Neurogene Blasenstörungen: Diagnostik und Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AWMF|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die AWMF-S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) behandelt die Diagnostik und Therapie von neurogenen Blasenstörungen. Diese Dysfunktionen weisen ein neurologisches Korrelat auf und werden in verschiedene Störungsmuster unterteilt.

Die neurologische Läsionshöhe bestimmt maßgeblich das Funktionsmuster des unteren Harntrakts. Läsionen oberhalb des sakralen Miktionszentrums führen meist zu einer spastischen Lähmung mit hyperaktivem Detrusor oder Sphinkter.

Schädigungen unterhalb des sakralen Miktionszentrums resultieren hingegen in der Regel in einer schlaffen Lähmung. Dies äußert sich klinisch als hypoaktiver Detrusor oder Sphinkter.

Klinischer Kontext

Neurogene Blasenstörungen treten häufig als Folge neurologischer Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Querschnittslähmungen oder Morbus Parkinson auf. Die Prävalenz korreliert stark mit der Grunderkrankung, wobei beispielsweise bis zu achtzig Prozent der MS-Patienten im Krankheitsverlauf betroffen sind.

Die normale Blasenfunktion erfordert eine komplexe Koordination zwischen dem zentralen und peripheren Nervensystem. Läsionen in diesen Bahnen führen zu einer gestörten Speicher- oder Entleerungsfunktion, was sich als Detrusorhyperaktivität, Sphinkterdyssynergie oder Areflexie manifestieren kann.

Für betroffene Patienten bedeuten diese Störungen eine massive Einschränkung der Lebensqualität und ein hohes Risiko für Komplikationen. Unbehandelt drohen rezidivierende Harnwegsinfekte, Nierenschäden durch Reflux und im schlimmsten Fall eine terminale Niereninsuffizienz.

Die Basisdiagnostik umfasst eine ausführliche Anamnese, Miktionsprotokolle und eine Restharnbestimmung per Ultraschall. Zur genauen Klassifikation der Störung ist in der Regel eine urodynamische Untersuchung unerlässlich, um Druckverhältnisse und funktionelle Abläufe objektiv zu erfassen.

Wissenswertes

Zur medikamentösen Therapie der überaktiven Blase werden primär Anticholinergika eingesetzt, um den Blasendruck zu senken und die Kapazität zu erhöhen. Alternativ stehen Beta-3-Sympathomimetika zur Verfügung, die oft ein günstigeres Nebenwirkungsprofil bezüglich kognitiver Beeinträchtigungen aufweisen.

Eine Urodynamik ist indiziert, wenn der Verdacht auf eine neurogene Blasenstörung besteht und die Basisdiagnostik nicht ausreicht. Sie ist besonders wichtig zur Beurteilung des Risikos für den oberen Harntrakt, etwa bei Verdacht auf eine Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie.

Die Diagnose erfolgt durch eine Videourodynamik oder ein kombiniertes Elektromyogramm des Beckenbodens während der Zystometrie. Typisch ist eine unwillkürliche Kontraktion des externen Sphinkters während der Detrusorkontraktion, was zu hohen Drücken in der Blase führt.

Botulinumtoxin A wird in den Detrusormuskel injiziert, wenn orale Medikamente bei einer neurogenen Detrusorhyperaktivität nicht ausreichend wirken oder schlecht vertragen werden. Die Behandlung führt zu einer temporären Lähmung des Muskels und muss meist nach mehreren Monaten wiederholt werden.

Zu den schwerwiegendsten Folgen zählen chronische Nierenschäden durch hohe intravesikale Drücke und vesikoureteralen Reflux. Zudem treten häufig rezidivierende Harnwegsinfekte, Blasensteine und strukturelle Veränderungen der Blasenwand auf.

Der intermittierende Selbstkatheterismus ist der Goldstandard zur Entleerung bei unzureichender Blasenentleerung oder Harnretention. Patienten entleeren ihre Blase dabei mehrmals täglich steril mit einem Einmalkatheter, um Restharn und hohe Drücke zu vermeiden.

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💡Praxis-Tipp

Vor der Injektion von Botulinumtoxin in den Detrusor wird dringend empfohlen, die Fähigkeit des Patienten zur sauberen Selbstkatheterisierung sicherzustellen. Da die Therapie zu einer chemischen Blasendenervierung führt, ist eine willkürliche Blasenentleerung im Anschluss oft nicht mehr möglich. Zudem betont die Leitlinie die Wichtigkeit, vor jeder spezifischen Therapie nicht-neurogene Ursachen wie ein BPH-Syndrom oder Blasentumoren auszuschließen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird die Restharnmessung als primäre Screeningmethode empfohlen. Diese kann entweder sonographisch oder per Einmalkatheterismus durchgeführt werden.

Es wird empfohlen, die Therapie mit einem Antimuskarinikum für mindestens 4 bis 6 Wochen durchzuführen. Dabei sollten gemäß Leitlinie mindestens zwei unterschiedliche Präparate getestet werden.

Die Leitlinie empfiehlt bei zerebralen Funktionsstörungen bevorzugt Trospiumchlorid oder M3-selektive Antimuskarinika. Trospiumchlorid passiert als quartäre Ammoniumverbindung die Blut-Hirn-Schranke nicht, was zentralnervöse Nebenwirkungen reduziert.

Bei der isolierten Harnretention infolge einer gestörten Sphinkterrelaxation (Fowler-Syndrom) wird die sakrale Neuromodulation empfohlen. Laut Leitlinie ist dies das einzige wirksame Therapieverfahren für diese Patientengruppe.

Zur Behandlung der nächtlichen Polyurie nennt die Leitlinie die Gabe von Desmopressin. Zu Beginn der Therapie wird eine regelmäßige Überwachung von Blutdruck, Gewicht und Serum-Natrium empfohlen.

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