Invasive Elektrophysiologie (EPU): Sachkunde-Curriculum
Hintergrund
Die DGK-Leitlinie definiert die theoretischen Anforderungen für die Sachkunde "Invasive Elektrophysiologie". Diese stellt die vierte Säule im Curriculum "Spezielle Rhythmologie" dar.
Das Curriculum ergänzt die bisherigen Sachkunden zur Herzschrittmacher-, ICD- und CRT-Therapie. Es zielt darauf ab, das theoretische Wissen zur Diagnostik und Behandlung von Herzrhythmusstörungen strukturiert zu vertiefen.
Die theoretischen Kenntnisse bilden zusammen mit der praktischen klinischen Erfahrung die Voraussetzung für eine hohe Behandlungsqualität. Ein besonderer Fokus liegt auf der praxisnahen Vermittlung durch Falldiskussionen und aktiver Interaktion.
Klinischer Kontext
Herzrhythmusstörungen gehören zu den häufigsten kardiovaskulären Erkrankungen, wobei Vorhofflimmern mit einer Prävalenz von etwa ein bis zwei Prozent in der Allgemeinbevölkerung dominiert. Die Inzidenz steigt mit zunehmendem Lebensalter und dem Vorhandensein struktureller Herzerkrankungen deutlich an.
Den Rhythmusstörungen liegen meist gestörte Erregungsbildungs- oder Erregungsleitungsprozesse im Myokard zugrunde. Diese entstehen häufig durch fibrotische Umbauprozesse, Ischämien oder genetische Ionenkanaldefekte, welche die elektrische Stabilität des Herzens beeinträchtigen.
Für behandelnde Ärzte ist die präzise Differenzierung von Rhythmusstörungen essenziell, da sie von benignen Palpitationen bis hin zum plötzlichen Herztod führen können. Die invasive Elektrophysiologie bietet hierbei die Möglichkeit, den Ursprungsort der Arrhythmie exakt zu lokalisieren und oft in gleicher Sitzung kurativ zu behandeln.
Die Basisdiagnostik umfasst das Ruhe-EKG, Langzeit-EKG sowie die Echokardiografie zur Beurteilung der Herzstruktur. Bei unklaren Synkopen oder therapierefraktären Arrhythmien kommt die elektrophysiologische Untersuchung (EPU) zum Einsatz, um die elektrischen Leitungswege intrakardial zu kartieren.
Wissenswertes
Eine elektrophysiologische Untersuchung ist indiziert bei symptomatischen, medikamentös therapierefraktären Herzrhythmusstörungen oder unklaren Synkopen mit Verdacht auf eine kardiale Ursache. Sie dient der genauen Lokalisierung des arrhythmogenen Fokus und der Planung einer möglichen Ablation.
Absolute Kontraindikationen umfassen akute Infektionen, schwere Gerinnungsstörungen oder frische kardiale Ischämien, die den Patienten instabil machen. Relative Kontraindikationen erfordern eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung, insbesondere bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz.
Zu den typischen Komplikationen zählen Gefäßverletzungen an der Punktionsstelle, Perikardergüsse oder AV-Blockierungen, die eine Schrittmacherimplantation erfordern können. Seltene, aber schwerwiegende Risiken sind Schlaganfälle oder atrioösophageale Fisteln.
Vor dem Eingriff müssen aktuelle Laborwerte wie Gerinnung, Nierenfunktion und Elektrolyte vorliegen. Zudem ist oft das Pausieren bestimmter antiarrhythmischer Medikamente notwendig, um die Induzierbarkeit der Rhythmusstörung während der Untersuchung nicht zu maskieren.
Die Pulmonalvenenisolation (PVI) zielt auf die elektrische Entkopplung der Lungenvenen ab und ist die Standardtherapie bei Vorhofflimmern. Die Isthmusablation hingegen durchtrennt die Leitungsbahn im cavotrikuspidalen Isthmus und wird zur Behandlung des typischen Vorhofflatterns eingesetzt.
Bei typischen supraventrikulären Tachykardien wie der AV-Knoten-Reentrytachykardie (AVNRT) oder dem WPW-Syndrom liegen die primären Erfolgsquoten der Katheterablation bei über 95 Prozent. Die Rezidivraten sind gering, was das Verfahren zur Therapie der Wahl macht.
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💡Praxis-Tipp
Das Curriculum betont die besondere Wichtigkeit der aktiven Interaktion und der praktischen Anwendung des theoretischen Wissens. Es wird hervorgehoben, dass Falldiskussionen und "Troubleshooting" essenzielle Bestandteile der Ausbildung sind, um komplexe elektrophysiologische Befunde im klinischen Alltag sicher interpretieren zu können.
Häufig gestellte Fragen
Laut DGK-Curriculum erfolgt die Erfolgskontrolle über eine Multiple-Choice-Prüfung. Pro Unterrichtseinheit werden drei Fragen gestellt, von denen zum Bestehen zwei Drittel korrekt beantwortet werden müssen.
Die Sachkunde "Invasive Elektrophysiologie" bildet die vierte theoretische Säule der Zusatzqualifikation. Sie ergänzt die bestehenden Sachkunden für Herzschrittmacher-, ICD- und CRT-Therapie.
Das Curriculum sieht insgesamt 37 Unterrichtseinheiten vor. Eine einzelne Unterrichtseinheit ist dabei mit einer Dauer von 45 Minuten definiert.
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Quelle: Sachkunde „Invasive Elektrophysiologie“ zur Diagnostik und Behandlung von Herzrhythmusstörungen (DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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