Mundpflege nach Schlaganfall: Pneumonieprophylaxe
Hintergrund
Nach einem Schlaganfall leiden viele Betroffene unter körperlichen, sensorischen und kognitiven Einschränkungen. Diese Defizite erschweren die eigenständige und routinemäßige Mundgesundheitspflege erheblich.
Eine unzureichende Mundhygiene kann zu Plaquebildung, Karies und Zahnfleischerkrankungen führen. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Komplikationen wie die schlaganfallassoziierte Pneumonie.
Der vorliegende Cochrane Review untersucht die Wirksamkeit verschiedener Interventionen zur Verbesserung der Mundgesundheit bei Menschen nach einem Schlaganfall. Dabei werden strukturierte Maßnahmen der Mundgesundheitspflege mit der Standardversorgung oder Placebo-Behandlungen verglichen.
Empfehlungen
Der Review fasst die Ergebnisse zu verschiedenen Interventionen wie folgt zusammen:
Schulung und Wissen
Der Cochrane Review zeigt, dass Schulungen für Pflegepersonal und Angehörige das Wissen über Mundgesundheitspflege signifikant verbessern (Evidenz von sehr niedriger Qualität). Auch die Einstellung der Pflegenden zur Mundhygiene wird durch solche Interventionen positiv beeinflusst.
Plaque und Mundhygiene
Laut dem Review reduzieren umfassende Mundpflege-Interventionen im Vergleich zur Standardversorgung die Plaquebildung auf Zahnprothesen (Evidenz von niedriger Qualität).
Für die Reduktion von Plaque auf natürlichen Zähnen konnte jedoch kein signifikanter Unterschied zur üblichen Versorgung nachgewiesen werden. Ebenso ergab sich kein eindeutiger Nutzen hinsichtlich Gingivitis oder protheseninduzierter Stomatitis.
Prävention der Pneumonie
Der Review liefert Hinweise darauf, dass ein selektives Dekontaminationsgel die Inzidenz von Lungenentzündungen im Vergleich zu einem Placebo-Gel senken kann (Evidenz von niedriger Qualität).
Andere Interventionen, wie die Anwendung von Povidon-Jod oder allgemeine Mundpflege-Protokolle, zeigten keinen signifikanten Effekt auf die Pneumonierate. Die Autoren betonen, dass weiterhin qualitativ hochwertige Evidenz zur optimalen Mundpflege nach einem Schlaganfall fehlt.
Dosierung
Der Review analysierte verschiedene Studien, in denen spezifische Wirkstoffe zur Mundpflege eingesetzt wurden. Die folgende Tabelle fasst die in den eingeschlossenen Studien verwendeten Schemata zusammen:
| Wirkstoff / Intervention | Spezifikation / Dosis | Anwendungshäufigkeit | Indikation / Ziel |
|---|---|---|---|
| Selektives Dekontaminationsgel | 500 mg Gel (2 % Colistin, 2 % Polymyxin E, 2 % Amphotericin B) | 4-mal täglich | Reduktion der Pneumonieinzidenz |
| Povidon-Jod Lösung | 10 % antiseptische Lösung | 6-mal täglich | Oropharyngeale Pflege, Pneumonieprävention |
| Chlorhexidin Mundspülung | 0,2 % Lösung (10 ml) | 1- bis 2-mal täglich | Plaquekontrolle, Reduktion opportunistischer Erreger |
💡Praxis-Tipp
Der Review hebt hervor, dass die Schulung von Pflegepersonal und Angehörigen eine der wenigen Maßnahmen ist, die nachweislich das Wissen und die Einstellung zur Mundpflege verbessern. Es wird betont, dass trotz fehlender starker Evidenz für spezifische Protokolle eine strukturierte Mundpflege besser ist als keine Maßnahme. Besonderes Augenmerk sollte auf die Reinigung von Zahnprothesen gelegt werden, da hierfür ein messbarer Nutzen belegt ist.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review stellt fest, dass es an qualitativ hochwertiger Evidenz für ein optimales Mundpflegeprotokoll mangelt. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass strukturierte Schulungen des Personals und die regelmäßige Prothesenreinigung messbare Vorteile bringen.
Laut dem Review gibt es Hinweise von niedriger Qualität, dass ein selektives Dekontaminationsgel die Häufigkeit von Lungenentzündungen reduzieren kann. Allgemeine Mundpflegeprotokolle zeigten in den analysierten Studien jedoch keinen signifikanten Effekt auf die Pneumonierate.
Der Review zeigt, dass strukturierte Mundpflege-Interventionen durch geschultes Personal die Plaquebildung auf Zahnprothesen signifikant verringern. Spezifische Reinigungstechniken werden nicht favorisiert, jedoch wird die regelmäßige Durchführung durch angeleitetes Personal betont.
In mehreren eingeschlossenen Studien wurde Chlorhexidin als Mundspülung oder Gel zur Plaquekontrolle eingesetzt. Der Review liefert jedoch keine abschließende Bewertung, ob Chlorhexidin anderen Standardmaßnahmen in der Schlaganfallversorgung überlegen ist.
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Quelle: Cochrane Review: Interventions for improving oral health in people after stroke (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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