Grippeimpfung: Empfehlungen zur Impfquotensteigerung
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie NG103 befasst sich mit Strategien zur Erhöhung der Inanspruchnahme von Grippeimpfungen. Jedes Jahr führt Influenza zu zahlreichen Arztbesuchen, Krankenhausaufenthalten und Todesfällen, insbesondere bei vulnerablen Personengruppen.
Obwohl die Impfung für bestimmte Risikogruppen, Schwangere, Kinder und medizinisches Personal empfohlen wird, variieren die Impfquoten in der Praxis stark. Besonders bei Personen unter 65 Jahren mit klinischen Risikofaktoren sowie bei Kleinkindern sind die Raten oft unzureichend.
Um diese Lücke zu schließen, bewertet das Dokument verschiedene Interventionen auf organisatorischer und individueller Ebene. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Kombination mehrerer Ansätze, um sowohl die Nachfrage als auch das Angebot zu verbessern.
Empfehlungen
Multikomponenten-Ansatz
Die NICE-Leitlinie NG103 empfiehlt die Nutzung eines Multikomponenten-Ansatzes, um die Impfquoten zu steigern. Dabei sollen Interventionen kombiniert werden, die sowohl die Nachfrage der Zielgruppen als auch das Impfangebot beeinflussen.
Es wird dazu geraten, dass Impfanbieter mit anderen Behörden und lokalen Akteuren zusammenarbeiten. Laut Leitlinie kann dies die Ernennung eines speziellen Teams oder eines Impf-Champions innerhalb der Organisation umfassen.
Klinische Risikogruppen
Die Leitlinie definiert spezifische Gruppen, die ein erhöhtes Risiko für schwere Influenza-Komplikationen aufweisen und priorisiert geimpft werden sollten:
| Risikogruppe | Beispiele und Spezifikationen |
|---|---|
| Chronische Atemwegserkrankungen | Asthma (mit Steroidbedarf), COPD, Bronchiektasen |
| Chronische Herzerkrankungen | Herzinsuffizienz, ischämische Herzkrankheit |
| Chronische Nierenerkrankungen | Stadium 3 oder höher |
| Chronische Lebererkrankungen | Leberzirrhose, chronische Hepatitis |
| Chronische neurologische Erkrankungen | Parkinson, Motoneuron-Erkrankungen, Lernbehinderungen |
| Diabetes mellitus | Typ 1 und Typ 2 |
| Immunsuppression | Durch Erkrankung (z. B. HIV) oder Therapie (z. B. Chemotherapie) |
| Milzfunktionsstörungen | Asplenie, Sichelzellanämie, Zöliakie |
| Morbide Adipositas | BMI von 40 oder höher bei Erwachsenen |
Bewusstseinsbildung und Aufklärung
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit der Schulung von Gesundheits- und Sozialpersonal, insbesondere von denjenigen, die Kontakt zu anspruchsberechtigten Gruppen haben. Das Personal sollte in der Lage sein, maßgeschneiderte Informationen zu Risiken und Nutzen der Grippeimpfung zu vermitteln.
Für die Aufklärung der Zielgruppen werden folgende Kernpunkte empfohlen:
-
Erklärung der Übertragungswege und der Schwere von Influenza-Komplikationen.
-
Betonung, dass die Impfung sicher ist und den besten Schutz vor einer Infektion darstellt.
-
Aktive Ausräumung von Mythen, wie etwa dem Glauben, die Impfung selbst könne eine Grippe auslösen.
-
Hinweis auf die Notwendigkeit einer jährlichen Auffrischung.
Identifikation und Impfangebot
Es wird empfohlen, jede Gelegenheit während der Grippesaison zu nutzen, um anspruchsberechtigte Personen zu identifizieren und ihnen die Impfung anzubieten. Dies schließt Routine- und Facharzttermine, Apothekenbesuche sowie Hausbesuche ein.
Um die Zugänglichkeit zu verbessern, formuliert das Dokument folgende Strategien:
-
Bereitstellung von Abend- und Wochenendterminen in der Primärversorgung.
-
Nutzung elektronischer Patientenakten für automatische Erinnerungen (Prompts) an das Personal.
-
Versand personalisierter Einladungen durch bekannte medizinische Betreuer.
-
Einsatz von Peer-led-Ansätzen für schwer erreichbare oder unterversorgte Gruppen.
Personal und pflegende Angehörige
Arbeitgeber im Gesundheits- und Sozialwesen sollten laut Leitlinie allen Mitarbeitern mit direktem Patientenkontakt eine Grippeimpfung anbieten. Dabei wird eine Strategie der vollständigen Teilnahme mit national vereinbarten Opt-out-Kriterien empfohlen.
Bei pflegenden Angehörigen, die nicht anderweitig anspruchsberechtigt sind, wird der Einsatz des klinischen Urteilsvermögens empfohlen. Die Entscheidung zur Impfung sollte darauf basieren, ob das Wohlergehen der gepflegten Person gefährdet wäre, wenn der Pflegende an Grippe erkrankt.
Kontraindikationen
Laut Leitlinie gibt es spezifische Einschränkungen für die Verabreichung des nasalen Lebendimpfstoffs bei Kindern.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Injektion anstelle des Nasensprays angeboten werden sollte, wenn das Kind aus medizinischen Gründen das Spray nicht erhalten darf. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn das Kind selbst oder ein enges Familienmitglied schwer immunsupprimiert ist.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die ausschließliche Nutzung passiver Informationsmaterialien wie Poster im Wartezimmer. Die Leitlinie betont, dass eine persönliche, proaktive Ansprache durch einen bekannten Behandler die Impfbereitschaft signifikant erhöht. Es wird daher empfohlen, elektronische Erinnerungssysteme (Prompts) in der Patientenakte zu nutzen, um bei jedem Routinekontakt aktiv auf die Grippeimpfung hinzuweisen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt für unterversorgte Gruppen den Einsatz von sogenannten Peer-led-Ansätzen. Dabei arbeiten Personen mit ähnlichem Hintergrund als lokale Impf-Champions, um zugängliche und kulturell angemessene Informationen zu vermitteln.
Laut Dokument wird keine strikte Impfpflicht empfohlen, da dies die Arbeitsmoral negativ beeinflussen kann. Stattdessen wird eine Strategie der vollständigen Teilnahme mit klaren, national vereinbarten Opt-out-Kriterien befürwortet.
Apotheken werden als wichtiger Baustein genannt, um die Zugänglichkeit zu verbessern. Es wird empfohlen, dass Apotheker bei der Medikamentenausgabe oder Gesundheitsberatung aktiv die Anspruchsberechtigung prüfen und die Impfung anbieten.
Die Injektion ist laut Leitlinie indiziert, wenn medizinische Kontraindikationen gegen das Nasenspray vorliegen, wie etwa eine schwere Immunsuppression beim Kind oder in der engen Familie. Auch religiöse Bedenken der Eltern gegenüber Bestandteilen des Sprays können ein Grund für die Injektion sein.
Es wird empfohlen, Einladungen und Erinnerungen möglichst zu personalisieren und auf die spezifische klinische Situation des Empfängers zuzuschneiden. Zudem sollten die Nachrichten idealerweise von einem dem Patienten bekannten Behandler stammen.
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Quelle: NG103: Flu vaccination: increasing uptake (NICE). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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