Infektionsprävention ambulant: Leitlinien-Empfehlung
Hintergrund
Nosokomiale Infektionen stellen ein erhebliches Risiko im Gesundheitswesen dar und können die Genesung verzögern oder bestehende Erkrankungen verschlimmern. Die NICE-Leitlinie CG139 bietet evidenzbasierte Standards für die primäre und ambulante Versorgung.
Durch die zunehmende Verlagerung komplexer Behandlungen in den ambulanten Bereich wird die strikte Einhaltung von Hygienestandards immer wichtiger. Zu den häufigsten Problemen gehören katheterassoziierte Harnwegsinfektionen und Blutstrominfektionen durch Gefäßzugänge.
Das Dokument richtet sich an medizinisches Fachpersonal sowie an pflegende Angehörige im häuslichen Umfeld. Es wird die Wichtigkeit von Schulungen und der konsequenten Umsetzung von Basishygienemaßnahmen zur Erhöhung der Patientensicherheit betont.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Infektionsprävention:
Basishygiene und Händedesinfektion
Es wird betont, dass alle an der Pflege beteiligten Personen in den Standardprinzipien geschult sein müssen. Eine Händedesinfektion ist zwingend erforderlich vor und nach jedem direkten Patientenkontakt, nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten sowie nach dem Ausziehen von Handschuhen.
Für die Händedesinfektion wird primär ein alkoholisches Einreibepräparat empfohlen. Bei sichtbarer Verschmutzung oder dem Risiko von alkoholresistenten Erregern (wie Clostridium difficile) muss flüssige Seife und Wasser verwendet werden.
Persönliche Schutzausrüstung und Entsorgung
Die Auswahl der Schutzausrüstung sollte basierend auf einer Risikobewertung für die Übertragung von Mikroorganismen erfolgen. Handschuhe sind als Einwegartikel zu verwenden und nach jedem Patienten oder Behandlungswechsel zu entsorgen.
Für den Umgang mit spitzen oder scharfen Gegenständen (Sharps) gelten folgende Vorgaben:
-
Keine direkte Übergabe von Hand zu Hand
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Kein Verbiegen, Abbrechen oder Wiederaufsetzen (Recapping) von Kanülen
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Sofortige Entsorgung in zugelassenen, durchstichsicheren Behältern
Langzeit-Harnwegskatheter
Die Indikation für einen Verweilkatheter sollte regelmäßig überprüft und der Katheter so früh wie möglich entfernt werden. Wenn klinisch möglich, wird der intermittierende Selbstkatheterismus gegenüber einem Verweilkatheter bevorzugt.
Beim Katheterwechsel wird von einer routinemäßigen Antibiotikaprophylaxe abgeraten. Eine Prophylaxe kann jedoch in folgenden Fällen erwogen werden:
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Bei einer Anamnese von symptomatischen Harnwegsinfektionen nach Katheterwechseln
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Bei einem Trauma während der Katheterisierung (z. B. Makrohämaturie oder mehr als zwei Versuche)
Enterale Ernährung
Für die enterale Ernährung wird die Verwendung von gebrauchsfertigen Systemen empfohlen, um die Handhabung zu minimieren. Die Verabreichungssets und Nahrungsbehälter sind Einwegartikel und nach jeder Fütterung zu entsorgen.
Zum Spülen der Sonde vor und nach der Nahrungs- oder Medikamentengabe sollte bei nicht-immunsupprimierten Personen frisches Leitungswasser verwendet werden. Bei immunsupprimierten Personen wird zwingend abgekochtes oder steriles Wasser empfohlen.
Gefäßzugänge
Vor der Anlage eines peripheren Gefäßzugangs oder eines peripher eingeführten zentralen Katheters (PICC) wird eine spezifische Hautdesinfektion empfohlen. Zur Abdeckung der Einstichstelle sollte ein steriler, transparenter, semipermeabler Folienverband verwendet werden.
Von der routinemäßigen Verwendung systemischer Antibiotika oder antibiotischer Blocklösungen zur Prävention von katheterassoziierten Blutstrominfektionen wird explizit abgeraten.
Dosierung
| Anwendungsbereich | Substanz oder Material | Spezifikation und Volumen |
|---|---|---|
| Hautdesinfektion (Gefäßzugang) | Chlorhexidingluconat in Alkohol | 2 % Chlorhexidin in 70 % Alkohol |
| Ballon-Blockung (Erwachsene) | Steriles Wasser | 10 ml |
| Ballon-Blockung (Kinder) | Steriles Wasser | 3 bis 5 ml |
| Spülung von Gefäßzugängen | Natriumchlorid-Injektionslösung | 0,9 % |
| Händedesinfektion (Referenzstandard) | Isopropylalkohol | 60 % |
Kontraindikationen
Folgende Kontraindikationen und Warnhinweise werden im Rahmen der Infektionsprävention genannt:
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Polythen-Handschuhe: Dürfen nicht für klinische Interventionen verwendet werden.
-
Blasenspülungen: Dürfen nicht zur Prävention von katheterassoziierten Infektionen eingesetzt werden.
-
Routinemäßige Antibiotikaprophylaxe: Wird beim Wechsel von Langzeitkathetern sowie bei zentralen Venenkathetern nicht empfohlen.
-
In-Line-Filter: Sollen nicht routinemäßig zur Infektionsprävention bei Gefäßzugängen genutzt werden.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die ausschließliche Nutzung von alkoholischen Händedesinfektionsmitteln. Bei einem potenziellen Kontakt mit alkoholresistenten Erregern wie Clostridium difficile wird zwingend die Verwendung von flüssiger Seife und Wasser empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Wasser und Seife werden bei sichtbarer Verschmutzung der Hände empfohlen. Zudem ist dies zwingend erforderlich bei Kontakt mit alkoholresistenten Erregern wie Clostridium difficile.
Es wird empfohlen, den transparenten semipermeablen Folienverband alle 7 Tage zu wechseln. Ein früherer Wechsel ist indiziert, wenn der Verband nicht mehr intakt ist oder sich Feuchtigkeit darunter sammelt.
Bei nicht-immunsupprimierten Personen wird frisches Leitungswasser empfohlen. Bei immunsupprimierten Patienten wird hingegen abgekochtes oder steriles Wasser gefordert.
Von einer routinemäßigen Prophylaxe wird abgeraten. Sie kann jedoch erwogen werden, wenn in der Vergangenheit symptomatische Harnwegsinfektionen nach einem Wechsel auftraten oder ein Trauma bei der Anlage entsteht.
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Quelle: CG139: Hip fracture: management (NICE, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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