Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz: Leitlinie (NICE)
📋Auf einen Blick
- •Ein dreistufiger Ansatz wird empfohlen: organisatorische Maßnahmen bilden die Basis, ergänzt durch individuelle und zielgerichtete Ansätze.
- •Individuelle Maßnahmen (wie Achtsamkeit oder Yoga) dürfen organisatorische Strategien zur Stressreduktion niemals ersetzen.
- •Für jede Rolle im Unternehmen muss eine Stress-Risikobewertung durchgeführt werden.
- •Führungskräfte sollen systematisch in Kommunikation und der Früherkennung von psychischen Belastungen geschult werden.
- •Für Hochrisikoberufe (z. B. Rettungsdienste) ist ein aufgabenbezogenes Kompetenztraining vor Einsätzen indiziert.
Hintergrund
Die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz ist ein zentraler Faktor für das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Die NICE-Leitlinie empfiehlt einen präventiven und proaktiven strategischen Ansatz, der auf drei Ebenen aufbaut:
| Stufe | Ansatz | Beschreibung |
|---|---|---|
| 1 (Basis) | Organisatorische Ansätze | Unternehmensweite Strategien, Arbeitskultur, Stress-Risikobewertung |
| 2 (Mitte) | Individuelle Ansätze | Präventive Angebote für alle Mitarbeiter (z. B. Achtsamkeit) |
| 3 (Spitze) | Zielgerichtete Ansätze | Spezifische Unterstützung für gefährdete oder erkrankte Mitarbeiter |
Organisatorische Strategien
Organisationen müssen eine positive, mitfühlende und inklusive Arbeitskultur fördern, um die psychologische Sicherheit zu gewährleisten.
- Stress-Risikobewertung: Für jede Rolle muss eine Bewertung durchgeführt werden. Werden Risiken identifiziert, sind proaktive Schritte zur Reduktion einzuleiten.
- Arbeitsumfeld: Förderung von Peer-Support (z. B. durch Mentoring) und Schutz vor Diskriminierung.
- Externe Expertise: Nutzung von lokalen Behörden, arbeitsmedizinischen Diensten und Programmen zur Mitarbeiterunterstützung (Employee Assistance Programmes).
- Traumatische Ereignisse: Es muss ein Plan vorliegen, um auf unerwartete Ereignisse (z. B. Tod eines Kollegen, Pandemie) reagieren zu können.
Schulung und Unterstützung für Führungskräfte
Führungskräfte spielen eine Schlüsselrolle und benötigen systematische Unterstützung und Schulung.
| Maßnahme | Ziel | Bemerkung |
|---|---|---|
| Kommunikationstraining | Verbesserung von Empathie und klarem Zuhören | Regelmäßige Auffrischungen empfohlen |
| Gesundheitskompetenz | Früherkennung von Warnsignalen | Sensibilisierung für Stigmatisierung |
| Arbeitsanpassung | Reduktion von Stressoren | Befähigung zur Anpassung von Workload und flexibler Arbeit |
Individuelle und zielgerichtete Maßnahmen
Wichtig: Individuelle Ansätze dürfen organisatorische Strategien zur Reduktion von Stressoren niemals ersetzen und nicht primär der reinen Produktivitätssteigerung dienen.
- Für alle Mitarbeiter: Angebot von Achtsamkeit, Yoga oder Meditation (in Gruppen oder online).
- Für gefährdete Mitarbeiter: Angebot von kognitiver Verhaltenstherapie (CBT), Achtsamkeitstraining oder Stressmanagement-Training. Die Vertraulichkeit muss stets gewahrt bleiben.
- Wellness Action Plan: Die gemeinsame Erstellung eines Aktionsplans zur Förderung der psychischen Gesundheit sollte in Erwägung gezogen werden.
Hochrisikoberufe
Für Berufe, in denen Mitarbeiter regelmäßig traumatischen Ereignissen ausgesetzt sind (z. B. Rettungsdienste), gelten erweiterte Anforderungen:
- Vor dem Einsatz: Aufgabenbezogenes Kompetenztraining (z. B. durch Simulationen und Vorstellungstraining).
- Nach dem Einsatz: Regelmäßige Überprüfung der Protokolle zur Unterstützung nach traumatischen Ereignissen am Arbeitsplatz.
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
Auch kleine Unternehmen und Kleinstunternehmen mit begrenzten Ressourcen müssen präventiv agieren:
- Inhaber und Geschäftsführer sollten auf ihre eigene psychische Gesundheit achten.
- Nutzung von kostenlosen oder kostengünstigen externen Ressourcen und Netzwerken (z. B. lokale Behörden, Gewerkschaften).
💡Praxis-Tipp
Verlassen Sie sich nicht allein auf individuelle Angebote wie Yoga-Kurse. Die Basis für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz ist immer eine unternehmensweite, präventive Strategie zur Reduktion von Stressoren.