Nicht sichtbare Hämaturie (NSH): Diagnostik & Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AWMF|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die DEGAM S1-Handlungsempfehlung befasst sich mit dem Management der persistenten, isolierten nicht sichtbaren Hämaturie (NSH) bei Erwachsenen ab 19 Jahren. Ein generelles Screening auf eine NSH wird aufgrund einer negativen Nutzen-Schaden-Bilanz international abgelehnt.

Die Prävalenz der NSH schwankt weltweit zwischen 2 und 31,1 Prozent. Bei mehr als zwei Dritteln der positiven Befunde bleibt die Ätiologie unbekannt.

Der Urin-Schnelltest weist eine hohe Sensitivität von 91 bis 100 Prozent auf, weshalb ein negativer Befund eine Hämaturie nahezu ausschließt. Die Spezifität liegt jedoch nur bei 65 Prozent, was zu einer hohen Anzahl falsch-positiver Ergebnisse führt.

Klinischer Kontext

Die nicht sichtbare Hämaturie, auch Mikrohämaturie genannt, ist ein häufiger Zufallsbefund in der hausärztlichen und urologischen Praxis mit einer Prävalenz von bis zu 20 Prozent in der erwachsenen Bevölkerung. Sie betrifft insbesondere ältere Patienten, bei denen das Risiko für zugrunde liegende maligne Erkrankungen signifikant ansteigt.

Pathophysiologisch liegt der Erkrankung eine Ausscheidung von Erythrozyten in den Urin zugrunde, ohne dass eine makroskopische Verfärbung erkennbar ist. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von benignen Auslösern wie Harnwegsinfekten, Urolithiasis oder körperlicher Anstrengung bis hin zu schwerwiegenden urologischen Tumoren oder nephrologischen Erkrankungen wie der Glomerulonephritis.

Klinisch ist die nicht sichtbare Hämaturie von großer Bedeutung, da sie das einzige Frühsymptom eines Urothelkarzinoms oder Nierenzellkarzinoms sein kann. Die diagnostische Abklärung beginnt meist mit einem Urinstreifentest und der Bestätigung durch eine Urinmikroskopie, gefolgt von bildgebenden Verfahren wie der Sonografie und gegebenenfalls einer Zystoskopie zum Ausschluss von Malignomen.

Wissenswertes

Eine Mikrohämaturie liegt vor, wenn im Urinsediment unter dem Mikroskop eine pathologisch erhöhte Anzahl von Erythrozyten nachgewiesen wird. Meist wird ein Grenzwert von mehr als drei bis fünf Erythrozyten pro Gesichtsfeld bei starker Vergrößerung angesetzt.

Die Ursachen reichen von harmlosen Faktoren wie starker körperlicher Belastung oder leichten Harnwegsinfekten bis hin zu Nierensteinen. Auch ernsthafte Erkrankungen wie Nieren- oder Blasenkrebs sowie entzündliche Nierenerkrankungen können der Auslöser sein.

Der erste Hinweis ergibt sich oft durch einen positiven Urinstreifentest bei einer Routineuntersuchung. Dieser Befund sollte stets durch eine mikroskopische Untersuchung des Urinsediments bestätigt werden, um falsch-positive Ergebnisse auszuschließen.

Eine weiterführende Diagnostik ist besonders bei älteren Patienten, Rauchern oder bei persistierender Hämaturie ohne erkennbare benigne Ursache wie einen Infekt indiziert. Hierbei kommen Ultraschall, Blasenspiegelung und eventuell Schnittbildverfahren zum Einsatz.

Ja, neben urologischen Ursachen können auch Erkrankungen der Nierenkörperchen wie eine IgA-Nephropathie oder andere Formen der Glomerulonephritis zu Blut im Urin führen. Hinweise hierfür sind oft begleitende Proteinurie oder dysmorphe Erythrozyten im Urinsediment.

Ein Urinstreifentest kann positiv ausfallen, obwohl keine intakten roten Blutkörperchen im Urin sind. Dies passiert beispielsweise bei Vorhandensein von freiem Hämoglobin, Myoglobin nach Muskelschäden oder durch bestimmte oxidierende Substanzen im Urin.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein negativer Urin-Schnelltest schließt eine Hämaturie aufgrund der hohen Sensitivität nahezu sicher aus, während positive Ergebnisse häufig falsch-positiv sind. Die Leitlinie warnt davor, dass ein hoher Vitamin-C-Spiegel zu falsch-negativen Ergebnissen führen kann. Es wird empfohlen, vor einer urologischen Überweisung stets mögliche Störfaktoren wie Menstruation, starke körperliche Anstrengung oder Medikamentennebenwirkungen auszuschließen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird die Diagnose gestellt, wenn mindestens zwei von zwei oder drei Proben eines Urin-Schnelltests positiv auf Blut reagieren. Es wird empfohlen, dafür morgendlichen Mittelstrahlurin innerhalb von zwei Stunden nach der Gewinnung zu verwenden.

Die Leitlinie gibt an, dass im Niedrigprävalenzbereich auf eine mikroskopische Bestätigung verzichtet werden kann. Auch Tumormarker und zytologische Untersuchungen gelten in diesem Kontext als entbehrlich.

Es wird darauf hingewiesen, dass verschiedene Medikamente eine Rotfärbung des Urins verursachen können. Dazu zählen laut Leitlinie unter anderem Rifampicin, Levodopa, Metronidazol, Nitrofurantoin und Vitamin B12.

Die Leitlinie nennt als Risikofaktoren für urologische Malignome unter anderem ein höheres Lebensalter, männliches Geschlecht und Nikotinkonsum. Auch eine familiäre Vorbelastung mit Blasenkrebs oder der berufliche Kontakt zu aromatischen Aminen erhöhen das Risiko.

Wenn keine urologische Überweisung erfolgt, empfiehlt die Leitlinie eine jährliche Kontrolle. Diese sollte die Erhebung des klinischen Status, eine Blutdruck-Messung, einen Test auf Proteinurie sowie die Schätzung der Nierenfunktion (eGFR) umfassen.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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