Akute Exazerbation bei Bronchiektasen: Leitlinie (NICE)
📋Auf einen Blick
- •Vor Beginn der empirischen Antibiose sollte stets eine Sputumprobe zur Kultur und Resistenzprüfung gewonnen werden.
- •Die empirische Antibiotikatherapie (7-14 Tage) richtet sich nach Vorbefunden, Schweregrad und Exazerbationshistorie.
- •Ein Antibiotika-Wechsel nach Antibiogramm ist nur bei fehlender klinischer Besserung und nachgewiesener Resistenz indiziert.
- •Eine routinemäßige Antibiotika-Prophylaxe wird nicht empfohlen; bei rezidivierenden Exazerbationen ist eine fachärztliche Vorstellung notwendig.
Hintergrund
Eine akute Exazerbation von Bronchiektasen (ohne Mukoviszidose) ist definiert als eine anhaltende Verschlechterung der Symptome ausgehend vom stabilen Zustand des Patienten. Typische Symptome umfassen eine Zunahme von Husten, Sputumvolumen, Sputumviskosität oder eitrigem Auswurf, oft begleitet von Giemen, Atemnot, Hämoptysen, Fieber oder Pleuritis.
Diagnostik und Therapieprinzipien
Bei einer akuten Exazerbation sollte stets eine Sputumprobe zur Kultur und Resistenzprüfung gewonnen werden, bevor oder während die empirische Therapie eingeleitet wird.
- Empirische Therapie: Die Wahl des Antibiotikums sollte den Schweregrad der Symptome, die Exazerbations- und Krankenhausanamnese, das Risiko für Komplikationen sowie frühere Sputumbefunde berücksichtigen.
- Anpassung nach Antibiogramm: Das Antibiotikum sollte nur dann gewechselt werden, wenn die Bakterien resistent sind und sich die Symptome nicht bereits bessern. Es sollte ein möglichst schmalspektriges Antibiotikum gewählt werden.
- Aufklärung: Patienten müssen über mögliche Nebenwirkungen (insbesondere Diarrhö) aufgeklärt werden und sich bei rascher Verschlechterung oder systemischem Krankheitsgefühl umgehend ärztlich vorstellen.
Reevaluation und Überweisung
Eine sofortige Reevaluation ist erforderlich, wenn sich die Symptome rasch oder signifikant verschlechtern. Dabei müssen Differenzialdiagnosen (z.B. Pneumonie), schwere Komplikationen (Sepsis, kardiorespiratorisches Versagen) und mögliche Resistenzen durch vorherige Antibiotikagaben bedacht werden.
- Krankenhauseinweisung: Bei Anzeichen für eine schwerwiegendere Erkrankung (z.B. Sepsis).
- Fachärztliche Vorstellung: Bei fehlender Besserung unter wiederholten Antibiotikagaben, Resistenzen gegen orale Antibiotika oder wenn eine intravenöse Therapie im häuslichen Umfeld erwogen wird.
Antibiotikatherapie bei Erwachsenen (ab 18 Jahren)
Die Therapiedauer beträgt in der Regel 7 bis 14 Tage. Orale Antibiotika sind die erste Wahl. Intravenöse Therapien sollten nach 48 Stunden überprüft und nach Möglichkeit auf eine orale Gabe umgestellt werden.
| Therapie | Wirkstoff | Dosierung | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| 1. Wahl oral (empirisch) | Amoxicillin | 500 mg 3x/Tag | Bevorzugt in der Schwangerschaft |
| Doxycyclin | 200 mg Tag 1, dann 100 mg 1x/Tag | ||
| Clarithromycin | 500 mg 2x/Tag | ||
| Alternative oral (Hochrisiko) | Amoxicillin/Clavulansäure | 500/125 mg 3x/Tag | Bei hohem Risiko für Therapieversagen |
| Levofloxacin | 500 mg 1-2x/Tag | Nur nach fachärztlicher Rücksprache (MHRA-Warnung) | |
| 1. Wahl i.v. (schwer erkrankt) | Amoxicillin/Clavulansäure | 1,2 g 3x/Tag | |
| Piperacillin/Tazobactam | 4,5 g 3-4x/Tag | ||
| Levofloxacin | 500 mg 1-2x/Tag | Nur nach fachärztlicher Rücksprache (MHRA-Warnung) |
Antibiotikatherapie bei Kindern und Jugendlichen (< 18 Jahre)
Auch hier gilt eine Therapiedauer von 7 bis 14 Tagen. Die Dosierungen richten sich nach Alter und Gewicht.
| Therapie | Wirkstoff | Indikation / Bemerkung |
|---|---|---|
| 1. Wahl oral (empirisch) | Amoxicillin | Bevorzugt in der Schwangerschaft |
| Clarithromycin | Dosierung nach Gewicht/Alter | |
| Doxycyclin | Nur für Jugendliche von 12 bis 17 Jahren | |
| Alternative oral (Hochrisiko) | Amoxicillin/Clavulansäure | Dosierung nach Alter/Gewicht |
| Ciprofloxacin | 1-17 Jahre; nur nach fachärztlicher Rücksprache (MHRA-Warnung) | |
| 1. Wahl i.v. (schwer erkrankt) | Amoxicillin/Clavulansäure | Dosierung nach Alter/Gewicht |
| Piperacillin/Tazobactam | Dosierung nach Alter/Gewicht | |
| Ciprofloxacin | 1-17 Jahre; nur nach fachärztlicher Rücksprache (MHRA-Warnung) |
Prävention und Prophylaxe
Eine routinemäßige Antibiotika-Prophylaxe zur Verhinderung akuter Exazerbationen wird nicht empfohlen.
Bei Patienten mit wiederholten akuten Exazerbationen sollte fachärztlicher Rat eingeholt werden. Ein Versuch mit prophylaktischen Antibiotika (oral oder inhalativ) darf nur auf fachärztliche Anweisung erfolgen. Dabei müssen die potenziellen Vorteile gegen die Risiken (Antimikrobielle Resistenz, Nebenwirkungen wie Diarrhö, kardiale Ereignisse, Hörverlust/Tinnitus bei Makroliden oder Bronchospasmus bei inhalativen Antibiotika) abgewogen werden.
💡Praxis-Tipp
Gewinnen Sie immer eine Sputumprobe vor Beginn der empirischen Therapie. Passen Sie das Antibiotikum nach Erhalt des Antibiogramms jedoch nur an, wenn der Patient sich klinisch nicht bessert.