NSTEMI: Diagnostik, Risikoscores und Akuttherapie
Hintergrund
Das akute Koronarsyndrom (ACS) umfasst den ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI), den Nicht-ST-Hebungs-Myokardinfarkt (NSTEMI) und die instabile Angina pectoris. Ein NSTEMI entsteht durch ein Missverhältnis zwischen myokardialem Sauerstoffbedarf und -angebot.
Ursächlich können flusslimitierende Zustände wie stabile Plaques, Vasospasmen oder Embolien sein. Auch nicht-koronare Verletzungen oder ein stark erhöhter Sauerstoffbedarf bei Tachykardie oder Hypotonie können laut Leitlinie zu einem NSTEMI führen.
Typische Symptome umfassen einen drückenden, retrosternalen Schmerz in Ruhe oder bei minimaler Belastung, der länger als 10 Minuten anhält. Atypische Präsentationen treten gehäuft bei Frauen, Diabetikern und Personen über 75 Jahren auf.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Versorgung des NSTEMI:
Diagnostik
Ein EKG sollte bei Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom schnellstmöglich abgeleitet werden. Ein normales EKG schließt einen NSTEMI jedoch nicht aus.
Typische EKG-Veränderungen umfassen laut Leitlinie transiente ST-Hebungen, ST-Senkungen oder neu aufgetretene T-Wellen-Inversionen. Bei wiederkehrenden Symptomen wird eine EKG-Kontrolle in festgelegten Intervallen empfohlen.
Für die Labordiagnostik wird Troponin als Biomarker der Wahl empfohlen. Zur Unterstützung der klinischen Einschätzung verweist die Leitlinie auf etablierte Risikoscores:
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TIMI-Score
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GRACE-Score
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HEART-Score (besonders in Notaufnahmen verbreitet)
Initiale Therapie
Die Leitlinie rät von einer routinemäßigen Sauerstoffgabe ab. Eine Supplementierung wird nur bei einer Sauerstoffsättigung unter 90 %, bei Atemnot oder bei Hochrisikomerkmalen für eine Hypoxämie empfohlen.
Zur initialen medikamentösen Therapie werden folgende Maßnahmen empfohlen:
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Aspirin bei fehlenden Kontraindikationen
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Prasugrel als Alternative bei Aspirin-Unverträglichkeit
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Nitroglycerin sublingual bei anhaltenden Symptomen
Weiterführende Therapie
Nach gesicherter NSTEMI-Diagnose wird eine Aufnahme auf eine kardiologische Überwachungsstation empfohlen. Zudem sollte eine Antikoagulation initiiert werden, wobei sich die Wahl des Präparats nach den lokalen Protokollen und einer möglichen perkutanen Intervention richtet.
Für die Langzeittherapie werden folgende Medikamentengruppen empfohlen:
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Betablocker innerhalb von 24 Stunden (bei fehlenden Kontraindikationen)
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ACE-Hemmer bei einer Ejektionsfraktion unter 40 %, Hypertonie, Diabetes oder chronischer Nierenerkrankung
-
Hochdosierte Statine zur Cholesterinsenkung
Dosierung
| Medikament | Dosierung | Indikation |
|---|---|---|
| Aspirin | 324 mg (zerkaut, unbeschichtet) | Initiale Gabe bei Verdacht auf ACS |
| Prasugrel | 60 mg per os | Alternative bei Aspirin-Unverträglichkeit |
| Nitroglycerin | 0,4 mg sublingual | Alle 5 Minuten (max. 3 Dosen) bei anhaltenden Schmerzen |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt spezifische Kontraindikationen für die medikamentöse Therapie des NSTEMI:
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Nitrate: Kontraindiziert bei kürzlicher Einnahme von Phosphodiesterase-Hemmern, bei Hypotonie sowie bei Verdacht auf einen rechtsventrikulären Infarkt.
-
Fibrinolytika: Der Einsatz von fibrinolytischen Therapien ist beim NSTEMI absolut kontraindiziert.
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Betablocker: Kontraindiziert bei Zeichen einer Herzinsuffizienz, Hypotonie, Herzblockierungen oder reaktiven Atemwegserkrankungen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, Patienten mit Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom routinemäßig mit Sauerstoff zu versorgen. Es wird betont, dass eine Sauerstoffgabe bei normoxischen Patienten schädlich sein kann und nur bei einer Sättigung unter 90 % oder bei Atemnot erfolgen sollte.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie weisen die meisten Patienten mit einer echten Ischämie innerhalb von 6 Stunden nach Symptombeginn erhöhte Troponinwerte auf. Hochsensitive Assays können den Anstieg oft noch deutlich früher nachweisen.
Die Leitlinie stellt klar, dass fibrinolytische Therapien bei einem NSTEMI nicht angewendet werden dürfen. Die Behandlung stützt sich stattdessen auf Antikoagulation und interventionelle Verfahren.
Ein NSTEMI kann sich im EKG durch transiente ST-Hebungen, ST-Senkungen oder neu aufgetretene T-Wellen-Inversionen zeigen. Es wird jedoch betont, dass ein unauffälliges EKG einen NSTEMI nicht ausschließt.
Zur Risikostratifizierung nennt die Leitlinie unter anderem den TIMI-Score, den GRACE-Score und den HEART-Score. Letzterer hat sich besonders in Notaufnahmen etabliert.
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Quelle: StatPearls: Non–ST-Segment Elevation Myocardial Infarction (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
StatPearls: Acute ST-Segment Elevation Myocardial Infarction (STEMI)
StatPearls: Acute Myocardial Infarction (Nursing)
StatPearls: Acute Coronary Syndrome
StatPearls: Chest Pain: Evaluation and Exclusion of Myocardial Infarction and Angina
StatPearls: Acute Myocardial Infarction
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