Gesundheitsmanagement am Arbeitsplatz: NICE-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeiter müssen eine strategische Kernpriorität für die Unternehmensführung sein.
- •Ein positiver Führungsstil von Linienmanagern ist entscheidend für die psychische und physische Gesundheit am Arbeitsplatz.
- •Präsentismus (Arbeiten trotz Krankheit) kann für Unternehmen schädlicher und teurer sein als Absentismus.
- •Ältere Mitarbeiter benötigen altersgerechte Arbeitsplatzgestaltungen, flexible Arbeitszeiten und gleiche Weiterbildungschancen.
- •Führungskräfte müssen in der Erkennung von psychischen Belastungen und im Konfliktmanagement geschult werden.
Hintergrund
Arbeit ist grundsätzlich förderlich für die physische und psychische Gesundheit. Die NICE-Leitlinie NG13 betont, dass das Wohlbefinden der Mitarbeiter direkt mit der Arbeitszufriedenheit und der Leistung korreliert. Schlechte Führung und ungünstige Arbeitsbedingungen können hingegen zu Stress, Burnout und Depressionen führen. Ein besonderes Augenmerk legt die Leitlinie auf das Problem des Präsentismus (Arbeiten trotz Krankheit), welches oft zu größeren Produktivitätsverlusten führt als reguläre Fehlzeiten, sowie auf die wachsende Gruppe der älteren Mitarbeiter (über 50 Jahre).
Organisatorische Verpflichtung
Gesundheit und Wohlbefinden müssen eine Kernpriorität für das Top-Management sein. Unternehmen sollten den geschäftlichen Nutzen (Business Case) eines gesunden Arbeitsplatzes klar definieren.
- Integration von Gesundheit in alle Unternehmensrichtlinien (z. B. angemessene Arbeitszeiten, regelmäßige Pausen).
- Vermeidung aggressiver Rückkehrverfahren nach Krankheit, da diese schädlichen Präsentismus fördern können.
- Rekrutierung von Managern mit positiven Führungseigenschaften.
Psychisches Wohlbefinden am Arbeitsplatz
Um ein unterstützendes Umfeld zu schaffen, empfiehlt die Leitlinie die Orientierung an den Managementstandards der Health and Safety Executive (HSE) zur Vermeidung von arbeitsbedingtem Stress. Diese umfassen sechs Kernaspekte:
| Aspekt | Beschreibung und Management |
|---|---|
| Anforderungen | Bewältigung von Arbeitspensum, Arbeitsmustern und Arbeitsumgebung |
| Kontrolle | Maß an Mitspracherecht des Mitarbeiters bei der Arbeitsausführung |
| Unterstützung | Rückhalt durch die Organisation, Linienmanager und Kollegen |
| Beziehungen | Förderung positiver Zusammenarbeit und professioneller Umgang mit Konflikten |
| Rolle | Klares Verständnis der eigenen Rolle zur Vermeidung von Rollenkonflikten |
| Veränderung | Transparentes Management und Kommunikation von organisatorischen Änderungen |
Die Rolle der Linienmanager
Linienmanager sind die primären Repräsentanten der Organisation. Sie benötigen ausreichend Zeit, Schulung und Ressourcen, um die Unternehmensziele mit der Gesundheit der Mitarbeiter in Einklang zu bringen.
Führungsstil
Ein positiver Führungsstil ist essenziell. Die Leitlinie unterscheidet klar zwischen förderlichen und schädlichen Verhaltensweisen:
| Positives Verhalten | Negatives Verhalten |
|---|---|
| Förderung von Kreativität und neuen Ideen | Distanziertheit und Ignorieren von Vorschlägen |
| Offenheit, Ansprechbarkeit und Mentoring | Vorenthalten von Informationen gegenüber Kollegen |
| Anerkennung und Lob für gute Leistungen | Desinteresse an Ideen und Projekten der Mitarbeiter |
| Proaktives Erkennen und Lösen von Problemen | Fehlende Überwachung und Führung der Gruppe |
| Aufbau von Teamgeist und Engagement | Bedrohungsgefühl durch kompetente Mitarbeiter |
Schulungsbedarf für Führungskräfte
Linienmanager müssen gezielt geschult werden, unter anderem in:
- Effektiver Kommunikation und dem Führen schwieriger Gespräche.
- Erkennung von Anzeichen für psychische Probleme oder Stress.
- Durchführung von Stress-Risikobewertungen.
- Management von krankheitsbedingten Fehlzeiten.
Ältere Mitarbeiter und Arbeitsplatzgestaltung
Aufgrund des demografischen Wandels und der Anhebung des Renteneintrittsalters wird die Gruppe der älteren Mitarbeiter immer wichtiger.
- Vermeidung von Stereotypen: Jeder Mitarbeiter ist individuell zu betrachten. Es darf nicht davon ausgegangen werden, dass ältere Mitarbeiter Schwierigkeiten beim Erlernen neuer Aufgaben haben.
- Gleiche Chancen: Ältere Mitarbeiter müssen dieselben Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten erhalten wie jüngere.
- Flexible Arbeitsgestaltung: Die Bedürfnisse älterer Mitarbeiter (z. B. veränderte Pflegeverpflichtungen für Angehörige) sollten durch flexible Arbeitszeiten oder Sonderurlaube unterstützt werden.
- Schichtarbeit: Die Auswirkungen von Schicht- und insbesondere Nachtarbeit auf die Gesundheit müssen individuell bewertet und adressiert werden.
💡Praxis-Tipp
Achten Sie bei der Rückkehr von Mitarbeitern aus dem Krankenstand darauf, dass Sie keinen Druck ausüben. Eine bloße Anwesenheit am Arbeitsplatz bedeutet nicht, dass die Gesundheit wiederhergestellt ist, und kann zu unproduktivem und gesundheitsschädlichem Präsentismus führen.