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Community-acquired Pneumonia (CAP): Leitlinie (ATS/IDSA)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf American Thoracic Society / IDSA Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Einteilung als HCAP (Healthcare-associated Pneumonia) wird verlassen; stattdessen liegt der Fokus auf lokal validierten MRSA- und Pseudomonas-Risikofaktoren.
  • Procalcitonin darf nicht verwendet werden, um die initiale Antibiotikatherapie bei radiologisch gesicherter CAP vorzuenthalten.
  • Für die Entscheidung über eine stationäre Aufnahme wird der PSI (Pneumonia Severity Index) gegenüber dem CURB-65 bevorzugt.
  • Die Therapiedauer beträgt mindestens 5 Tage und richtet sich nach dem Erreichen der klinischen Stabilität.
  • Routinemäßige Blut- und Sputumkulturen werden nur bei schwerer CAP oder spezifischen Risikofaktoren für MRSA/P. aeruginosa empfohlen.
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Hintergrund

Die Leitlinie der ATS/IDSA (2019) aktualisiert die Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie der ambulant erworbenen Pneumonie (CAP) bei Erwachsenen. Eine wesentliche Neuerung ist die Abkehr vom Begriff der "Healthcare-associated Pneumonia" (HCAP), da dieser zu einem Übergebrauch von Breitbandantibiotika geführt hat.

Schweregrad und Triage

Für die Entscheidung über eine stationäre Aufnahme wird die Nutzung des Pneumonia Severity Index (PSI) gegenüber dem CURB-65-Score empfohlen (starke Empfehlung).

Für die Entscheidung über eine Aufnahme auf die Intensivstation (ICU) gelten die IDSA/ATS-Kriterien von 2007. Eine direkte ICU-Aufnahme wird bei Notwendigkeit von Vasopressoren oder mechanischer Beatmung empfohlen.

KriteriumParameter
MinorkriterienAtemfrequenz ≥ 30/min, PaO2/FiO2 ≤ 250, Multilobäre Infiltrate, Verwirrtheit, Harnstoff ≥ 20 mg/dl, Leukopenie (< 4.000/µl), Thrombozytopenie (< 100.000/µl), Hypothermie (< 36°C), Hypotension (Volumenbedarf)
MajorkriterienSeptischer Schock (Vasopressoren nötig), Respiratorisches Versagen (Beatmung nötig)

Bemerkung: Eine schwere CAP liegt vor bei 1 Major- oder ≥ 3 Minorkriterien.

Diagnostik

Die routinemäßige mikrobiologische Diagnostik wurde neu bewertet:

  • Blut- und Sputumkulturen: Nicht empfohlen im ambulanten Bereich. Stationär nur indiziert bei schwerer CAP, empirischer Therapie gegen MRSA/P. aeruginosa oder Vorliegen von Risikofaktoren (vorheriger Nachweis oder Hospitalisierung mit parenteraler Antibiose in den letzten 90 Tagen).
  • Pneumokokken- und Legionellen-Antigen im Urin: Nicht routinemäßig empfohlen. Indiziert bei schwerer CAP oder epidemiologischen Hinweisen (z.B. Legionellen-Ausbruch).
  • Influenza-Testung: Bei zirkulierenden Influenzaviren wird ein molekularer Schnelltest (PCR) empfohlen.
  • Procalcitonin: Darf nicht verwendet werden, um bei klinisch und radiologisch gesicherter CAP die initiale Antibiotikatherapie vorzuenthalten (starke Empfehlung).

Ambulante Therapie

PatientenprofilTherapie der WahlAlternativen / Bemerkung
Keine KomorbiditätenAmoxicillin (1 g 3x/d) ODER Doxycyclin (100 mg 2x/d)Makrolid-Monotherapie nur wenn lokale Pneumokokken-Resistenz < 25%
Mit Komorbiditäten*Kombination: Amoxicillin/Clavulansäure ODER Cephalosporin + Makrolid ODER DoxycyclinMonotherapie: Respiratorisches Fluorchinolon (z.B. Levofloxacin, Moxifloxacin)

Komorbiditäten: Chronische Herz-, Lungen-, Leber- oder Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus, Alkoholismus, Malignom oder Asplenie.

Stationäre Therapie

Die empirische Therapie richtet sich nach dem Schweregrad. Die HCAP-Klassifikation soll verlassen werden; eine Abdeckung von MRSA oder P. aeruginosa erfolgt nur bei lokal validierten Risikofaktoren.

SchweregradBevorzugte TherapieAlternativen
Nicht-schwere CAPBeta-Laktam + Makrolid ODER Fluorchinolon-MonotherapieBeta-Laktam + Doxycyclin (bei Kontraindikationen)
Schwere CAPBeta-Laktam + Makrolid ODER Beta-Laktam + FluorchinolonKeine Monotherapie empfohlen

Spezielle klinische Situationen

  • Aspirationspneumonie: Eine routinemäßige zusätzliche anaerobe Abdeckung wird nicht empfohlen, es sei denn, es besteht Verdacht auf einen Lungenabszess oder ein Empyem.
  • Kortikosteroide: Weder bei nicht-schwerer noch bei schwerer CAP oder Influenza-Pneumonie routinemäßig empfohlen. Ausnahme: Refraktärer septischer Schock.
  • Influenza-Koinfektion: Bei positivem Influenza-Test soll eine antivirale Therapie (z.B. Oseltamivir) erfolgen. Zusätzlich muss immer eine standardmäßige antibakterielle Therapie eingeleitet werden, da bakterielle Koinfektionen häufig sind.

Therapiedauer und Follow-up

Die Dauer der Antibiotikatherapie richtet sich nach der klinischen Stabilität (Herzfrequenz, Atemfrequenz, Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Temperatur, Nahrungsaufnahme, mentaler Status).

  • Dauer: Mindestens 5 Tage. Die Therapie wird beendet, sobald der Patient klinisch stabil ist.
  • Bildgebung: Bei Patienten, deren Symptome sich innerhalb von 5 bis 7 Tagen zurückbilden, wird keine routinemäßige radiologische Verlaufskontrolle empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf eine routinemäßige anaerobe Abdeckung bei Verdacht auf Aspirationspneumonie, sofern kein Lungenabszess oder Empyem vorliegt. Nutzen Sie den PSI-Score zur sicheren Steuerung der stationären Aufnahme.

Häufig gestellte Fragen

Nicht bei ambulanten Patienten. Bei stationären Patienten nur bei schwerer CAP oder bei Risikofaktoren bzw. empirischer Therapie gegen MRSA oder P. aeruginosa.
Nein, die empirische Antibiotikatherapie sollte bei klinisch und radiologisch gesicherter CAP unabhängig vom initialen Procalcitonin-Wert begonnen werden.
Nur bei lokal validierten Risikofaktoren, insbesondere bei vorherigem Nachweis dieser Erreger oder bei Hospitalisierung mit intravenöser Antibiose in den letzten 90 Tagen. Die HCAP-Klassifikation soll nicht mehr verwendet werden.
Mindestens 5 Tage. Die Beendigung richtet sich nach dem Erreichen der klinischen Stabilität (normale Vitalparameter, Nahrungsaufnahme möglich, normaler mentaler Status).
Nein, eine routinemäßige Gabe wird weder bei leichter noch bei schwerer CAP empfohlen, es sei denn, es liegt ein refraktärer septischer Schock vor.

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