Neratinib bei Mammakarzinom: Indikation und Dosierung
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bewertet den Zusatznutzen von Neratinib. Der Wirkstoff wird zur erweiterten adjuvanten Behandlung bei Brustkrebs eingesetzt.
Die Zielgruppe umfasst Erwachsene mit hormonrezeptorpositivem, HER2-überexprimiertem Brustkrebs in einem frühen Stadium. Voraussetzung ist, dass die vorherige Trastuzumab-basierte Therapie seit weniger als einem Jahr abgeschlossen ist.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) das beobachtende Abwarten festgelegt. Die Bewertung basiert maßgeblich auf den Daten der randomisierten, doppelblinden ExteNET-Studie.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert basierend auf der ExteNET-Studie folgende Kernaussagen zum Zusatznutzen:
Gesamtaussage zum Zusatznutzen
Laut Bericht ist ein Zusatznutzen von Neratinib gegenüber dem beobachtenden Abwarten nicht belegt. Dem Vorteil bei der Verhinderung von Rezidiven stehen gravierende Nachteile durch Nebenwirkungen gegenüber.
Zu längerfristigen Effekten der Therapie können keine Aussagen getroffen werden. Die Beobachtungszeit in der Studie betrug für Rezidive maximal zwei Jahre und für Nebenwirkungen maximal ein Jahr.
Positive Effekte (Wirksamkeit)
Für den Endpunkt Rezidive zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Neratinib. Daraus ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen erheblichen Zusatznutzen.
Negative Effekte (Nebenwirkungen)
Der Bericht stellt gravierende Nachteile während der Behandlungsphase fest. Es ergeben sich Hinweise auf einen höheren Schaden durch:
-
Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUEs)
-
Schwere unerwünschte Ereignisse (CTCAE-Grad ab 3)
-
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts (insbesondere Diarrhö)
-
Therapieabbrüche wegen unerwünschter Ereignisse
Lebensqualität und Gesundheitszustand
Für die Endpunkte gesundheitsbezogene Lebensqualität und allgemeiner Gesundheitszustand zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied. Ein Zusatznutzen ist in diesen Bereichen nicht belegt.
Dosierung
Die Behandlung wird von ärztlichem Personal mit Erfahrung in der Verabreichung von Krebsmedikamenten initiiert und überwacht. Die Therapie muss innerhalb eines Jahres nach Abschluss der Trastuzumab-Therapie begonnen werden.
| Medikament | Dosis | Dauer | Einnahmehinweis |
|---|---|---|---|
| Neratinib | 240 mg (6 Tabletten à 40 mg) 1-mal täglich | 1 Jahr | Oral, zusammen mit Nahrung, vorzugsweise morgens |
Begleitmedikation (Prophylaxe)
Es wird eine prophylaktische Durchfallbehandlung zusammen mit der ersten Neratinib-Dosis empfohlen.
| Medikament | Dosis | Zeitraum | Ziel |
|---|---|---|---|
| Loperamid | 4 mg 3-mal täglich | Woche 1 und 2 | 1-2 Stuhlgänge pro Tag |
| Loperamid | 4 mg 2-mal täglich | Woche 3 bis 8 | 1-2 Stuhlgänge pro Tag |
Kontraindikationen
Laut Fachinformation bestehen folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile
-
Schwere Leberinsuffizienz (Child-Pugh C)
-
Gleichzeitige Verabreichung von starken Induktoren oder bestimmten milden Inhibitoren von CYP3A4/P-gp
Zudem wird vor einer gleichzeitigen Behandlung mit Protonenpumpenhemmern und H2-Rezeptorantagonisten gewarnt. Bei Einnahme eines Antazidums wird ein zeitlicher Abstand von mindestens drei Stunden zur Neratinib-Dosis empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht betont das hohe Risiko für schwere gastrointestinale Nebenwirkungen, insbesondere Diarrhö, unter der Therapie mit Neratinib. Es wird hervorgehoben, dass eine konsequente prophylaktische Durchfallbehandlung ab dem ersten Tag der Einnahme essenziell ist. Zudem wird eine regelmäßige Überwachung der Leberfunktionstests empfohlen, da eine Lebertoxizität auftreten kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut Zulassung wird Neratinib zur erweiterten adjuvanten Behandlung bei hormonrezeptorpositivem, HER2-positivem Brustkrebs im frühen Stadium eingesetzt. Die vorherige Trastuzumab-Therapie darf dabei maximal ein Jahr zurückliegen.
Die empfohlene Behandlungsdauer für Neratinib beträgt ein Jahr. Die Einnahme erfolgt einmal täglich oral.
Der IQWiG-Bericht kommt zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen nicht belegt ist. Zwar gibt es Anhaltspunkte für weniger Rezidive, diese werden jedoch durch gravierende Nebenwirkungen wie schwere Diarrhö aufgewogen.
Die gleichzeitige Behandlung mit Protonenpumpenhemmern und H2-Rezeptorantagonisten wird nicht empfohlen. Bei Antazida wird ein Abstand von mindestens drei Stunden zur Neratinib-Einnahme angeraten.
Es wird eine regelmäßige Überwachung der Leberwerte (ALT, AST, Gesamtbilirubin) empfohlen. Bei Personen mit bekannten Herz-Risikofaktoren wird zudem eine Herzüberwachung inklusive LVEF-Beurteilung angeraten.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG A19-98: Neratinib (Mammakarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
IQWiG A20-07: Trastuzumab Emtansin (Mammakarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A18-41: Pertuzumab (Mammakarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A22-103: Pertuzumab (Mammakarzinom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A15-34: Pertuzumab (neues Anwendungsgebiet) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (Dossierbewertung)
IQWiG A22-102: Pertuzumab/Trastuzumab (Mammakarzinom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen