SIGN2013Neurologie

Hirnverletzung: Rehabilitation und kognitive Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2013 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: SIGN (2013)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Erworbene Hirnverletzungen stellen eine signifikante Ursache für Morbidität und Mortalität dar. Sie umfassen Schädigungen durch äußere Gewalteinwirkung (Schädel-Hirn-Trauma) sowie nicht-degenerative Erkrankungen des zentralen Nervensystems.

Betroffene leiden häufig unter langfristigen physischen, kognitiven, emotionalen und verhaltensbezogenen Einschränkungen. Diese Herausforderungen beeinträchtigen oft die Rückkehr ins Arbeitsleben und die allgemeine Lebensqualität erheblich.

Ein frühzeitiger Zugang zu spezialisierter Diagnostik und multidisziplinärer Rehabilitation kann das Outcome positiv beeinflussen. Die Einteilung der Verletzungsschwere erfolgt typischerweise anhand der Glasgow Coma Scale (GCS):

Schweregrad der HirnverletzungGlasgow Coma Scale (GCS)
Leicht13-15
Mittelschwer9-12
Schwer8 oder weniger

Empfehlungen

Die schottische SIGN-Leitlinie 130 formuliert umfassende Empfehlungen zur postakuten Rehabilitation von Erwachsenen nach einer Hirnverletzung.

Leichte Schädel-Hirn-Traumata

Die Leitlinie empfiehlt, Personen mit unspezifischen Symptomen nach einem leichten Schädel-Hirn-Trauma zu beruhigen. Es wird betont, dass diese Symptome gutartig sind und sich wahrscheinlich innerhalb von drei Monaten zurückbilden (Empfehlungsgrad B).

Eine routinemäßige kognitive Testung oder kraniale Bildgebung wird in der postakuten Phase nicht standardmäßig empfohlen (Empfehlungsgrad B). Bei anhaltenden Symptomen über drei Monate hinaus kann eine kognitive Verhaltenstherapie erwogen werden (Empfehlungsgrad C).

Physische Rehabilitation und Spastik

Für die Verbesserung der funktionellen Fähigkeiten wird ein aufgabenorientiertes, repetitives Training empfohlen (Empfehlungsgrad B). Ein Laufbandtraining sollte laut Leitlinie nicht bevorzugt gegenüber konventionellem Gangtraining eingesetzt werden (Empfehlungsgrad C).

Zur Behandlung einer fokalen Spastik kann Botulinumtoxin (BoNT) zur Reduktion von Tonus und Deformitäten erwogen werden (Empfehlungsgrad B). Als orale medikamentöse Therapieoptionen nennt das Dokument Baclofen oder Tizanidin (Empfehlungsgrad D).

Kognitive und emotionale Rehabilitation

Bei Gedächtnisstörungen wird das Training von kompensatorischen Strategien mit klarem Fokus auf Alltagsfunktionen empfohlen (Empfehlungsgrad D). Bei exekutiven Dysfunktionen wird das Training metakognitiver Strategien zur Problemlösung und Zielsetzung empfohlen (Empfehlungsgrad B).

Interventionen für kognitive Defizite sollten im Rahmen eines ganzheitlichen neuropsychologischen Rehabilitationsprogramms stattfinden (Empfehlungsgrad D). Zur Behandlung von akuten Belastungsstörungen oder Angstsymptomen sollte eine kognitive Verhaltenstherapie erwogen werden (Empfehlungsgrad B).

Verhaltensstörungen

Medizinisch behandelbare Ursachen für Agitation (wie Schmerzen oder Harnverhalt) sollten vor Beginn spezifischer Therapien ausgeschlossen werden.

Als medikamentöse Erstlinientherapie bei mittelschwerer Agitation oder Aggression können Propranolol oder Pindolol erwogen werden (Empfehlungsgrad B). Die medikamentöse Therapie sollte individuell angepasst und in sehr niedriger Dosierung begonnen werden.

Wachkoma und minimal bewusster Zustand

Zur Beurteilung von Personen mit Bewusstseinsstörungen wird die Verwendung der "Coma Recovery Scale - Revised" empfohlen (Empfehlungsgrad B).

Die Gabe von Amantadin kann erwogen werden, um die Wiedererlangung des Bewusstseins nach schweren Hirnverletzungen zu fördern (Empfehlungsgrad B).

Versorgungsstrukturen

Für optimale Ergebnisse wird eine frühzeitige, hochintensive Rehabilitation durch spezialisierte multidisziplinäre Teams empfohlen (Empfehlungsgrad B).

Zudem wird eine geplante, strukturierte Entlassung aus der stationären Rehabilitation nach Hause als vorteilhaft bewertet und sollte integrierter Bestandteil des Behandlungsprogramms sein (Empfehlungsgrad D).

Kontraindikationen

Die Leitlinie verweist auf folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für antispastische Medikamente:

  • Baclofen: Vorsicht ist geboten bei psychiatrischen Erkrankungen, Morbus Parkinson, zerebrovaskulären Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Epilepsie, Ulkusanamnese, Diabetes, hypertonem Blasensphinkter und älteren Menschen. Bei aktivem Ulkus sollte die orale Gabe vermieden werden.

  • Tizanidin: Vorsicht ist geboten bei älteren Menschen und bei gleichzeitiger Gabe von Medikamenten, die das QT-Intervall verlängern.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Bei neu aufgetretener Agitation oder aggressivem Verhalten wird empfohlen, zunächst behandelbare medizinische Ursachen wie Schmerzen, Harnverhalt oder Obstipation auszuschließen. Erst nach diesem Ausschluss sollten spezifische psychopharmakologische oder verhaltenstherapeutische Interventionen eingeleitet werden.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie bilden sich unspezifische Symptome nach einem leichten Schädel-Hirn-Trauma in der überwiegenden Mehrheit der Fälle innerhalb von zwei bis drei Monaten zurück. Den Betroffenen sollte eine entsprechende Beruhigung und Aufklärung angeboten werden.

Die Leitlinie empfiehlt, Propranolol oder Pindolol als Erstlinientherapie bei mittelschwerer Agitation oder Aggression zu erwägen. Die Behandlung sollte individuell angepasst und mit sehr niedrigen Dosen begonnen werden.

Zur Reduktion von Tonus und Deformitäten bei fokaler Spastik wird Botulinumtoxin empfohlen. Als orale medikamentöse Optionen nennt das Dokument Baclofen oder Tizanidin.

Eine routinemäßige kognitive Testung wird nach einem unkomplizierten leichten Schädel-Hirn-Trauma nicht empfohlen. Bei anhaltenden Beschwerden über drei Monate hinaus sollte jedoch auf alternative Ursachen wie affektive Störungen geachtet werden.

Zur Beurteilung von Personen mit Bewusstseinsstörungen wie dem Wachkoma oder dem minimal bewussten Zustand wird die "Coma Recovery Scale - Revised" empfohlen. Anwender sollten in der Nutzung solcher Instrumente geschult sein.

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Quelle: SIGN 130: Brain injury rehabilitation in adults (SIGN, 2013). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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