BOAS bei Französischen Bulldoggen: CT-Studie (Braz J Vet Med)
📋Auf einen Blick
- •Bei asymptomatischen Französischen Bulldoggen zeigen sich hohe Prävalenzen für Nasenseptumdeviationen (68,9 %) und caudale aberrante Nasenmuscheln (64,4 %).
- •Rostrale aberrante Nasenmuscheln (RAT) traten bei 44,4 % der untersuchten Tiere auf.
- •Die Nasenseptumdeviation scheint eine untergeordnete Rolle bei der Entstehung klinischer BOAS-Symptome zu spielen.
- •Rostrale aberrante Nasenmuscheln (RAT) sind maßgeblicher für die Entwicklung einer klinisch manifesten Atemwegsobstruktion verantwortlich.
Hintergrund
Das Brachyzephale Obstruktive Atemwegssyndrom (BOAS) ist eine komplexe hereditäre Erkrankung, die bei brachyzephalen Rassen zu schwerer Atemnot führt. Die Symptomatik verschlechtert sich typischerweise bei Adipositas, Aufregung, Stress, Bewegung oder erhöhter Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit.
Die Erkrankung ist durch verschiedene primäre und sekundäre anatomische Veränderungen gekennzeichnet:
| Klassifikation | Anatomische Veränderungen |
|---|---|
| Primäre Alterationen | Stenose der Nasenlöcher/des Nasenvestibulums, rostrale aberrante Nasenmuscheln (RAT), caudale aberrante Nasenmuscheln (CAT), Makroglossie, Trachealhypoplasie |
| Sekundäre Folgeerscheinungen | Evertierte Kehlkopftaschen, Larynxkollaps, Trachealkollaps, Bronchialkollaps, Gaumensegelhyperplasie, exzessive aryepiglottische Falten |
Studiendesign
In einer retrospektiven Studie wurden CT-Scans des Kopfes von 45 Französischen Bulldoggen ausgewertet. Die Tiere wiesen keine klinischen Manifestationen einer oberen Atemwegsobstruktion auf und das CT wurde aus BOAS-unabhängigen Gründen durchgeführt.
Prävalenz anatomischer Anomalien
Selbst bei asymptomatischen Tieren zeigten sich in der CT-Auswertung (Transversal-, Dorsal- und Sagittalebenen) signifikante anatomische Abweichungen. Nur 2 % der Tiere wiesen keine der untersuchten Anomalien auf.
| Anatomische Anomalie | Abkürzung | Prävalenz (n=45) |
|---|---|---|
| Nasenseptumdeviation | NSD | 68,9 % (n=31) |
| Caudale aberrante Nasenmuscheln | CAT | 64,4 % (n=29) |
| Rostrale aberrante Nasenmuscheln | RAT | 44,4 % (n=20) |
Korrelationen mit dem Körpergewicht
Es zeigten sich signifikante Auffälligkeiten in Bezug auf das Körpergewicht der Tiere, jedoch keine Korrelationen bezüglich Alter, Geschlecht oder Reproduktionsstatus.
- Schwerere Tiere (11-14 kg): Haben eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Nasenseptumdeviation (NSD) als leichtere Tiere.
- Leichtere Tiere (8-11 kg): Neigen eher zu caudalen aberranten Nasenmuscheln (CAT) als schwerere Tiere.
- Für rostrale aberrante Nasenmuscheln (RAT) ergab sich keine Korrelation mit dem Gewicht.
Klinische Relevanz für BOAS
Der Vergleich dieser asymptomatischen Population mit früheren Studien an schwer an BOAS erkrankten Französischen Bulldoggen liefert wichtige klinische Erkenntnisse:
- Nasenseptumdeviation (NSD): Aufgrund der sehr hohen Prävalenz auch bei asymptomatischen Tieren spielt die NSD vermutlich nur eine untergeordnete Rolle bei der Entwicklung klinischer Obstruktionssymptome.
- Caudale aberrante Nasenmuscheln (CAT): Die Prävalenz ist bei asymptomatischen und erkrankten Tieren ähnlich hoch (ca. 64-65 %), was gegen eine isolierte Hauptrolle bei der BOAS-Manifestation spricht.
- Rostrale aberrante Nasenmuscheln (RAT): Die Prävalenz bei asymptomatischen Tieren (44,4 %) ist deutlich geringer als bei klinisch erkrankten Tieren in anderen Studien (ca. 55-56 %). Dies legt nahe, dass RAT eine maßgebliche Rolle bei der Entstehung von klinischen Atemwegsobstruktionen spielen, da sie das engere Lumen der rostralen Nasenhöhle leichter verlegen können.
💡Praxis-Tipp
Bewerten Sie bei Französischen Bulldoggen im CT insbesondere die rostralen aberranten Nasenmuscheln (RAT) kritisch. Diese tragen maßgeblich zur klinischen Obstruktion bei, während eine Nasenseptumdeviation oder caudale aberrante Nasenmuscheln oft auch bei völlig asymptomatischen Tieren vorliegen.