieren, wenn der Verdacht auf eine begleitende Frakturkomponente besteht. Zudem wird betont, dass bei älteren Patienten mit Humeruskopffraktur stets an eine zugrundeliegende Osteoporose gedacht und eine entsprechende Diagnostik eingeleitet werden sollte.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird eine Röntgenuntersuchung in zwei senkrecht aufeinander stehenden Ebenen empfohlen. Dies umfasst in der Regel eine true a.p.-Aufnahme sowie eine axiale oder Y-Aufnahme (Skapula tangential).

Eine operative Versorgung wird unter anderem bei dislozierten Frakturen, Luxationsfrakturen, offenen Brüchen oder begleitenden Gefäß- und Nervenschäden empfohlen. Die Entscheidung wird individuell anhand von Frakturtyp, Knochenqualität und Patientenalter getroffen.

Die Leitlinie empfiehlt eine Computertomographie bei komplexeren oder höhergradigen Frakturen. Sie dient als Entscheidungshilfe und zur genauen Beurteilung der Tubercula, der Gelenkfläche oder einer Head-Split-Situation.

Bei älteren Menschen mit nicht-rekonstruierbaren Frakturen oder defekter Rotatorenmanschette wird gemäß der Leitlinie häufig die inverse Schulterprothese favorisiert.

Es wird empfohlen, bei der klinischen Untersuchung besonders auf neurologische Ausfälle zu achten. Speziell der Nervus axillaris ist bei dieser Verletzung und als Operationskomplikation häufig betroffen.

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Quelle: DGOOC: Oberarmkopffraktur (DGOOC, 2017). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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