IQWiG2018

Hepatitis B Screening: Indikation und Empfehlungen

Diese Leitlinie stammt aus 2018 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Hepatitis B ist eine durch das Hepatitis-B-Virus (HBV) hervorgerufene Leberentzündung. Die Prävalenz in Deutschland liegt bei unter 1 %. Während akute Infektionen bei Erwachsenen meist spontan ausheilen, kann ein chronischer Verlauf zu Leberzirrhose oder einem hepatozellulären Karzinom (HCC) führen.

Die Diagnose erfolgt in Deutschland stufenweise über serologische Marker, beginnend mit dem HBsAg und Anti-HBc. Zur Prävention steht eine wirksame Impfung zur Verfügung, die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) seit 1995 für Säuglinge und Kinder sowie für definierte Risikogruppen empfohlen wird.

Der vorliegende Bericht untersucht den patientenrelevanten Nutzen eines systematischen Screenings auf Hepatitis B bei asymptomatischen Personen im Vergleich zu keinem Screening. Ziel war es zu evaluieren, ob eine frühe Erkennung und eine Vorverlagerung der Therapie langfristige Leberschäden verhindern können.

Empfehlungen

Der IQWiG-Bericht S16-03 formuliert folgende zentrale Erkenntnisse zum Screening auf Hepatitis B:

Evidenzlage zum Screening

Laut Bericht wurden keine vergleichenden Interventionsstudien zur Screeningkette identifiziert. Auch Studien, die einen Nutzen durch eine Vorverlagerung der Therapie belegen, fehlen.

Mangels aussagekräftiger Evidenz bleibt das Nutzen-Schaden-Verhältnis für ein Screening auf Hepatitis B insgesamt unklar.

Diagnostik und Überdiagnostik

Die diagnostische Güte der Tests zur Bestimmung von HBsAg und Anti-HBc wird als sehr hoch eingeschätzt. Falsch-positive Befunde sind bei einer stufenweisen Diagnostik für die Nutzen-Schaden-Abwägung tendenziell zu vernachlässigen.

Der Bericht warnt jedoch vor potenziellen Überdiagnosen. Bei 60 bis 85 % der chronisch Infizierten handelt es sich um inaktive HBsAg-Träger, bei denen in der Regel keine Behandlung indiziert ist.

Nutzen der antiviralen Therapie

Die Auswertung der Evidenz zur antiviralen Therapie zeigt laut Bericht folgende Ergebnisse:

  • Es zeigt sich ein statistisch signifikant besserer Effekt bei nicht validierten Surrogatendpunkten (Senkung der HBV-DNA, HBeAg-Serokonversion)

  • Für klinische Endpunkte wie Leberzirrhose, hepatozelluläres Karzinom und Mortalität zeigen sich lediglich numerische, aber keine statistisch signifikanten Vorteile

  • Das Risiko für Studienabbrüche wegen unerwünschter Ereignisse ist unter antiviraler Therapie signifikant erhöht

Einfluss der Impfung

Durch die zur Verfügung stehende Hepatitis-B-Impfung wird sich die Frage nach einem HBV-Screening langfristig relativieren. Es wird angenommen, dass nur ein zunehmend kleiner werdender Anteil der Population von einem Screening profitieren könnte.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Der Bericht betont, dass internationale Leitlinien ein Screening in Risikogruppen zwar empfehlen, diese Empfehlungen jedoch ohne ausreichende Evidenz für einen patientenrelevanten Nutzen durch eine Therapievorverlagerung getroffen wurden. Es wird darauf hingewiesen, dass die Identifikation inaktiver HBsAg-Träger zu Überdiagnosen und psychischer Belastung führen kann, ohne dass zwingend eine therapeutische Konsequenz resultiert.

Häufig gestellte Fragen

Der Bericht gibt keine Empfehlung für ein allgemeines Screening ab. Es wird festgestellt, dass mangels aussagekräftiger Evidenz das Nutzen-Schaden-Verhältnis unklar bleibt.

Laut Bericht wird die Testgüte zur Identifikation von HBV-infizierten Personen als sehr hoch eingeschätzt. Die Spezifität für eine initiale Testung auf HBsAg liegt bei über 98 %.

Der therapeutische Nutzen einer Vorverlagerung der Therapie ist laut Bericht unklar. Für klinische Endpunkte wie Leberzirrhose oder hepatozelluläre Karzinome zeigten sich in den ausgewerteten Studien keine statistisch signifikanten Vorteile.

Internationale Leitlinien empfehlen ein Screening in Risikogruppen oft basierend auf Kosten-Effektivitäts-Modellen oder Expertenkonsens. Der Bericht bemängelt, dass diese Empfehlungen ohne Nachweis eines patientenrelevanten Nutzens durch vergleichende Therapiestudien getroffen wurden.

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Quelle: IQWiG S16-03: Screening auf Hepatitis B (IQWiG, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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