WHO2025

HIV-Therapie: Leitlinien-Empfehlung und Prophylaxe

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2025)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie (2025) liefert aktualisierte Empfehlungen zur antiretroviralen Therapie (ART), zum Management der vertikalen HIV-Transmission und zur Tuberkuloseprävention. Ziel ist es, die globale Eliminierung von HIV und Tuberkulose bis 2030 durch optimierte, sichere und vereinfachte Behandlungsstrategien zu unterstützen.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Optimierung von Erst- und Zweitlinientherapien durch den bevorzugten Einsatz von Darunavir/Ritonavir (DRV/r) und die Wiederverwendung von Tenofovir (TDF/TAF). Zudem werden neue Ansätze wie langwirksame Injektionen und duale orale Therapien zur Vereinfachung der Behandlung bewertet.

Im Bereich der vertikalen Transmission adressiert das Dokument die anhaltenden Herausforderungen in der Stillzeit. Es werden risikoadaptierte Prophylaxe-Schemata für Säuglinge sowie unterstützende Maßnahmen für stillende Mütter unter ART definiert.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen:

Antiretrovirale Therapie (ART)

Laut Leitlinie wird Darunavir/Ritonavir (DRV/r) als bevorzugter geboosteter Protease-Inhibitor (PI) für die ART empfohlen (starke Empfehlung, moderate Evidenz). Atazanavir/Ritonavir (ATV/r) oder Lopinavir/Ritonavir (LPV/r) gelten als alternative Optionen.

Für Erwachsene, Jugendliche und Kinder über 30 kg wird Tenofovir (TDF oder TAF) plus Lamivudin (3TC) oder Emtricitabin (FTC) als bevorzugtes NRTI-Rückgrat empfohlen (starke Empfehlung). Dies schließt Personen ein, die zuvor bereits mit Tenofovir oder Zidovudin (AZT) behandelt wurden.

Für Kinder unter 30 kg wird Abacavir (ABC) oder TAF plus 3TC (oder FTC) für die Folgetherapie vorgeschlagen (bedingte Empfehlung).

Therapievereinfachung und langwirksame ART

Die Leitlinie nennt folgende Optionen zur Therapievereinfachung bei Erwachsenen und Jugendlichen mit nicht nachweisbarer Viruslast und ohne aktive Hepatitis-B-Koinfektion:

  • Dolutegravir plus Lamivudin (DTG+3TC) als orale Zweifachtherapie (bedingte Empfehlung)

  • Langwirksames injizierbares Cabotegravir plus Rilpivirin (CAB+RPV) als alternative Wechselstrategie (bedingte Empfehlung)

Prävention der vertikalen Transmission

Für Säuglinge ohne hohes HIV-Risiko wird eine sechswöchige Monoprophylaxe empfohlen, wobei Nevirapin (NVP) die bevorzugte Option darstellt (starke Empfehlung). Dolutegravir (DTG) oder 3TC werden als Alternativen genannt.

Bei Säuglingen mit hohem HIV-Risiko wird eine sechswöchige Dreifachtherapie empfohlen, bevorzugt mit ABC/3TC+DTG (starke Empfehlung).

Stillende Säuglinge, die eine sechswöchige Dreifachtherapie abgeschlossen haben, sollten laut Leitlinie anschließend eine Monoprophylaxe (bevorzugt NVP) erhalten. Diese wird fortgeführt, bis die maternale Viruslast nachweislich supprimiert ist oder das Stillen beendet wird.

Tuberkulose-Prävention (TPT)

Für Erwachsene und Jugendliche mit HIV, die für eine Tuberkulose-Präventionstherapie in Frage kommen, wird ein dreimonatiges Regime mit wöchentlichem Isoniazid plus Rifapentin (3HP) als bevorzugte Option vorgeschlagen (bedingte Empfehlung).

Als Alternativen nennt die Leitlinie sechs oder neun Monate tägliches Isoniazid (6H oder 9H).

