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Dekubitus-Prophylaxe & Therapie: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Risiko- und Haut-Assessments sind bei Aufnahme und klinischen Veränderungen obligatorisch.
  • Umlagerung bei Erwachsenen mit Risiko mindestens alle 6 Stunden, bei hohem Risiko alle 4 Stunden.
  • Hautmassagen zur Dekubitusprophylaxe sind explizit kontraindiziert.
  • Zur Druckentlastung sollen hochspezifizierte Schaumstoffmatratzen verwendet werden.
  • Systemische Antibiotika sind nur bei klinischer Sepsis, Phlegmone oder Osteomyelitis indiziert.
  • Gaze-Verbände (Mull) sollen bei der Dekubitusbehandlung nicht verwendet werden.
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Hintergrund

Ein Dekubitus entsteht durch anhaltenden Druck, der die Durchblutung der Haut und des darunterliegenden Gewebes beeinträchtigt. Die vorliegende NICE-Leitlinie fasst evidenzbasierte Empfehlungen zur Prävention und Behandlung von Druckgeschwüren für alle Altersgruppen zusammen.

Risikoeinschätzung und Diagnostik

Jeder Patient hat ein potenzielles Dekubitusrisiko. Ein formelles Assessment muss bei Aufnahme in die stationäre Versorgung oder bei Vorliegen von Risikofaktoren (z. B. Immobilität, Sensibilitätsverlust, Mangelernährung) erfolgen.

AltersgruppeEmpfohlene Assessment-Tools (Beispiele)Bemerkung
ErwachseneBraden-Skala, Waterlow-Score, Norton-SkalaKlinisches Urteil ist stets maßgeblich
Kinder & JugendlicheBraden Q-SkalaSpezifische Prädilektionsstellen (z. B. Hinterkopf) beachten

Bei Patienten mit hohem Risiko muss ein Haut-Assessment durch geschultes Personal erfolgen. Rötungen sind mittels Fingerdruck oder Diaskopie daraufhin zu prüfen, ob sie wegdrückbar sind (Erythem) oder nicht (Hinweis auf Gewebeschaden).

Prophylaxe-Maßnahmen

Die Basis der Prävention bildet die regelmäßige Druckentlastung. Hautmassagen oder starkes Reiben zur Prophylaxe sind kontraindiziert.

Umlagerungsintervalle

PatientengruppeRisikostufeEmpfohlenes Intervall
ErwachseneGefährdetMindestens alle 6 Stunden
ErwachseneHohes RisikoMindestens alle 4 Stunden
Neugeborene & KinderGefährdetMindestens alle 4 Stunden
Neugeborene & KinderHohes RisikoHäufiger als alle 4 Stunden

Hilfsmittel zur Druckentlastung

  • Erwachsene: Einsatz von hochspezifizierten Schaumstoffmatratzen bei hohem Risiko oder stationärer Aufnahme.
  • Kinder: Hochspezifizierte Schaumstoffmatratzen oder -auflagen.
  • Fersen: Gezielte Freilagerung der Fersen in den individuellen Pflegeplan aufnehmen.
  • Rollstuhlfahrer: Hochspezifizierte Kissen zur Druckverteilung nutzen.

Wundmanagement und Therapie

Wundbeurteilung

Die Oberfläche jedes Dekubitus muss dokumentiert werden (z. B. durch Fotografie oder Folientracing). Die Tiefe und das Vorhandensein von Unterminierungen sind zu schätzen. Das Volumen eines Dekubitus soll nicht routinemäßig gemessen werden. Zur Klassifikation ist ein validiertes System (z. B. NPUAP-EPUAP) zu verwenden.

Debridement

  • Bevorzugt autolytisches Debridement unter Verwendung geeigneter Verbände.
  • Scharfes Debridement erwägen, wenn der autolytische Prozess zu lange dauert.
  • Nicht routinemäßig empfohlen: Madentherapie (nur bei Kontraindikationen für scharfes Debridement) oder enzymatisches Debridement.

Infektionskontrolle und Verbände

MaßnahmeIndikationBemerkung
Systemische AntibiotikaKlinische Sepsis, Phlegmone (Cellulitis), OsteomyelitisNicht zur reinen Wundheilung oder bei bloßer bakterieller Besiedelung
Topische AntiseptikaNicht routinemäßig empfohlen-
WundverbändeDekubitus Kategorie 2, 3 und 4Feuchtwarmes Wundmilieu fördern. Keine Gaze-Verbände verwenden!

Weitere Therapien

Unterdruck-Wundtherapie (NPWT) soll nicht routinemäßig eingesetzt werden, es sei denn, die Anzahl der Verbandswechsel muss reduziert werden (z. B. bei starker Exsudation). Elektrotherapie und hyperbare Sauerstofftherapie werden zur Dekubitusbehandlung nicht empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie zur Überprüfung von Rötungen konsequent den Fingerdrucktest oder ein Diaskop. Verzichten Sie bei der Wundversorgung vollständig auf trockene Gaze-Verbände und setzen Sie stattdessen auf ein feuchtwarmes Wundmilieu.

Häufig gestellte Fragen

Erwachsene mit Risiko sollten mindestens alle 6 Stunden umgelagert werden, bei hohem Risiko mindestens alle 4 Stunden. Kinder und Säuglinge benötigen mindestens alle 4 Stunden eine Positionsänderung.
Nein, die Leitlinie rät ausdrücklich von Hautmassagen oder Reiben der Haut zur Dekubitusprophylaxe ab.
Nur bei klinischen Zeichen einer systemischen Sepsis, sich ausbreitender Zellulitis (Phlegmone) oder zugrundeliegender Osteomyelitis. Sie dienen nicht der reinen Wundheilung.
Es sollen hochspezifizierte Schaumstoffmatratzen verwendet werden. Standard-Schaumstoffmatratzen sind bei bestehendem Dekubitus nicht ausreichend.
Es sollen die Oberfläche (z. B. durch Fotografie) und die Tiefe dokumentiert werden. Das Wundvolumen soll hingegen nicht routinemäßig gemessen werden.

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