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Beckenbodensdysfunktion: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Beckenbodentraining (PFMT) wird für Frauen jeden Alters zur Prävention und Therapie empfohlen.
  • Ein überwachtes PFMT-Programm (mind. 3-4 Monate) ist Erstlinientherapie bei Inkontinenz und leichtem Prolaps.
  • Modifizierbare Risikofaktoren wie ein BMI > 25, Obstipation und Rauchen sollten aktiv adressiert werden.
  • Vaginales Diazepam wird zur Behandlung einer Beckenbodensdysfunktion nicht empfohlen.
  • Die Betreuung sollte idealerweise durch ein multidisziplinäres Team im ambulanten Bereich erfolgen.
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Hintergrund

Die Beckenbodensdysfunktion umfasst Beschwerden, bei denen die Beckenbodenmuskulatur nicht korrekt funktioniert. Zu den assoziierten Symptomen und Erkrankungen gehören:

  • Harninkontinenz und Blasenentleerungsstörungen
  • Stuhlinkontinenz und Darmentleerungsstörungen
  • Beckenorganprolaps (Descensus genitalis)
  • Sexuelle Dysfunktion
  • Chronische Beckenschmerzen

Risikofaktoren

Die Aufklärung über Risikofaktoren ist essenziell, um präventive Maßnahmen einzuleiten.

KategorieRisikofaktoren
ModifizierbarBMI > 25 kg/m², Rauchen, Bewegungsmangel, Obstipation, Diabetes
Nicht-modifizierbarAlter, positive Familienanamnese, gynäkologische Tumore/Operationen (z.B. Hysterektomie), Fibromyalgie, chronische Atemwegserkrankungen/Husten
SchwangerschaftAlter > 30 Jahre bei Geburt, vorangegangene Geburten
GeburtVaginal-operative Entbindung (Zange/Vakuum), okzipito-posteriore Lage, aktive Austreibungsphase > 1 Stunde, Analsphinkterverletzung

Diagnostik in der Primärversorgung

Bei der initialen Beurteilung sollte eine gezielte Anamnese und Untersuchung erfolgen, um andere Ursachen (z.B. Tumore, neurologische Erkrankungen, Harnwegsinfekte, Diabetes) auszuschließen.

  • Postpartale Phase: Frauen routinemäßig nach Symptomen fragen.
  • Medikamentenanamnese: Bei Polypharmazie Überprüfung auf Medikamente, die Symptome verschlechtern können.
  • Körperliche Untersuchung: Inspektion von Vulva/Vagina auf Atrophie, Pressversuch zur Prolaps-Beurteilung, ggf. rektale Untersuchung zum Ausschluss einer Koprostase.

Prävention und Lebensstil

Lebensstiländerungen sind ein zentraler Baustein der Prävention und Therapie. Frauen sollten motiviert werden, da Effekte oft erst nach Wochen oder Monaten eintreten.

  • Gewichtsreduktion: Bei einem BMI > 30 kg/m² zur Besserung von Harninkontinenz, überaktiver Blase und Prolaps. Andere Therapien sollen jedoch nicht bis zum Gewichtsverlust aufgeschoben werden.
  • Ernährung: Ballaststoffreiche Kost zur Optimierung der Stuhlkonsistenz (Prävention von Stuhlinkontinenz/Obstipation).
  • Flüssigkeit & Koffein: Reduktion der Koffeinzufuhr bei überaktiver Blase/Harninkontinenz. Anpassung der Trinkmenge.
  • Körperliche Aktivität: Überwachtes Training (z.B. Yoga) kann Symptome lindern.

Beckenbodentraining (PFMT)

Ein überwachtes Beckenbodentraining (durch Physiotherapeuten oder geschultes Personal) wird für Frauen jeden Alters zur Prävention und Therapie empfohlen.

IndikationEmpfohlene DauerBemerkung
Prävention (Schwangerschaft)3 Monate (ab 20. SSW)Bei erstgradigen Verwandten mit Beckenbodensdysfunktion
Prävention (Postpartal)3 MonateNach Zangengeburt, okzipito-posteriorer Lage oder Sphinkterverletzung
BeckenorganprolapsMind. 4 MonateFür symptomatischen Prolaps (max. 1 cm über Hymenalsaum)
HarninkontinenzMind. 3 MonateBei Belastungs- oder Mischinkontinenz (auch in der Schwangerschaft)
StuhlinkontinenzMind. 4 MonateBei gleichzeitiger Stuhlinkontinenz und Prolaps

Hinweis: Bei fehlender Kontraktionsfähigkeit kann das Training durch Biofeedback, Elektrostimulation oder Vaginalkonen ergänzt werden.

Weitere konservative Maßnahmen

  • Pessare: Erwägen bei symptomatischem Prolaps. Wichtig: Patientinnen darüber aufklären, dass durch die Reposition des Prolapses eine neue Belastungsinkontinenz demaskiert werden kann.
  • Intravaginale Hilfsmittel: Nur bei Harninkontinenz erwägen, wenn andere nicht-operative Maßnahmen versagt haben.
  • Verhaltenstherapie: Unterstütztes Blasentraining bei Pollakisurie, Drang- oder Mischinkontinenz.
  • Medikamentöse Therapie: Vaginales Diazepam darf nicht zur Behandlung einer Beckenbodensdysfunktion eingesetzt werden (auch nicht bei hohem Muskeltonus).

💡Praxis-Tipp

Fragen Sie Frauen postpartal aktiv nach Symptomen einer Beckenbodensdysfunktion, da diese oft verschwiegen werden. Ein überwachtes Beckenbodentraining sollte bei Risikofaktoren (z.B. Zangengeburt, Sphinkterverletzung) frühzeitig verordnet werden.

Häufig gestellte Fragen

Frauen mit vaginal-operativer Entbindung (Zange/Saugglocke), okzipito-posteriorer Lage des Kindes oder Verletzungen des Analsphinkters.
Bei Belastungs- oder Mischinkontinenz mindestens 3 Monate, bei symptomatischem Prolaps mindestens 4 Monate.
Ja, bei einem BMI > 30 kg/m² kann eine Gewichtsreduktion Symptome wie Harninkontinenz, überaktive Blase und Prolaps verbessern.
Nein, die Leitlinie rät ausdrücklich vom Einsatz von vaginalem Diazepam zur Behandlung der Beckenbodensdysfunktion ab.

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