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Status epilepticus bei Kindern: Leitlinie (DGKJ)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Kinderformularium / DGKJ Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Erstlinientherapie in Stufe 1 (0-5 Minuten) ist Midazolam buccal.
  • Es dürfen maximal zwei Benzodiazepin-Gaben verabreicht werden.
  • In Stufe 3 (15-30 Minuten) wird Levetiracetam i.v. gegenüber Phenytoin bevorzugt.
  • Eine Blutzuckermessung zum Ausschluss einer Hypoglykämie ist obligat.
  • Nach der zweiten Benzodiazepin-Gabe muss Intubationsbereitschaft bestehen.
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Hintergrund

Der Status epilepticus im Kindesalter ist ein lebensbedrohlicher neurologischer Notfall, der ein schnelles und strukturiertes Vorgehen erfordert. Die Therapie erfolgt nach einem festen Stufenschema, um den Anfall rasch zu durchbrechen und Komplikationen zu vermeiden.

Stufe 1: Benzodiazepine (0-5 Minuten)

Die Erstlinientherapie besteht in der Gabe von Benzodiazepinen. Midazolam buccal wird hierbei als Mittel der Wahl empfohlen.

WirkstoffApplikationAlterDosisBemerkung
Midazolambuccal3 Mon - 1 Jahr2,5 mgErstlinientherapie (z.B. Buccolam)
1-5 Jahre5 mg
5-10 Jahre7,5 mg
>10 Jahre10 mg
Diazepamrektal<1 Jahr5 mgNur wenn buccal nicht möglich
1-3 Jahre5-7,5 mg
>3 Jahre10 mg
Lorazepami.v.Alle0,05-0,1 mg/kgMax. 4 mg, langsam über 2-5 min (falls Zugang vorhanden)

Stufe 2: Wiederholung Benzodiazepin (5-15 Minuten)

Sistiert der Krampfanfall nicht, erfolgt eine zweite Gabe.

  • Es wird die gleiche Dosis wie in Stufe 1 verabreicht.
  • Wichtig: Es dürfen maximal 2 Benzodiazepin-Gaben erfolgen!
  • Nach der zweiten Gabe muss zwingend die Intubationsbereitschaft hergestellt werden.

Stufe 3: Antikonvulsivum (15-30 Minuten)

Bleibt der Anfall nach zwei Benzodiazepin-Gaben bestehen, wird intravenös aufgesättigt. Levetiracetam wird hierbei bevorzugt.

WirkstoffDosisApplikationsdauerBemerkung / Cave
Levetiracetam40-60 mg/kg (max. 4500 mg)5-15 minBevorzugt, weniger Sedierung, keine Herzrhythmusstörungen
Phenytoin20 mg/kg (max. 1500 mg)20 minAlternative. EKG-Monitoring obligat! Cave: Hypotension, Arrhythmien
Valproat20-40 mg/kg5 minAlternative. Cave: Nicht bei Verdacht auf Stoffwechselerkrankung

Stufe 4: Narkose (>30 Minuten)

Ein refraktärer Status epilepticus erfordert die Verlegung auf die Intensivstation.

  • Therapie mittels Midazolam- oder Propofol-Perfusor
  • Thiopental gilt als Ultima Ratio

Begleitende Notfallmaßnahmen

Neben der medikamentösen Therapie müssen folgende Basismaßnahmen parallel erfolgen:

  • Atemwege sichern: Stabile Seitenlage, Absaugung bereithalten
  • Sauerstoffgabe: Indiziert bei einer SpO2 <94%
  • Blutzuckermessung: Obligat, um eine Hypoglykämie als Ursache auszuschließen

💡Praxis-Tipp

Messen Sie bei jedem Status epilepticus umgehend den Blutzucker, um eine Hypoglykämie als behandelbare Ursache auszuschließen. Bereiten Sie nach der zweiten Benzodiazepin-Gabe zwingend die Intubation vor.

Häufig gestellte Fragen

Die Erstlinientherapie ist Midazolam buccal (z.B. als Fertigspritze Buccolam).
Es dürfen maximal zwei Benzodiazepin-Gaben verabreicht werden. Danach muss auf ein Antikonvulsivum der Stufe 3 gewechselt werden.
Levetiracetam i.v. wird bevorzugt, da es weniger sedierend wirkt und keine Herzrhythmusstörungen verursacht.
Bei der Gabe von Phenytoin ist ein EKG-Monitoring obligat, da als Nebenwirkungen Hypotension und Arrhythmien auftreten können.
Valproat darf nicht angewendet werden, wenn der Verdacht auf eine Stoffwechselerkrankung besteht.

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