Myokarditis & Perikarditis (IMPS): Herz-MRT & Therapie
Hintergrund
Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hat 2025 eine neue Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Myokarditis und Perikarditis veröffentlicht. In diesem Rahmen wird der Begriff des inflammatorischen Myokard- und Perikardsyndroms (IMPS) als neuer Oberbegriff eingeführt. Dieser umfasst das gesamte Spektrum entzündlicher Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen, einschließlich Übergangsformen wie der Myoperikarditis.
Die kardiale Magnetresonanztomographie (k-MRT) nimmt in der modernen Diagnostik eine zentrale Rolle ein. Sie ermöglicht eine präzise Gewebecharakterisierung und kann nichtinvasiv zwischen aktiver, abgelaufener und abgeheilter Entzündung unterscheiden.
Diese Zusammenfassung basiert auf der Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zur ESC-Leitlinie. Die DGK betont die Notwendigkeit einer flächendeckenden k-MRT-Infrastruktur, um eine leitliniengerechte Versorgung sicherzustellen.
Klinischer Kontext
Myokarditis und Perikarditis sind entzündliche Erkrankungen des Herzens, deren genaue Inzidenz schwer zu erfassen ist, da viele Verläufe asymptomatisch bleiben. Besonders häufig sind junge, ansonsten gesunde Erwachsene und Sportler betroffen, wobei virale Infektionen in Europa die häufigste Ursache darstellen.
Die Pathogenese umfasst meist eine direkte virale Schädigung des Myokards oder Perikards, gefolgt von einer immunvermittelten Entzündungsreaktion. Diese Entzündung kann zu Ödemen, Nekrosen und im weiteren Verlauf zu fibrotischem Umbau des Herzmuskelgewebes führen.
Für Ärzte ist die rechtzeitige Erkennung essenziell, da die Erkrankungen von einer milden, selbstlimitierenden Symptomatik bis hin zu lebensbedrohlichen Arrhythmien, kardiogenem Schock oder chronischer Herzinsuffizienz reichen können. Eine präzise Differenzierung von ischämischen Ereignissen wie dem akuten Koronarsyndrom ist im klinischen Alltag von höchster Bedeutung.
Die Diagnostik stützt sich auf Anamnese, EKG-Veränderungen, kardiale Biomarker und die Echokardiografie zum Ausschluss anderer Pathologien. Die kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie (Herz-MRT) hat sich als nicht-invasiver Goldstandard etabliert, da sie Gewebeveränderungen wie Ödeme, Hyperämie und späte Gadolinium-Anreicherung detailliert visualisieren kann.
Wissenswertes
Die kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie wird bei klinisch begründetem Verdacht auf eine Myokarditis bei hämodynamisch stabilen Patienten eingesetzt. Sie dient der Bestätigung der Diagnose und der Beurteilung des Ausmaßes der myokardialen Schädigung.
Die Diagnose stützt sich typischerweise auf die sogenannten Lake-Louise-Kriterien. Diese umfassen den Nachweis eines myokardialen Ödems in T2-gewichteten Sequenzen sowie typische Zeichen einer Gewebeschädigung wie Nekrose oder Fibrose im Late Gadolinium Enhancement (LGE).
Bei einer isolierten Perikarditis zeigt sich im MRT vor allem eine Verdickung des Herzbeutels mit Kontrastmittelaufnahme und oft ein begleitender Perikarderguss. Eine Beteiligung des Myokards im Sinne einer Perimyokarditis lässt sich durch zusätzliche myokardiale Ödeme oder LGE-Areale abgrenzen.
Das Herz-MRT ist ein hervorragendes nicht-invasives Verfahren zur Diagnosesicherung, kann aber die histologische und virologische Aufarbeitung einer Endomyokardbiopsie nicht vollständig ersetzen. Bei hämodynamisch instabilen Patienten oder Verdacht auf spezifische Entzündungsformen bleibt die Biopsie oft unerlässlich.
Verlaufskontrollen mittels MRT werden häufig nach einigen Monaten durchgeführt, um die Rückbildung von Ödemen und das Ausmaß der verbliebenen Narbenbildung zu beurteilen. Diese Informationen helfen bei der Einschätzung der Prognose und der Entscheidung über die Wiederaufnahme sportlicher Aktivitäten.
Kardiale Biomarker wie Troponin weisen auf eine akute Myokardschädigung hin, während das CRP die systemische Entzündungsreaktion widerspiegelt. Erhöhte Werte stützen den klinischen Verdacht, sind jedoch nicht spezifisch und erfordern weitere bildgebende Diagnostik.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt vor einer pauschalen "One-fits-all"-Strategie bei der Freigabe zur sportlichen Betätigung nach einem IMPS. Stattdessen wird eine streng personalisierte Entscheidung empfohlen, die sich maßgeblich auf die Befunde der kardialen MRT-Kontrollen stützt. Zudem wird bei wiederkehrenden Entzündungen auf die Wichtigkeit einer frühzeitigen kardiogenetischen Abklärung hingewiesen.
Häufig gestellte Fragen
Laut der neuen ESC-Leitlinie steht IMPS für das inflammatorische Myokard- und Perikardsyndrom. Es dient als Oberbegriff für das gesamte Spektrum der entzündlichen Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen, inklusive Myoperikarditis.
Die Leitlinie empfiehlt die endomyokardiale Biopsie (EMB) weiterhin für ausgewählte Fälle. Sie ist besonders bei unklaren oder hochriskanten Krankheitsverläufen relevant, um histopathologische Erkenntnisse für die Therapieentscheidung zu gewinnen.
Gemäß den Empfehlungen der Leitlinie sind im klinischen Verlauf Kontrolluntersuchungen mittels kardialer MRT vorgesehen. Diese sollten nach 6 und nach 12 Monaten durchgeführt werden.
Bei komplexen und rezidivierenden Fällen der Perikarditis hebt die Leitlinie den Einsatz von Anti-IL-1-Antikörpern hervor. Diese stellen eine vielversprechende neue medikamentöse Option dar.
Die Leitlinie gibt keine pauschale Dauer mehr vor, sondern empfiehlt eine personalisierte Rückkehr zum Sport. Die Dauer der Belastungseinschränkung wird individuell anhand der Schwere der Erkrankung und der bildgebenden MRT-Kontrollen festgelegt.
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Quelle: Neue Myokarditis und Perikarditis Leitlinie der ESC: Zentrale Rolle der kardiovaskulären Magnetresonanztomographie (Herz-MRT) – DGK-Stellungnahme Aus (DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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