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Emicizumab bei Hämophilie A: IQWiG-Nutzenbewertung

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KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beauftragte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit einer ergänzenden Nutzenbewertung zu Emicizumab bei Hämophilie A. Grundlage ist ein Addendum zum Auftrag A18-20 basierend auf nachgereichten Daten des pharmazeutischen Unternehmers.

Bewertet wurden die randomisierte kontrollierte Studie HAVEN 1, ein indirekter Vergleich sowie Vorher-nachher-Vergleiche. Ziel war der Vergleich einer Routineprophylaxe mit Emicizumab gegenüber einer Routineprophylaxe mit Bypassing-Präparaten bei Patienten mit Faktor-VIII-Hemmkörpern.

Die vorliegende Zusammenfassung beleuchtet die methodische Bewertung dieser nachgereichten Evidenz durch das IQWiG. Der Bericht prüft, ob sich aus den neuen Daten ein Zusatznutzen für Emicizumab ableiten lässt.

Empfehlungen

Der IQWiG-Bericht formuliert folgende methodische Bewertungen zu den eingereichten Studien:

Direkter Vergleich (Studie HAVEN 1)

Laut IQWiG zeigt die Studie HAVEN 1 zwar Vorteile für Emicizumab bei der jährlichen Blutungsrate und der Lebensqualität. Es traten jedoch vermehrt Reaktionen an der Injektionsstelle auf.

Der direkte Vergleich wird vom IQWiG als nicht geeignet zur Ableitung eines Zusatznutzens eingestuft. Als Begründung wird angeführt, dass die Kontrollgruppe (Bedarfsbehandlung) nicht der vom G-BA geforderten zweckmäßigen Vergleichstherapie (Routineprophylaxe) entspricht.

Indirekter Vergleich

Der pharmazeutische Unternehmer legte einen indirekten Vergleich der Studien HAVEN 1, PROOF und ProFEIBA vor.

Das IQWiG bewertet diesen Vergleich aus folgenden Gründen als methodisch unzureichend:

  • Die eingeschlossenen Studien weisen keine ausreichende Ähnlichkeit auf.

  • Es bestehen Unklarheiten bei der Operationalisierung der Endpunkte (z. B. "alle" vs. "behandelte" Blutungen).

  • Schwerwiegende Blutungen wurden in den Studien fälschlicherweise als unerwünschte Ereignisse erfasst.

Vorher-nachher-Vergleiche

Die vorgelegten Vorher-nachher-Vergleiche (Studie BH29768 vs. HAVEN 1/2) sind laut Bericht ebenfalls nicht zur Ableitung eines Zusatznutzens geeignet.

Das IQWiG nennt hierfür folgende methodische Mängel:

  • Es werden unkontrollierte Beobachtungsdaten mit kontrollierten Studienbedingungen verglichen.

  • Ein Großteil der Patienten in der Beobachtungsstudie erhielt keine adäquate prophylaktische Behandlung.

  • Die geforderte Mindeststudiendauer von 24 Wochen wurde oft nicht erreicht.

Fazit der Nutzenbewertung

Zusammenfassend ändert das nachgereichte Datenmaterial laut IQWiG nichts an der ursprünglichen Bewertung. Ein Zusatznutzen von Emicizumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ist auf Basis dieser Daten nicht belegt.

Dosierung

Der IQWiG-Bericht zitiert folgendes Dosierungsschema aus den eingeschlossenen Studien für die Routineprophylaxe mit Emicizumab:

MedikamentPhaseDosierungApplikation
EmicizumabStartdosis (Woche 1-4)3 mg/kg/Wochesubkutan
EmicizumabErhaltungsdosis (ab Woche 5)1,5 mg/kg/Wochesubkutan
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💡Praxis-Tipp

Der IQWiG-Bericht verdeutlicht, dass methodische Mängel im Studiendesign, wie der Vergleich von kontrollierten Studiendaten mit unkontrollierten Beobachtungsdaten, die formelle Ableitung eines Zusatznutzens verhindern. Es wird betont, dass für einen validen Wirksamkeitsnachweis die vom G-BA definierte zweckmäßige Vergleichstherapie exakt abgebildet werden muss.

Häufig gestellte Fragen

Laut IQWiG wurde in der Kontrollgruppe der HAVEN 1-Studie lediglich eine Bedarfsbehandlung mit Bypassing-Präparaten durchgeführt. Dies entspricht nicht der vom G-BA geforderten zweckmäßigen Vergleichstherapie, welche eine Routineprophylaxe vorsieht.

In der Studie HAVEN 1 zeigten sich Unterschiede zugunsten von Emicizumab bei der jährlichen Blutungsrate und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Aufgrund der falschen Vergleichstherapie lässt sich daraus laut IQWiG jedoch kein offizieller Zusatznutzen ableiten.

Der Bericht hält fest, dass es unter der Routineprophylaxe mit Emicizumab im Vergleich zur Kontrollgruppe häufiger zu Reaktionen an der Injektionsstelle kam.

Das IQWiG bewertete diese Daten, stellte jedoch fest, dass es sich um sehr kleine Patientengruppen handelte. Da weiterhin unkontrollierte mit kontrollierten Bedingungen verglichen wurden, änderte dies nichts an der Gesamteinschätzung zum Zusatznutzen.

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Quelle: IQWiG A18-49: Emicizumab (Hämophilie A) - Addendum zum Auftrag A18-20 (IQWiG, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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