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Infectious Diseases Society of America (IDSA)2019InfektiologiePneumologieInnere Medizin

Community-Acquired Pneumonia (CAP): Leitlinie (ATS/IDSA)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Infectious Diseases Society of America (IDSA) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose einer CAP erfordert ein neues pulmonales Infiltrat in Kombination mit mindestens einem respiratorischen und einem weiteren klinischen Symptom.
  • Die Einteilung in schwere und nicht-schwere CAP anhand definierter Kriterien steuert die Tiefe der Diagnostik und die Wahl der Antibiotikatherapie.
  • Bei nicht-schwerer CAP werden Blut- und Atemwegskulturen routinemäßig nicht empfohlen, es sei denn, es liegen spezifische Risikofaktoren vor.
  • Die empirische Standardtherapie der nicht-schweren CAP besteht aus einem Beta-Laktam plus Makrolid/Doxycyclin oder einer Fluorchinolon-Monotherapie.
  • Ein negativer MRSA-Nasenabstrich hat einen hohen negativ prädiktiven Wert (>95 %) und rechtfertigt das Absetzen einer empirischen MRSA-Therapie.
  • Bei Erreichen der klinischen Stabilität bis Tag 3 wird eine kurze Antibiotikatherapie von insgesamt 3 bis 5 Tagen empfohlen.
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Hintergrund

Die ambulant erworbene Pneumonie (Community-Acquired Pneumonia, CAP) ist eine außerhalb des Krankenhauses erworbene Lungenentzündung. Der vorliegende klinische Behandlungspfad basiert auf der ATS/IDSA-Leitlinie (2019) und richtet sich an Ärzte und Antibiotic-Stewardship-Teams. Wichtig: Immunsupprimierte Patienten (z. B. durch Chemotherapie, HIV mit supprimierten CD4-Zellen, Organtransplantation) sind von diesem Behandlungspfad ausgeschlossen.

Diagnosekriterien

Die Diagnose einer CAP bei Erwachsenen erfordert den Nachweis eines Infiltrats in der Bildgebung sowie begleitende klinische Symptome.

KriteriumErforderliche Befunde
BildgebungNeues pulmonales Infiltrat (Röntgen oder CT)
Respiratorisch (mind. 1)Neuer/vermehrter Husten, vermehrte Sputumproduktion, Dyspnoe, pleuritischer Brustschmerz
Klinisch/Labor (mind. 1)Abnorme Atemgeräusche (Rasselgeräusche, Giemen), Fieber (≥ 38°C), Leukozytose/Linksverschiebung, Hypoxie (< 90%)

Schweregrad-Einteilung (Severe CAP)

Die Klassifikation als schwere CAP ist entscheidend für die weitere Diagnostik und Therapie. Eine schwere CAP liegt vor, wenn ein Hauptkriterium ODER drei oder mehr Nebenkriterien erfüllt sind.

HauptkriterienNebenkriterien
Septischer Schock (Vasopressoren-Bedarf)Atemfrequenz ≥ 30/min
Respiratorisches Versagen (Beatmungspflicht)PaO2/FIO2-Quotient ≤ 250
Multilobäre Infiltrate (≥ 2)
Verwirrtheit/Desorientierung
Urämie (BUN ≥ 20 mg/dl)
Leukopenie (< 4.000 Zellen/μl)
Thrombozytopenie (< 100.000/μl)
Hypothermie (< 36°C)
Hypotension (aggressive Volumengabe nötig)

Mikrobiologische Diagnostik

Die Indikation zur erweiterten Diagnostik richtet sich nach dem Schweregrad der CAP und individuellen Risikofaktoren.

DiagnostikNicht-schwere CAPSchwere CAP
BlutkulturenNicht routinemäßig empfohlenJa
AtemwegskulturenNur bei Risikofaktoren*Ja
MRSA-NasenabstrichBei IV-Antibiose (letzte 90 Tage) oder initiierter MRSA-TherapieBei IV-Antibiose (90d), MRSA-Anamnese (1 Jahr) oder initiierter MRSA-Therapie
Legionellen-Urin-AntigenNur bei Ausbruch, Reiseanamnese oder epidemiologischen FaktorenJa
Pneumokokken-Urin-AntigenNicht routinemäßig empfohlenJa
Virale Diagnostik (Influenza, COVID-19)Ja, bei Zirkulation in der Bevölkerung oder ExpositionJa, bei Zirkulation in der Bevölkerung oder Exposition

*Risikofaktoren für Atemwegskulturen bei nicht-schwerer CAP: Hospitalisierung und IV-Antibiose in den letzten 90 Tagen, initiierte anti-MRSA/Pseudomonas-Therapie oder fortgeschrittene strukturelle Lungenerkrankung.

