Neonatale Infektionen: Diagnostik und Antibiose
Hintergrund
Neonatale Infektionen sind eine bedeutende Ursache für Morbidität und Mortalität bei Neugeborenen. Die NICE-Leitlinie NG195 adressiert die Prävention, Erkennung und Behandlung von bakteriellen Infektionen bei Babys bis zum 28. Lebenstag.
Ein zentrales Ziel ist es, Verzögerungen bei der Erkennung und Behandlung kranker Neugeborener zu reduzieren. Gleichzeitig soll der unnötige Einsatz von Antibiotika bei gesunden Babys vermieden werden, um Resistenzen vorzubeugen.
Die Leitlinie unterscheidet zwischen Frühinfektionen (early-onset, innerhalb der ersten 72 Lebensstunden) und Spätinfektionen (late-onset, nach 72 Stunden). Virale Infektionen werden in diesem Dokument nicht behandelt.
Empfehlungen
Prävention vor der Geburt
Die Leitlinie empfiehlt eine intrapartale Antibiotikaprophylaxe für bestimmte Risikogruppen. Dazu gehören Frauen mit vorzeitigen Wehen, nachgewiesener B-Streptokokken-Kolonisation (GBS) oder einer klinischen Diagnose einer Chorioamnionitis.
Als Mittel der ersten Wahl wird Benzylpenicillin empfohlen. Bei Vorliegen einer Chorioamnionitis sollte laut Leitlinie eine Kombination aus Benzylpenicillin, Gentamicin und Metronidazol verabreicht werden.
Diagnostik bei Verdacht auf Infektion
Bei Vorliegen von Risikofaktoren oder klinischen Warnzeichen (Red Flags) wie Apnoe, Krampfanfällen oder Schockzeichen wird eine sofortige klinische Beurteilung empfohlen.
Vor der ersten Antibiotikagabe sollen folgende Untersuchungen durchgeführt werden:
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Abnahme einer Blutkultur
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Bestimmung des Ausgangswerts des C-reaktiven Proteins (CRP)
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Lumbalpunktion zur Gewinnung von Liquor, sofern klinisch sicher durchführbar
Es wird davon abgeraten, routinemäßig Urin- oder Hautabstrichuntersuchungen bei Verdacht auf eine Frühinfektion durchzuführen.
Therapie der Früh- und Spätinfektion
Bei Verdacht auf eine Frühinfektion empfiehlt die Leitlinie als empirische Erstlinientherapie eine intravenöse Kombination aus Benzylpenicillin und Gentamicin. Die Gabe muss innerhalb von einer Stunde nach der Behandlungsentscheidung erfolgen.
Für Spätinfektionen auf der Neugeborenenstation wird eine Kombination aus Schmalspektrum-Antibiotika (z. B. Flucloxacillin plus Gentamicin) empfohlen. Bei Verdacht auf eine nekrotisierende Enterokolitis sollte ein gegen Anaerobier wirksames Antibiotikum wie Metronidazol ergänzt werden.
Bei Verdacht auf Meningitis mit unbekanntem Erreger wird eine Therapie mit intravenösem Amoxicillin und Cefotaxim empfohlen.
Monitoring und Behandlungsdauer
Es wird empfohlen, den CRP-Wert 18 bis 24 Stunden nach Behandlungsbeginn zu kontrollieren.
Bei Frühinfektionen kann ein Absetzen der Antibiotika nach 36 Stunden erwogen werden, wenn die Blutkultur negativ ist und der klinische Zustand sowie der CRP-Verlauf unauffällig sind. Bei Spätinfektionen gilt dies nach 48 Stunden.
Bei einer positiven Blutkultur wird in der Regel eine Behandlungsdauer von 7 Tagen empfohlen.
Dosierung
| Indikation | Medikament | Dosierung / Anwendung |
|---|---|---|
| Intrapartale Prophylaxe (Standard) | Benzylpenicillin | Gabe sobald die Wehen einsetzen, bis zur Geburt |
| Intrapartale Prophylaxe (Chorioamnionitis) | Benzylpenicillin + Gentamicin + Metronidazol | Einmal tägliche Dosierung für intravenöses Gentamicin |
| Frühinfektion (empirisch) | Benzylpenicillin | 25 mg/kg alle 12 Stunden (ggf. alle 8 Stunden bei schweren Verläufen) |
| Frühinfektion (empirisch) | Gentamicin | Startdosis 5 mg/kg (gemäß Leitlinie alle 36 Stunden als Einzeldosis) |
| Meningitis (B-Streptokokken) | Benzylpenicillin | 50 mg/kg alle 12 Stunden für mindestens 14 Tage |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt spezifische Kontraindikationen für die Durchführung einer Lumbalpunktion bei Neugeborenen. Diese darf nicht durchgeführt werden bei:
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Ausgedehnter oder sich schnell ausbreitender Purpura
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Infektion an der Einstichstelle
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Risikofaktoren für eine raumfordernde Läsion
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Zeichen eines erhöhten intrakraniellen Drucks (z. B. neue fokale neurologische Ausfälle, abnorme Pupillenreaktionen)
Zudem wird explizit davon abgeraten, Rifampicin-Miconazol-imprägnierte Katheter bei Neugeborenen zu verwenden.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass bei klinischem Verdacht auf eine neonatale Infektion die Antibiotikatherapie zwingend innerhalb von einer Stunde nach der Behandlungsentscheidung erfolgen muss. Gleichzeitig wird hervorgehoben, dass bei unauffälligem klinischen Verlauf, negativer Blutkultur und beruhigenden CRP-Werten die Antibiotika bei Frühinfektionen bereits nach 36 Stunden (bei Spätinfektionen nach 48 Stunden) abgesetzt werden sollten, um Resistenzen und Nebenwirkungen zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt als empirische Erstlinientherapie eine intravenöse Kombination aus Benzylpenicillin und Gentamicin. Bei mikrobiologischem Nachweis einer gramnegativen Sepsis sollte ein weiteres Antibiotikum wie Cefotaxim ergänzt werden.
Eine Lumbalpunktion wird empfohlen, wenn ein starker klinischer Verdacht auf eine Infektion besteht oder klinische Zeichen einer Meningitis vorliegen. Lebensbedrohliche Zustände wie Schock oder Atemnot müssen jedoch vorab stabilisiert werden.
Es wird empfohlen, die Talspiegel unmittelbar vor der zweiten Dosis und danach vor jeder dritten Dosis zu messen. Der Zielwert für den Talspiegel liegt laut Leitlinie bei unter 2 mg/l, beziehungsweise unter 1 mg/l bei einer Behandlungsdauer von mehr als drei Dosen.
Bei Neugeborenen mit einem Geburtsgewicht bis 1.500 g oder einem Gestationsalter unter 30 Wochen, die wegen einer Spätinfektion Antibiotika erhalten, wird prophylaktisches orales Nystatin empfohlen. Falls eine orale Gabe nicht möglich ist, kann intravenöses Fluconazol verwendet werden.
Bei einer leichten Penicillinallergie empfiehlt die Leitlinie ein Cephalosporin mit Wirksamkeit gegen B-Streptokokken, wie Cefotaxim. Bei einer schweren Penicillinallergie sollte Vancomycin oder ein nach Antibiogramm geeignetes Alternativpräparat erwogen werden.
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Quelle: NICE Guideline on Neonatal Infection (NICE, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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