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NICE

Alkoholerkrankungen & Komplikationen: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Stationäre Aufnahme bei hohem Risiko für Entzugskrämpfe oder Delirium tremens.
  • Symptomgetriebene Pharmakotherapie des akuten Entzugs (z.B. mit Benzodiazepinen).
  • Prophylaktische und therapeutische Thiamin-Gabe zur Verhinderung einer Wernicke-Enzephalopathie.
  • Kortikosteroide bei schwerer alkoholischer Hepatitis (Maddrey-Score ≥ 32) nach Ausschluss von Kontraindikationen.
  • Keine prophylaktischen Antibiotika bei akuter alkoholbedingter Pankreatitis; frühe enterale Ernährung anstreben.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie (CG100) behandelt die Diagnostik und das Management körperlicher Komplikationen bei Alkoholerkrankungen. Dazu zählen der akute Alkoholentzug, die Wernicke-Enzephalopathie, alkoholbedingte Lebererkrankungen sowie die akute und chronische Pankreatitis.

TrinkmusterDefinition (WHO/ICD-10/DSM-V)
Hazardous drinking (Risikoreicher Konsum)Erhöht das Risiko für Schäden. >14 bis <35 Einheiten/Woche (Frauen), >14 bis <50 Einheiten/Woche (Männer).
Harmful drinking (Schädlicher Konsum)Verursacht bereits mentale oder physische Schäden. ≥35 Einheiten/Woche (Frauen), ≥50 Einheiten/Woche (Männer).

Akuter Alkoholentzug

Die Behandlung des akuten Alkoholentzugs erfordert eine sorgfältige Risikostratifizierung und Überwachung.

  • Stationäre Aufnahme: Anbieten bei Patienten mit (oder hohem Risiko für) Entzugskrämpfen oder Delirium tremens, sowie bei Jugendlichen unter 16 Jahren. Eine niedrigere Schwelle gilt für vulnerable Gruppen (z. B. Gebrechlichkeit, kognitive Einschränkungen, fehlende soziale Unterstützung).
  • Assessment: Verwendung validierter Tools wie der CIWA-Ar-Skala (Clinical Institute Withdrawal Assessment – Alcohol, revised) als Ergänzung zur klinischen Beurteilung.
  • Therapieregime: Im stationären Setting (oder bei 24-Stunden-Überwachung) soll ein symptomgetriebenes Regime angewendet werden.
IndikationEmpfohlene MedikationBemerkung
Akuter EntzugBenzodiazepine oder CarbamazepinClomethiazol als Alternative (nur stationär, mit Vorsicht).
Delirium tremensLorazepam (oral)1. Wahl. Bei Persistenz oder Ablehnung: Lorazepam oder Haloperidol parenteral.
EntzugskrämpfeSchnell wirksames Benzodiazepin (z. B. Lorazepam)Kein Phenytoin zur Behandlung von Alkoholentzugskrämpfen anbieten!

Wernicke-Enzephalopathie

Eine Wernicke-Enzephalopathie muss bei alkoholabhängigen Patienten aktiv verhindert und bei Verdacht sofort behandelt werden.

SituationApplikationswegIndikation / Zielgruppe
Prophylaxe (ambulant/stationär)OralSchädlicher/abhängiger Konsum + Mangelernährung (oder Risiko), dekompensierte Lebererkrankung, akuter Entzug oder vor/während geplantem Entzug.
Prophylaxe (Notaufnahme/Klinik)Parenteral, dann oralWie oben, wenn Patienten mit akuter Erkrankung/Verletzung in der Notaufnahme vorstellig werden oder stationär aufgenommen werden.
Verdacht auf WernickeParenteral (min. 5 Tage)Bei Verdacht (besonders bei Intoxikation). Anschließend orale Erhaltungstherapie. Dosis am oberen Ende des BNF-Bereichs.

Alkoholbedingte Lebererkrankung

Bei Patienten mit schädlichem oder riskantem Konsum und auffälligen Leberwerten müssen alternative Ursachen ausgeschlossen werden. Zur Bestätigung der Diagnose ist eine Überweisung an einen Spezialisten indiziert. Eine Leberbiopsie kann erwogen werden.

  • Lebertransplantation: Überweisung zur Evaluation, wenn nach bestmöglicher Therapie und 3 Monaten Alkoholabstinenz weiterhin eine dekompensierte Lebererkrankung besteht.
  • Alkoholische Hepatitis: Kortikosteroide anbieten bei schwerer alkoholischer Hepatitis und einer Diskriminanzfunktion (Maddrey-Score) ≥ 32.
    • Voraussetzungen: Aktive Infektionen oder GI-Blutungen müssen effektiv behandelt sein, Nierenfunktion kontrolliert.
    • Aufklärung: Verbessert das kurzfristige Überleben (1 Monat), aber nicht das langfristige (3-12 Monate). Erhöht das Risiko schwerer Infektionen in den ersten 3 Monaten.
  • Ernährung: Nährstoffbedarf ermitteln und ggf. enterale Ernährung (Magensonde) anbieten.

Alkoholbedingte Pankreatitis

Akute Pankreatitis

  • Keine prophylaktischen Antibiotika anbieten.
  • Patienten nicht "nil-by-mouth" (nüchtern) lassen, es sei denn, es gibt einen klaren Grund (z. B. Erbrechen).
  • Enterale Ernährung: Bei schwerer oder mittelschwerer akuter Pankreatitis innerhalb von 72 Stunden beginnen. Parenterale Ernährung nur, wenn enteral versagt oder kontraindiziert ist.

Chronische Pankreatitis

  • Diagnostik: Kombination aus Symptomen, Bildgebung (CT als 1. Wahl zur Beurteilung der Struktur) und Funktionstests.
  • Schmerztherapie: Überweisung an ein Spezialzentrum. Bei Obstruktion des Hauptganges Operation als 1. Wahl erwägen. Bei "Small-duct"-Pankreatitis (nicht-obstruktiv) Zöliakusblockade, Splanchnikektomie oder Operation anbieten.
  • Enzymsubstitution: Pankreasenzyme nur bei Steatorrhoe oder schlechtem Ernährungszustand durch exokrine Insuffizienz anbieten. Nicht verschreiben, wenn Schmerz das einzige Symptom ist.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie zur Steuerung der Entzugsmedikation im stationären Setting ein symptomgetriebenes Schema (z. B. anhand des CIWA-Ar-Scores). Geben Sie bei Entzugskrämpfen kein Phenytoin, sondern schnell wirksame Benzodiazepine.

Häufig gestellte Fragen

Bei Patienten mit (oder hohem Risiko für) Entzugskrämpfen oder Delirium tremens, bei Jugendlichen unter 16 Jahren sowie bei vulnerablen Personen mit z. B. Gebrechlichkeit oder kognitiven Einschränkungen.
Als Erstlinientherapie wird orales Lorazepam empfohlen. Bei Persistenz der Symptome oder Ablehnung oraler Medikation sollte parenterales Lorazepam oder Haloperidol angeboten werden.
Nein, Phenytoin darf zur Behandlung von Alkoholentzugskrämpfen nicht angeboten werden. Stattdessen sollte ein schnell wirksames Benzodiazepin wie Lorazepam erwogen werden.
Bei schwerer alkoholischer Hepatitis mit einer Diskriminanzfunktion (Maddrey-Score) von 32 oder mehr, sofern aktive Infektionen oder gastrointestinale Blutungen effektiv behandelt wurden.
Nein, Patienten sollten nicht nüchtern bleiben, es sei denn, es gibt einen klaren Grund wie z. B. Erbrechen. Eine enterale Ernährung sollte innerhalb von 72 Stunden begonnen werden.

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