Herzklappenerkrankungen: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie behandelt die Untersuchung und das Management von Herzklappenerkrankungen bei Erwachsenen. Ziel ist es, die Lebensqualität und das Überleben der Betroffenen durch eine rechtzeitige Diagnose und angemessene Interventionen zu verbessern.
Herzklappenerkrankungen können durch Stenosen oder Insuffizienzen verursacht werden und primärer oder sekundärer Natur sein. Mit zunehmendem Alter steigt die Prävalenz, wobei erworbene Klappendegenerationen heutzutage die häufigste Ursache darstellen.
Viele Betroffene sind zunächst asymptomatisch, können aber im Verlauf schwerwiegende Komplikationen wie eine Herzinsuffizienz entwickeln. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer strukturierten echokardiografischen Überwachung und einer rechtzeitigen Überweisung an spezialisierte Zentren.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management von Herzklappenerkrankungen:
Diagnostik und Überweisung
Laut Leitlinie wird eine Echokardiografie empfohlen, wenn ein Herzgeräusch in Kombination mit Symptomen, einem auffälligen EKG oder bestimmten Risikofaktoren vorliegt. Bei einem systolischen Geräusch und einer Belastungssynkope wird eine dringende fachärztliche Beurteilung innerhalb von 2 Wochen empfohlen.
Es wird empfohlen, Personen mit einer moderaten oder schweren Herzklappenerkrankung an einen Spezialisten zu überweisen. Dies gilt gemäß Leitlinie auch für alle Schweregrade einer bikuspiden Aortenklappenerkrankung.
Indikationen zur Intervention
Die Leitlinie empfiehlt eine Intervention bei allen Erwachsenen mit einer symptomatischen, schweren Herzklappenerkrankung. Bei asymptomatischen Personen mit schwerer Erkrankung sollte eine Intervention erwogen werden, wenn spezifische Grenzwerte erreicht sind.
| Erkrankung | Parameter für Interventionserwägung |
|---|---|
| Asymptomatische schwere Aortenstenose | Vmax > 5 m/s, Aortenklappenöffnungsfläche < 0,6 cm2, LVEF < 55 %, BNP/NT-proBNP > 2-fach der Norm |
| Asymptomatische schwere Aorteninsuffizienz | LVEF < 55 %, endsystolischer Durchmesser (ESD) > 50 mm oder ESD-Index > 24 mm/m2 |
| Asymptomatische schwere Mitralinsuffizienz | LVEF < 60 %, ESD > 45 mm oder ESD-Index > 22 mm/m2, systolischer Pulmonalarteriendruck > 60 mmHg unter Belastung |
Wahl der Intervention
Für die Aortenklappe empfiehlt die Leitlinie einen chirurgischen Eingriff als Erstlinientherapie bei Personen mit niedrigem oder mittlerem Operationsrisiko. Eine Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) wird bei hohem chirurgischem Risiko oder Inoperabilität empfohlen.
Bei einer schweren primären Mitralklappeninsuffizienz wird primär eine chirurgische Klappenrekonstruktion empfohlen. Ein Klappenersatz sollte laut Leitlinie nur erfolgen, wenn eine Rekonstruktion nicht möglich ist.
Für die rheumatische schwere Mitralstenose wird eine Transkatheter-Valvotomie empfohlen, sofern die Klappe dafür geeignet ist.
Antikoagulation und Nachsorge
Nach einem chirurgischen biologischen Klappenersatz wird von einer routinemäßigen Antikoagulation abgeraten, sofern keine anderen Indikationen vorliegen. Nach einer TAVI sollte laut Leitlinie eine Therapie mit Aspirin (oder Clopidogrel bei Unverträglichkeit) erwogen werden.
Die Leitlinie empfiehlt für asymptomatische Personen mit schwerer Klappenerkrankung eine klinische und echokardiografische Kontrolle alle 6 bis 12 Monate. Bei leichten Aorten- oder Mitralstenosen wird ein Intervall von 3 bis 5 Jahren empfohlen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert folgende Warnhinweise:
-
Es wird davon abgeraten, nach einem chirurgischen biologischen Klappenersatz routinemäßig eine Antikoagulation durchzuführen, es sei denn, es bestehen andere zwingende Indikationen.
-
Die Leitlinie weist darauf hin, dass eine TAVI bei Personen mit niedrigem oder mittlerem Operationsrisiko zu den aktuellen Listenpreisen nicht kosteneffektiv ist und in diesen Fällen primär eine Operation angeboten werden sollte.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiges klinisches Warnsignal ist das Auftreten einer Belastungssynkope in Kombination mit einem systolischen Herzgeräusch. In diesem Fall wird eine sofortige Abklärung mittels Echokardiografie innerhalb von 2 Wochen empfohlen, da eine unerkannte schwere Aortenstenose hier mit einer hohen Mortalität einhergeht. Gleichzeitig betont die Leitlinie, dass leichte Herzklappenerkrankungen bei älteren Menschen sehr häufig sind, selten fortschreiten und in der Regel keine fachärztliche Überweisung erfordern.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine Echokardiografie, wenn neben dem Herzgeräusch weitere Symptome wie Atemnot, Angina pectoris oder periphere Ödeme vorliegen. Auch bei einem isolierten Geräusch sollte eine Abklärung erwogen werden, wenn Alter oder Familienanamnese auf eine Klappenerkrankung hindeuten.
Eine Intervention sollte laut Leitlinie erwogen werden, wenn die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) unter 55 % fällt oder die maximale Flussgeschwindigkeit (Vmax) über 5 m/s liegt. Auch ein stark erhöhter BNP-Wert kann eine Indikation zur frühzeitigen Intervention darstellen.
Die Leitlinie empfiehlt den Einsatz von Betablockern bei Erwachsenen mit moderater bis schwerer Mitralstenose und begleitender Herzinsuffizienz. Für andere Klappenerkrankungen gibt es keine spezifischen medikamentösen Empfehlungen zur Verzögerung der Krankheitsprogression.
Es wird empfohlen, bei einer leichten Aorten- oder Mitralstenose alle 3 bis 5 Jahre eine echokardiografische Kontrolle durchzuführen. Bei schweren, asymptomatischen Klappenerkrankungen wird ein kürzeres Intervall von 6 bis 12 Monaten empfohlen.
Gemäß der Leitlinie wird ein chirurgischer Eingriff für Personen mit niedrigem oder mittlerem Operationsrisiko als Erstlinientherapie empfohlen. Eine TAVI wird primär für Personen mit hohem chirurgischem Risiko oder bei Inoperabilität empfohlen.
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Quelle: Heart valve disease in adults (NICE, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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