Empirische Antibiotikatherapie (Stationär)

Die initiale Therapie sollte an lokale Antibiogramme und krankenhausspezifische Vorgaben angepasst werden. Bei Penicillinallergie muss zwischen leichten/mittelschweren und schweren Reaktionen (z. B. Anaphylaxie, Stevens-Johnson-Syndrom) differenziert werden.

Standardtherapie (ohne spezifische Risikofaktoren)

SchweregradBevorzugte KombinationstherapieAlternative Monotherapie
Nicht-schwerBeta-Laktam (z.B. Ceftriaxon 1-2g IV q24h, Ampicillin/Sulbactam) PLUS Makrolid (z.B. Azithromycin 500mg q24h) oder DoxycyclinRespiratorisches Fluorchinolon (Levofloxacin 750mg IV/PO q24h oder Moxifloxacin 400mg)
SchwerBeta-Laktam PLUS MakrolidBeta-Laktam PLUS Respiratorisches Fluorchinolon

Therapie bei Risikofaktoren für resistente Erreger

  • MRSA-Risiko: Ergänzung der Standardtherapie um Vancomycin oder Linezolid (600 mg IV/PO q12h).
  • Pseudomonas-Risiko: Einsatz eines antipseudomonalen Beta-Laktams (z. B. Piperacillin/Tazobactam 4,5g IV q6h, Cefepim 2g IV q8h, Meropenem 1g IV q8h) PLUS atypische Abdeckung.

Verlaufskontrolle und Entlassungskriterien

Die klinische Stabilität sollte täglich evaluiert werden. Bei Erreichen der Stabilitätskriterien kann eine orale Deeskalation und zeitnahe Entlassung erfolgen.

Kriterien für klinische Stabilität (mind. 5 müssen erfüllt sein):

  • Temperatur ≤ 38°C
  • Herzfrequenz ≤ 100/min
  • Atemfrequenz ≤ 24/min
  • Sauerstoffsättigung ≥ 90% (oder pO2 > 60 mmHg)
  • Systolischer Blutdruck ≥ 90 mmHg
  • Rückkehr zum mentalen Ausgangszustand

Antibiotic Stewardship (ABS):

  • Deeskalation: Bei positivem Virusnachweis, Procalcitonin ≤ 0,25, Leukozyten < 10.000/μl und geringem Verdacht auf bakterielle Koinfektion kann ein Absetzen der Antibiotika erwogen werden.
  • MRSA-Abstrich: Ein negativer MRSA-Nasenabstrich hat einen negativ prädiktiven Wert von >95 % und erlaubt das Absetzen der MRSA-Therapie.
  • Therapiedauer: Bei klinischer Stabilität bis Tag 3 sollte die gesamte Antibiotikatherapie (inkl. Notaufnahme und stationärem Aufenthalt) nicht mehr als 3 bis 5 Tage betragen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei nicht-schwerer CAP ohne spezifische Risikofaktoren auf routinemäßige Blut- und Sputumkulturen. Nutzen Sie stattdessen den MRSA-Nasenabstrich aktiv als Stewardship-Tool: Ist er negativ, können Sie eine empirische MRSA-Therapie (z. B. mit Vancomycin) sicher absetzen (>95 % negativ prädiktiver Wert).

Häufig gestellte Fragen

Eine schwere CAP liegt vor, wenn mindestens ein Hauptkriterium (septischer Schock mit Vasopressoren-Bedarf oder Beatmungspflicht) oder mindestens drei Nebenkriterien (z. B. Atemfrequenz ≥ 30/min, multilobäre Infiltrate, Verwirrtheit, Harnstoff ≥ 20 mg/dl) erfüllt sind.
Die Standardtherapie besteht aus einem Beta-Laktam (z. B. Ceftriaxon oder Ampicillin/Sulbactam) in Kombination mit einem Makrolid (z. B. Azithromycin) oder Doxycyclin. Alternativ kann eine Monotherapie mit einem respiratorischen Fluorchinolon (Levofloxacin oder Moxifloxacin) erfolgen.
Eine empirische MRSA-Therapie (z. B. Vancomycin oder Linezolid) sollte initiiert werden bei vorheriger Hospitalisierung mit intravenöser Antibiose in den letzten 90 Tagen, bekannter MRSA-Kolonisation/Infektion im letzten Jahr oder einem positiven MRSA-Nasenabstrich.
Wenn der Patient bis zum dritten Tag klinische Stabilität erreicht (z. B. entfiebert, Atemfrequenz ≤ 24/min, Herzfrequenz ≤ 100/min), wird eine kurze Gesamtdauer von 3 bis 5 Tagen empfohlen.
Bei schwerer CAP werden beide Tests routinemäßig empfohlen. Bei nicht-schwerer CAP ist der Pneumokokken-Test nicht routinemäßig indiziert; der Legionellen-Test nur bei spezifischen epidemiologischen Faktoren (z. B. Ausbruch, Reiseanamnese).

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