WHO2019

Kontrazeption bei HIV-Risiko: MEC-Kriterien & Auswahl

Diese Leitlinie stammt aus 2019 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2019)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie (2019) aktualisiert die medizinischen Zulassungskriterien (MEC) für die Anwendung von Verhütungsmitteln bei Frauen mit einem hohen Risiko für eine HIV-Infektion. Zuvor gab es Bedenken aufgrund von Beobachtungsstudien, die ein möglicherweise erhöhtes HIV-Risiko bei der Nutzung bestimmter Gestagen-Injektionen suggerierten.

Neue qualitativ hochwertige Evidenz, insbesondere aus der randomisierten ECHO-Studie, konnte keinen statistisch signifikanten Unterschied in der HIV-Infektionsrate zwischen verschiedenen Verhütungsmethoden feststellen. Diese Erkenntnisse ersetzen die bisherigen Beobachtungsdaten.

Ein zentrales Ziel der Leitlinie ist es, medizinische Barrieren abzubauen und eine informierte, uneingeschränkte Wahl der Verhütungsmethode zu ermöglichen. Gleichzeitig wird die Bedeutung der Integration von Familienplanung und HIV-Prävention betont.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Einstufung der Verhütungsmethoden:

MEC-Klassifikation

Gemäß der Leitlinie werden alle untersuchten Verhütungsmethoden für Frauen mit hohem HIV-Risiko in die höchste Sicherheitskategorie eingestuft.

VerhütungsmethodeMEC-KategorieEinschränkung
Reine Gestagenpräparate (Pille, Injektion, Implantat)1Keine
Intrauterinpessare (Kupfer- und Hormonspirale)1Keine (STI-Screening beachten)
Kombinierte hormonelle Kontrazeptiva (Pille, Pflaster, Ring)1Keine

Gestagenpräparate

Laut Leitlinie sind Frauen mit einem hohen HIV-Risiko ohne Einschränkung berechtigt, alle reinen Gestagenpräparate zu verwenden. Dazu gehören:

  • Gestagen-Monopillen (POP)

  • Intramuskuläre und subkutane Depot-Medroxyprogesteronacetat-Injektionen (DMPA-IM und DMPA-SC)

  • Norethisteronenanthat-Injektionen (NET-EN)

  • Levonorgestrel- und Etonogestrel-Implantate

Intrauterinpessare (Spiralen)

Es wird empfohlen, dass Frauen mit hohem HIV-Risiko sowohl kupferhaltige Spiralen (Cu-IUD) als auch Levonorgestrel-freisetzende Spiralen (LNG-IUD) nutzen können.

Die Leitlinie weist darauf hin, dass bei Frauen mit hohem HIV-Risiko oft auch ein Risiko für andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) besteht. In diesen Fällen wird auf die spezifischen Empfehlungen zum STI-Screening vor einer IUD-Einlage verwiesen.

Kombinierte hormonelle Kontrazeptiva

Gemäß der Leitlinie können alle kombinierten hormonellen Verhütungsmethoden ohne Einschränkung angewendet werden. Dies umfasst:

  • Kombinierte orale Kontrazeptiva (COC)

  • Kombinierte injizierbare Kontrazeptiva (CIC)

  • Kombinierte Verhütungspflaster

  • Kombinierte Vaginalringe

HIV- und STI-Prävention

Die Leitlinie betont, dass hormonelle Kontrazeptiva und Spiralen nicht vor HIV oder anderen STIs schützen. Bei einem bestehenden Infektionsrisiko wird die korrekte und konsistente Nutzung von Kondomen empfohlen.

Zudem wird in Gebieten mit hoher HIV-Prävalenz die Integration von HIV-Tests und Präventionsangeboten, einschließlich der Präexpositionsprophylaxe (PrEP), in die Familienplanung empfohlen.

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt keine direkten Kontraindikationen für die genannten Verhütungsmittel aufgrund eines hohen HIV-Risikos. Es werden jedoch folgende Warnhinweise formuliert:

  • Hormonelle Kontrazeptiva und Intrauterinpessare bieten keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen (STI) oder HIV.

  • Bei einem zusätzlichen Risiko für andere STIs muss vor der Einlage eines Intrauterinpessars (IUD) ein entsprechendes Screening gemäß den allgemeinen MEC-Richtlinien erfolgen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein wichtiger Aspekt für den klinischen Alltag ist, dass das individuelle HIV-Risiko einer Frau ihre Wahl der Verhütungsmethode nicht einschränken sollte. Die Leitlinie unterstreicht jedoch, dass bei der Beratung stets auf die fehlende Schutzwirkung dieser Methoden vor sexuell übertragbaren Infektionen hingewiesen werden muss. Es wird empfohlen, in Hochrisikogebieten aktiv zusätzliche Präventionsmaßnahmen wie Kondome oder eine PrEP anzubieten.

Häufig gestellte Fragen

Laut der Leitlinie und den Ergebnissen der ECHO-Studie gibt es keinen statistisch signifikanten Unterschied im HIV-Risiko zwischen DMPA, Kupferspiralen und Levonorgestrel-Implantaten. Die Methode kann daher ohne Einschränkung (MEC-Kategorie 1) angewendet werden.

Ja, die Leitlinie stuft sowohl Kupfer- als auch Hormonspiralen für diese Zielgruppe in die MEC-Kategorie 1 ein. Es wird jedoch empfohlen, vor der Einlage ein Screening auf andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) durchzuführen, falls ein entsprechendes Risiko besteht.

Die Leitlinie stellt klar, dass hormonelle Kontrazeptiva und Spiralen keinen Schutz vor HIV oder anderen STIs bieten. Bei einem Infektionsrisiko wird zusätzlich die konsequente Nutzung von Kondomen empfohlen.

Es wird keine spezifische Methode bevorzugt, da alle hormonellen Methoden und Spiralen als uneingeschränkt anwendbar (MEC-Kategorie 1) eingestuft werden. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer informierten, individuellen Entscheidung der Frau.

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Quelle: Contraceptive eligibility for women at high risk of HIV (WHO, 2019). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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