Mammakarzinom (HER2+): Pertuzumab/Trastuzumab Therapie
Hintergrund
Die vorliegende Nutzenbewertung des IQWiG untersucht die subkutane Fixdosiskombination aus Pertuzumab und Trastuzumab. Das Anwendungsgebiet umfasst die adjuvante Behandlung von erwachsenen Patientinnen und Patienten mit HER2-positivem frühem Mammakarzinom.
Voraussetzung für die Therapie ist ein hohes Rezidivrisiko. Dieses wird als nodalpositive oder hormonrezeptornegative Erkrankung definiert. Die Gabe erfolgt stets in Kombination mit einer Chemotherapie.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde ein Schema festgelegt, das Trastuzumab, ein Taxan und gegebenenfalls ein Anthrazyklin enthält. Die Bewertung basiert maßgeblich auf den Ergebnissen der APHINITY-Studie.
Empfehlungen
Die IQWiG-Nutzenbewertung formuliert folgende Kernaussagen basierend auf der APHINITY-Studie:
Überleben und Rezidive
-
Für das Gesamtüberleben zeigt sich ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen der Kombinationstherapie.
-
Bezüglich der Rezidivrate und des krankheitsfreien Überlebens ergibt sich ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen.
Symptomatik und Lebensqualität
Die Auswirkungen auf die Lebensqualität und Symptomatik variieren stark nach Alter:
-
Bei Patientinnen unter 65 Jahren zeigen sich Anhaltspunkte für einen Zusatznutzen in den Bereichen emotionale Funktion und Rollenfunktion.
-
Bei Patientinnen ab 65 Jahren ergeben sich Anhaltspunkte für einen geringeren Nutzen aufgrund vermehrter Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit.
-
Unabhängig vom Alter besteht ein Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen bezüglich Diarrhö.
Nebenwirkungen
Laut IQWiG-Bericht zeigt sich ein Hinweis auf einen höheren Schaden durch schwerwiegende und schwere unerwünschte Ereignisse. Dies betrifft insbesondere:
-
Herzinsuffizienz (schwerwiegende unerwünschte Ereignisse)
-
Schwere Diarrhö und Stomatitis
-
Anämie und erniedrigte Leukozytenzahlen
-
Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes (besonders bei unter 65-Jährigen)
Gesamtaussage zum Zusatznutzen
In der Gesamtschau überwiegen die positiven Effekte beim Gesamtüberleben und bei der Rezidivvermeidung. Das IQWiG leitet daher einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen für Pertuzumab/Trastuzumab (s.c.) gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ab.
Dosierung
Die subkutane Fixdosiskombination wird unabhängig vom Körpergewicht verabreicht. Die Behandlung erfolgt im adjuvanten Setting für insgesamt ein Jahr (bis zu 18 Zyklen).
| Behandlungsphase | Dosis (Pertuzumab / Trastuzumab) | Injektionsdauer | Beobachtungszeit |
|---|---|---|---|
| Initialdosis | 1200 mg / 600 mg | 8 Minuten | 30 Minuten |
| Erhaltungsdosis (alle 3 Wochen) | 600 mg / 600 mg | 5 Minuten | 15 Minuten |
Kontraindikationen
Laut Fachinformation (zitiert im IQWiG-Bericht) sind besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei folgenden Zuständen zu beachten:
-
Linksventrikuläre Dysfunktion (inklusive kongestiver Herzinsuffizienz)
-
Injektionsbedingte Reaktionen und Infusionsreaktionen
-
Überempfindlichkeitsreaktionen und Anaphylaxie
-
Febrile Neutropenie
-
Schwere Diarrhö
-
Pulmonale Ereignisse
Zudem wird darauf hingewiesen, dass Frauen im gebärfähigen Alter während der Therapie und für 7 Monate nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden müssen.
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht hebt das Risiko für kardiotoxische Nebenwirkungen hervor, insbesondere bei der sequenziellen Gabe nach Anthrazyklinen. Es wird betont, dass die linksventrikuläre Auswurffraktion (LVEF) engmaschig überwacht werden muss. Ein anhaltender Abfall der LVEF unter 50 Prozent erfordert laut Studienprotokoll den Abbruch der Anti-HER2-Therapie.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht erfolgt die adjuvante Behandlung für insgesamt ein Jahr. Dies entspricht bis zu 18 Zyklen, sofern kein Rezidiv oder keine unbeherrschbare Toxizität auftritt.
Die Fixdosiskombination wird unabhängig vom Körpergewicht verabreicht. Eine Dosisreduktion von Pertuzumab/Trastuzumab wird laut den zitierten Zulassungsdaten nicht empfohlen.
Das IQWiG sieht einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie. Dies begründet sich vor allem durch Vorteile beim Gesamtüberleben und der Rezidivvermeidung, trotz vermehrter Nebenwirkungen.
Die Festlegung zur zweckmäßigen Vergleichstherapie besagt, dass Trastuzumab nicht in Kombination mit Anthrazyklinen angewendet werden soll. Die Gabe erfolgt stattdessen sequenziell in Kombination mit einem Taxan.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG A22-102: Pertuzumab/Trastuzumab (Mammakarzinom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
IQWiG A22-103: Pertuzumab (Mammakarzinom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A21-11: Pertuzumab/Trastuzumab (Mammakarzinom, adjuvant) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A18-41: Pertuzumab (Mammakarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A15-34: Pertuzumab (neues Anwendungsgebiet) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (Dossierbewertung)
IQWiG A20-07: Trastuzumab Emtansin (Mammakarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen