Intravenöse Flüssigkeitstherapie: Bedarf & Monitoring

Diese Leitlinie stammt aus 2017 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2017)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie CG174 behandelt die allgemeinen Prinzipien der intravenösen (IV) Flüssigkeitstherapie bei erwachsenen Krankenhauspatienten. Ziel ist es, die Verordnungspraxis zu verbessern und Komplikationen durch Über- oder Unterversorgung zu reduzieren.

Die Empfehlungen gelten für Patienten ab 16 Jahren. Ausgeschlossen sind Schwangere sowie Patienten mit schweren Leber- oder Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus, Verbrennungen oder Schädel-Hirn-Traumata.

Als zentrales Konzept der Verordnung formuliert die Leitlinie die sogenannten 5 R: Resuscitation (Reanimation), Routine maintenance (Erhaltungstherapie), Replacement (Ersatz), Redistribution (Umverteilung) und Reassessment (Reevaluation).

Empfehlungen

Diagnostik und Assessment

Laut Leitlinie wird empfohlen, den Flüssigkeits- und Elektrolytbedarf im Rahmen jeder Visite zu beurteilen. Eine IV-Therapie ist nur indiziert, wenn der Bedarf nicht oral oder enteral gedeckt werden kann.

Es wird geraten, den Volumenstatus anhand von Anamnese, klinischer Untersuchung und Laborwerten zu evaluieren. Indikatoren für eine dringliche Volumengabe (Hypovolämie) umfassen gemäß Leitlinie:

  • Systolischer Blutdruck unter 100 mmHg

  • Herzfrequenz über 90 Schläge pro Minute

  • Rekapillarisierungszeit über 2 Sekunden oder kalte Peripherie

  • Atemfrequenz über 20 Atemzüge pro Minute

  • National Early Warning Score (NEWS) von 5 oder mehr

  • Positiver Ausfall beim passiven Beinheben

Reanimation (Resuscitation)

Für die akute Flüssigkeitsreanimation empfiehlt die Leitlinie die Verwendung von kristalloiden Lösungen mit einem Natriumgehalt von 130 bis 154 mmol/l. Diese sollten als Bolus von 500 ml über weniger als 15 Minuten verabreicht werden.

Bei Patienten mit schwerer Sepsis kann laut Leitlinie der Einsatz von 4%iger bis 5%iger humaner Albuminlösung erwogen werden.

Erhaltungstherapie (Routine maintenance)

Wenn Patienten IV-Flüssigkeit ausschließlich zur Erhaltung benötigen, wird eine initiale Beschränkung der Tagesmenge empfohlen. Für adipöse Patienten sollte die Verordnung an das ideale Körpergewicht angepasst werden, wobei selten mehr als 3 Liter pro Tag benötigt werden.

Eine reduzierte Flüssigkeitsmenge von 20 bis 25 ml/kg/Tag wird für folgende Patientengruppen empfohlen:

  • Ältere oder gebrechliche Patienten

  • Patienten mit Nieren- oder Herzinsuffizienz

  • Mangelernährte Patienten mit Risiko für ein Refeeding-Syndrom

Monitoring

Die Leitlinie betont die Notwendigkeit einer regelmäßigen Überwachung aller Patienten mit laufender IV-Therapie. Initial wird eine mindestens tägliche Reevaluation des klinischen Flüssigkeitsstatus, der Laborwerte (Harnstoff, Kreatinin, Elektrolyte) und der Flüssigkeitsbilanzierung empfohlen.

Zusätzlich wird eine Gewichtskontrolle zweimal wöchentlich angeraten. Bei Patienten, die IV-Flüssigkeiten mit Chloridkonzentrationen über 120 mmol/l erhalten, wird eine tägliche Kontrolle der Serumchloridkonzentration empfohlen.

Dosierung

Die Leitlinie definiert klare Zielwerte für die initiale Erhaltungstherapie pro Tag. Die kaliumbasierte Verordnung sollte auf die nächstgelegenen verfügbaren Standardinfusionslösungen gerundet werden.

ParameterEmpfohlene TagesdosisAnmerkung
Wasser25-30 ml/kgBei Adipositas an Idealgewicht anpassen
Kaliumca. 1 mmol/kgAuf Standardlösungen runden
Natriumca. 1 mmol/kg-
Chloridca. 1 mmol/kg-
Glukose50-100 gZur Vermeidung einer Hunger-Ketose

Kontraindikationen

Die Leitlinie formuliert folgende Kontraindikationen und Warnhinweise für die Flüssigkeitstherapie:

  • Tetrastärke darf nicht zur Flüssigkeitsreanimation verwendet werden.

  • Kalium darf niemals manuell zu IV-Infusionsbeuteln hinzugefügt werden, da dies gefährlich ist.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, Kalium manuell in Infusionsbeutel zu spritzen, da dies ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellt. Es wird empfohlen, stattdessen auf industriell vorgefertigte Standardlösungen zurückzugreifen und die gewichtsadaptierte Kaliumdosis auf die nächstgelegene verfügbare Beutelgröße zu runden.

Häufig gestellte Fragen

Zur akuten Flüssigkeitsreanimation wird die Gabe von kristalloiden Lösungen mit einem Natriumgehalt von 130 bis 154 mmol/l empfohlen. Diese sollten als Bolus von 500 ml in unter 15 Minuten verabreicht werden.

Laut Leitlinie kann der Einsatz von 4%iger bis 5%iger humaner Albuminlösung ausschließlich bei Patienten mit schwerer Sepsis erwogen werden.

Für die reine Erhaltungstherapie wird initial eine Menge von 25 bis 30 ml Wasser pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag empfohlen. Bei älteren, gebrechlichen oder niereninsuffizienten Patienten wird eine Reduktion auf 20 bis 25 ml/kg/Tag angeraten.

Die Leitlinie empfiehlt bei Patienten mit laufender intravenöser Flüssigkeitstherapie eine Gewichtskontrolle zweimal pro Woche. Klinischer Status, Flüssigkeitsbilanz und Laborwerte sollten täglich überprüft werden.

Nein, die Leitlinie spricht sich explizit gegen die Verwendung von Tetrastärke zur Flüssigkeitsreanimation aus.

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Quelle: NICE Guideline on Intravenous Fluid Therapy in Adults (NICE, 2017). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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