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ERJ Open Research2025PneumologieRehabilitation

Hybride pulmonale Rehabilitation: Leitfaden (ERJ 2025)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf ERJ Open Research Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Digitale und hybride Modelle der pulmonalen Rehabilitation (PR) zeigen in Studien gute Effekte, stossen im realen klinischen Alltag jedoch auf Akzeptanzprobleme.
  • Fehlende digitale Kompetenz und die Praeferenz fuer zentrumsbasierte Programme sind die groessten Barrieren fuer Patienten.
  • Hybride PR-Modelle erfordern oft mehr statt weniger Personalressourcen, hauptsaechlich durch notwendige Onboarding-Sitzungen.
  • Digitale Ansaetze sollten zentrumsbasierte PR ergaenzen (z. B. als Erhaltungstherapie) und nicht vollstaendig ersetzen.
  • Eine adaequate Trainingsintensitaet ist zwingend erforderlich; leichte koerperliche Aktivitaet allein reicht nicht aus, um Effekte zu erhalten.
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Hintergrund

Die pulmonale Rehabilitation (PR) ist eine empfohlene, multidisziplinaere Intervention fuer Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen (wie COPD). Traditionell wird sie als zentrumsbasierte, ueberwachte Therapie (stationaer, ambulant oder gemeindebasiert) durchgefuehrt. Um den haeufig schlechten Zugang und die geringe Inanspruchnahme zu verbessern, ruecken zunehmend hybride und digitale Modelle in den Fokus.

Leitlinien-Empfehlungen im Vergleich

Obwohl Telerehabilitation in klinischen Studien eine aehnliche Wirksamkeit wie zentrumsbasierte PR zeigt, unterscheiden sich die internationalen Empfehlungen zur Implementierung:

LeitlinieEmpfehlung zur digitalen PR / Telerehabilitation
ATS (American Thoracic Society)Akzeptable alternative Modalitaet zur Standard-PR.
BTS (British Thoracic Society)Alternative nur fuer Patienten, die nicht an einer zentrumsbasierten PR teilnehmen koennen.

Einsatzmoeglichkeiten hybrider PR-Modelle

Hybride Modelle zielen darauf ab, die Vorteile verschiedener Settings zu kombinieren. Digitale oder andere alternative Formate koennen dabei verschiedene Funktionen uebernehmen:

FunktionBeschreibung
ErgaenzungZusaetzliche heimbasierte Trainingseinheiten neben der ueberwachten Therapie im Zentrum.
TeilersatzErsatz einzelner zentrumsbasierter Sitzungen (z. B. durch Physiotherapie in der Primaerversorgung zur Reduktion von Fahrtwegen).
AlternativeVollstaendiger Wechsel auf digitale PR nach einem initialen zentrumsbasierten Programm.
ErhaltungNutzung als Erhaltungsprogramm nach Abschluss der regulaeren PR.

Real-World-Daten und Barrieren

Trotz des theoretischen Nutzens zeigt die reale Umsetzung oft geringe Akzeptanzraten. In einer aktuellen Untersuchung (Jenkins et al.) zur Implementierung einer hybriden digitalen PR zeigten sich folgende Herausforderungen:

  • Geringe Nutzung: Zwar aktivierten 86 % der Patienten die PR-App, aber nur 35 % loggten sich mindestens einmal woechentlich ein und nur 12 % nutzten jemals die aufgezeichneten Uebungsvideos.
  • Digitale Huerden: 53 % der anspruchsberechtigten Patienten wurden aufgrund von "digitaler Zoegerlichkeit" (digital hesitancy) gar nicht erst rekrutiert.
  • Patientenpraeferenz: Die ueberwiegende Mehrheit bevorzugte die zentrumsbasierte PR. Gruende gegen die digitale PR waren der Spass an der zentrumsbasierten PR (66 %) und die Unfaehigkeit, die digitale PR selbstaendig zu nutzen (33 %).

Ressourcen und Trainingsintensitaet

Ein haeufiges Ziel digitaler Modelle ist die Entlastung des multidisziplinaeren Personals. In der Praxis kann jedoch das Gegenteil eintreten: Die digitale PR erforderte in der Untersuchung ca. 100 Minuten mehr Personalzeit pro Patient, hauptsaechlich bedingt durch notwendige 60-minuetige "Onboarding"-Sitzungen zur Schulung der digitalen Kompetenz.

Unabhaengig vom gewaehlten Modell muessen grundlegende Trainingsprinzipien eingehalten werden. Eine adaequate Trainingsintensitaet ist essenziell. Eine reine Erhoehung der (meist leichten) koerperlichen Aktivitaet reicht nicht aus, um die Trainingseffekte einer zentrumsbasierten PR aufrechtzuerhalten.

Zukuenftige Modelle sollten daher flexibel und personalisiert gestaltet sein und zentrumsbasierte Programme ergaenzen, anstatt sie zu ersetzen.

💡Praxis-Tipp

Planen Sie bei der Einfuehrung digitaler PR-Modelle ausreichend Personalzeit fuer das technische 'Onboarding' der Patienten ein und beruecksichtigen Sie zwingend die individuelle digitale Kompetenz.

Häufig gestellte Fragen

In klinischen Studien zeigt Telerehabilitation eine aehnliche Wirksamkeit. Im realen Versorgungsalltag ist die Effektivitaet jedoch oft durch mangelnde digitale Kompetenz und geringe Adhaerenz limitiert.
Gemaess BTS-Leitlinie vor allem fuer Patienten, die nicht an zentrumsbasierten Programmen teilnehmen koennen. Eine grundlegende digitale Affinitaet ist Voraussetzung.
Nicht zwingend. Reale Daten zeigen, dass durch notwendige technische Einweisungen (Onboarding) der zeitliche Aufwand fuer das Personal zunaechst sogar um ca. 100 Minuten pro Patient steigen kann.
Nein. Um die Trainingseffekte zu erhalten, muss ein Trainingsprogramm mit adaequater Intensitaet verschrieben werden. Leichte Aktivitaet allein ist nicht ausreichend.

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