Keuchhusten (Pertussis): Diagnostik und Impfstrategien
Hintergrund
Die Risikobewertung des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) vom Mai 2024 adressiert den starken Anstieg von Keuchhusten-Fällen (Pertussis) in der EU/EWR. Nach einer Phase geringer Zirkulation während der COVID-19-Pandemie wurden allein im ersten Quartal 2024 über 32.000 Fälle gemeldet.
Säuglinge unter einem Jahr weisen historisch und aktuell die höchste Inzidenz auf, gefolgt von Jugendlichen zwischen 10 und 19 Jahren. Die Mehrzahl der gemeldeten Todesfälle betrifft unzureichend geimpfte Säuglinge im Alter von unter sechs Monaten.
Als Ursachen für den Anstieg nennt das Dokument erwartbare epidemische Zyklen, nachlassende Immunität sowie suboptimale Impfquoten. Eine unzureichende natürliche Immunisierung der Bevölkerung durch fehlende Erregerzirkulation während der Pandemiejahre trägt laut ECDC ebenfalls zur aktuellen Lage bei.
💡Praxis-Tipp
Das ECDC warnt davor, dass die klinische Präsentation von Pertussis stark vom Alter und Immunstatus abhängt und im Frühstadium oft unspezifisch ist. Es wird betont, dass bei unvollständig geimpften Erwachsenen oder Jugendlichen ein wochenlang anhaltender Husten das einzige Symptom sein kann, was häufig zu einer verzögerten Diagnosestellung führt. In diesem hochinfektiösen Stadium besteht ein erhebliches Übertragungsrisiko auf ungeschützte Säuglinge.
Häufig gestellte Fragen
Laut ECDC sind Patienten ab Symptombeginn bis in das frühe paroxysmale Stadium (etwa ein bis zwei Wochen) hochinfektiös. Bei Einleitung einer adäquaten Makrolid-Therapie gelten Betroffene nach fünf Tagen als nicht mehr ansteckend. Ohne Behandlung sinkt die Infektiosität nach etwa 21 Tagen.
Das Dokument empfiehlt den Einsatz von Makroliden wie Erythromycin, Clarithromycin oder Azithromycin. Die Therapie sollte idealerweise innerhalb der ersten 21 Tage nach Hustenbeginn gestartet werden, um die Übertragung auf Kontaktpersonen zu verhindern.
Die Leitlinie empfiehlt eine PCR-Testung oder das Anlegen einer Kultur innerhalb der ersten 21 Tage nach Beginn des Hustens. Bei einem späteren Vorstellungszeitpunkt (mehr als zwei Wochen nach Beginn) wird stattdessen eine serologische Untersuchung empfohlen.
Das höchste Risiko für schwere Morbidität und Mortalität haben laut ECDC ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Säuglinge unter sechs Monaten. Auch ältere Erwachsene ab 65 Jahren sowie Personen mit Asthma, COPD oder Immunsuppression weisen ein moderates bis hohes Risiko für Komplikationen auf.
Der Anstieg wird auf eine Kombination aus zyklischen Epidemien, nachlassender impf- oder infektionsinduzierter Immunität und suboptimalen Impfquoten zurückgeführt. Zudem hat die geringe Erregerzirkulation während der COVID-19-Pandemie zu einer größeren Anzahl anfälliger Personen in der Bevölkerung geführt.
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Quelle: Keuchhusten (Pertussis) (Unknown Source).
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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