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Hörverlust bei Erwachsenen: Diagnostik und Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG98 behandelt die Beurteilung und das Management von Hörverlust bei Erwachsenen in der Primär-, Sekundär- und Gemeindeversorgung. Ziel ist es, die Lebensqualität der Betroffenen durch eine strukturierte Diagnostik und zeitnahe Überweisungen zu verbessern.

Altersbedingter Hörverlust ist die häufigste Form, jedoch können auch andere Ursachen wie Cerumen-Impaktationen oder akute Infektionen zugrunde liegen. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer frühzeitigen Erkennung, um psychologische und gesundheitliche Belastungen zu reduzieren.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Einbeziehung der Betroffenen in Therapieentscheidungen. Zudem werden spezifische Patientengruppen wie Menschen mit Demenz oder Lernbehinderungen berücksichtigt, bei denen ein Hörverlust oft unerkannt bleibt.

Empfehlungen

Diagnostik und Überweisung

Bei Erwachsenen, die sich erstmals mit Hörproblemen vorstellen, wird laut Leitlinie zunächst der Ausschluss von Cerumen-Impaktationen und akuten Infektionen empfohlen. Anschließend sollte eine audiologische Beurteilung erfolgen.

Die Leitlinie definiert spezifische Zeitfenster für die Überweisung bei plötzlichem oder rasch fortschreitendem Hörverlust sowie bei begleitenden Warnsignalen:

SymptomatikÜberweisungsdringlichkeitZielabteilung
Plötzlicher Beginn (≤ 3 Tage) innerhalb der letzten 30 TageSofort (innerhalb 24 Stunden)HNO oder Notaufnahme
Plötzlicher Beginn (≤ 3 Tage) vor mehr als 30 TagenDringend (innerhalb 2 Wochen)HNO oder Audiovestibuläre Medizin
Rasche Verschlechterung (4 bis 90 Tage)Dringend (innerhalb 2 Wochen)HNO oder Audiovestibuläre Medizin
Einseitiger Hörverlust mit Gefühlsstörung/FazialispareseSofort (innerhalb 24 Stunden)HNO oder lokaler Schlaganfall-Pfad
Immunschwäche, Otalgie und therapieresistente Otorrhoe (> 72h)Sofort (innerhalb 24 Stunden)HNO

Entfernung von Ohrenschmalz (Cerumen)

Es wird empfohlen, Ohrenschmalz zu entfernen, wenn es zu Hörverlust oder anderen Symptomen beiträgt. Die Leitlinie rät ausdrücklich von manuellen Ohrspülungen (Syringing) ab.

Stattdessen wird die Verwendung von elektronischen Irrigatoren, Mikrosaugen oder manuellen Sonden empfohlen. Vor einer Spülung sollten gemäß Leitlinie Ohrentropfen zur Ohrenschmalzaufweichung für bis zu fünf Tage angewendet werden.

Audiologische Beurteilung und Hörgeräte

Die audiologische Untersuchung sollte eine umfassende Anamnese, Otoskopie und Reinton-Audiometrie umfassen. Bei beidseitigem, versorgbarem Hörverlust wird die Anpassung von zwei Hörgeräten empfohlen.

Die Leitlinie rät dazu, die Funktionen der Hörgeräte zur Geräuschunterdrückung detailliert zu erklären. Zudem wird empfohlen, auf assistive Hörsysteme wie Ringschleifen oder TV-Verstärker hinzuweisen.

Nachsorge

Es wird eine persönliche Nachsorgeuntersuchung sechs bis zwölf Wochen nach der Hörgeräteanpassung empfohlen. Alternativ kann diese auf Wunsch telefonisch oder elektronisch erfolgen.

Spezifische Untersuchungen und Therapien

Bei idiopathischem plötzlichem sensorineuralem Hörverlust wird die Gabe von Steroiden als Therapieoption genannt.

Ein MRT des inneren Gehörgangs wird bei Hörverlust mit lokalisierenden Symptomen wie einer Fazialisschwäche empfohlen, um ein Vestibularisschwannom auszuschließen.

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt davor, Ohrenschmalz durch das Einführen kleiner Gegenstände wie Wattestäbchen zu entfernen. Es wird betont, dass dies den Gehörgang und das Trommelfell verletzen und das Wachs tiefer hineinschieben kann.

Zudem wird von der manuellen Ohrspülung (Syringing) mit Spritzen ausdrücklich abgeraten.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist die proaktive Abklärung von Hörverlust bei vulnerablen Gruppen. Es wird empfohlen, bei Erwachsenen mit diagnostizierter oder vermuteter Demenz, leichter kognitiver Beeinträchtigung oder Lernbehinderung regelmäßig eine audiologische Untersuchung zu veranlassen, da ein Hörverlust in diesen Gruppen häufig als Komorbidität übersehen wird.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird bei einem plötzlichen Hörverlust, der sich innerhalb von drei Tagen entwickelt hat und weniger als 30 Tage zurückliegt, eine sofortige Überweisung innerhalb von 24 Stunden an die HNO oder Notaufnahme empfohlen.

Die Leitlinie empfiehlt elektronische Irrigatoren, Mikrosaugen oder manuelle Sonden. Von manuellen Ohrspülungen mit Spritzen wird ausdrücklich abgeraten.

Es wird empfohlen, Erwachsenen mit beidseitigem, versorgbarem Hörverlust zwei Hörgeräte anzubieten. Dies verbessert das Sprachverständnis bei Hintergrundgeräuschen und die räumliche Orientierung.

Ein MRT des inneren Gehörgangs wird empfohlen, wenn lokalisierende Symptome wie eine Fazialisschwäche vorliegen. Es sollte auch bei asymmetrischem sensorineuralem Hörverlust ohne lokalisierende Zeichen erwogen werden.

Die Leitlinie empfiehlt einen Nachsorgetermin sechs bis zwölf Wochen nach der Anpassung. Dieser sollte primär persönlich stattfinden, kann aber auf Wunsch auch telefonisch erfolgen.

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Quelle: Hearing loss in adults: assessment and management (NICE, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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