Dosierung

Dosierung bei Neugeborenen und Säuglingen (ABC, 3TC und DTG)

MedikamentFormulierungAlter 0 bis < 2 WochenAlter 2 bis < 4 WochenGewicht 3 bis < 6 kg
ABC/3TC120/60 mg (doppelt gekerbt)1/4 Tablette (jeden 2. Tag)1/4 Tablette (täglich)1/2 Tablette (täglich)
DTG5 mg (dispergierbar)1 Tablette (jeden 2. Tag)1 Tablette (täglich)1 Tablette (täglich)
DTG10 mg (dispergierbar)1/2 Tablette (jeden 2. Tag)1/2 Tablette (täglich)1/2 Tablette (täglich)
ABC/DTG/3TC60/30/5 mgNicht empfohlen1 Tablette (täglich)3 Tabletten (täglich)

Vergleich der Eigenschaften von TAF und TDF

EigenschaftTAF (Tenofoviralafenamid)TDF (Tenofovirdisoproxilfumarat)
Renale und ossäre SicherheitGeringerer Einfluss auf LaborparameterHöhere Abbruchrate bei geboosteten PIs
DyslipidämieLeichter Anstieg von LDL und TriglyceridenGeringeres Risiko
GewichtszunahmeLeichter Anstieg (besonders mit INSTIs)Geringeres Risiko
Einsatz mit geboosteten PIsDosisreduktion auf 10 mg erforderlichKeine Dosisanpassung verfügbar
Einsatz bei KindernDosierung für Kleinkinder nicht etabliertNicht für Kleinkinder empfohlen

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:

  • Zweifachtherapien (wie DTG+3TC oder CAB+RPV) dürfen bei einer aktiven Hepatitis-B-Koinfektion nicht eingesetzt werden, da sie kein Tenofovir enthalten.

  • Darunavir/Ritonavir (DRV/r) und Rilpivirin (RPV) dürfen aufgrund starker Wechselwirkungen nicht zusammen mit Rifampicin (bei Tuberkulose-Koinfektion) verabreicht werden.

  • DRV/r ist für Kinder unter drei Jahren nicht zugelassen.

  • Bei der Kombination von TAF mit geboosteten Protease-Inhibitoren wird eine Dosisreduktion von TAF auf 10 mg empfohlen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Praxis-Hinweis der Leitlinie betrifft die Dosierung bei Neugeborenen. Es wird betont, dass Dolutegravir (DTG) und Abacavir/Lamivudin (ABC/3TC) in den ersten zwei Lebenswochen zwingend nur jeden zweiten Tag (alle 48 Stunden) verabreicht werden dürfen, um toxische Akkumulationen zu vermeiden. Erst ab der zweiten Lebenswoche ist laut Leitlinie eine tägliche Gabe vorgesehen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie ist Darunavir/Ritonavir (DRV/r) die bevorzugte Option für eine Zweit- oder Drittlinientherapie. Es wird eine bessere Verträglichkeit und ein geringeres Risiko für schwere Nebenwirkungen im Vergleich zu Lopinavir/Ritonavir beschrieben.

Ja, die Leitlinie empfiehlt, Tenofovir (TDF oder TAF) im NRTI-Rückgrat beizubehalten, auch wenn die vorherige Therapie versagt hat. Dies wird mit besseren virologischen Raten und einem geringeren Risiko für Resistenzbildungen im Vergleich zu einem Wechsel auf Zidovudin (AZT) begründet.

Eine orale Zweifachtherapie mit DTG+3TC wird zur Therapievereinfachung bei Erwachsenen und Jugendlichen vorgeschlagen. Voraussetzung ist laut Leitlinie eine nicht nachweisbare Viruslast und der Ausschluss einer aktiven Hepatitis-B-Koinfektion.

Bei Säuglingen ohne hohes Risiko wird eine sechswöchige Monoprophylaxe, bevorzugt mit Nevirapin, empfohlen. Bei hohem Risiko wird initial eine sechswöchige Dreifachtherapie empfohlen, gefolgt von einer Monoprophylaxe bis zur maternalen Virussuppression oder dem Abstillen.

Die Leitlinie schlägt ein dreimonatiges Regime mit wöchentlichem Isoniazid und Rifapentin (3HP) als bevorzugte Präventionstherapie vor. Dieses Schema zeigt eine höhere Abschlussrate und geringere Lebertoxizität als die sechsmonatige tägliche Isoniazid-Gabe.

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Quelle: WHO updated recommendations on HIV clinical management: recommendations for a public health approach (WHO, 2025). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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