COPD-Leitlinie 2025: Diagnose & Therapie (GOLD)
📋Auf einen Blick
- •Die Diagnose der COPD erfordert zwingend eine Spirometrie mit einem Post-Bronchodilatator-Quotienten FEV1/FVC < 0,7.
- •Rauchentwöhnung und Impfungen (inkl. RSV, COVID-19, Pneumokokken) sind essenzielle Präventionsmaßnahmen.
- •Bei Exazerbationen sind kurzwirksame Bronchodilatatoren die Therapie der Wahl; systemische Kortikosteroide und Antibiotika sollten maximal 5 Tage gegeben werden.
- •Ein jährliches Low-Dose-CT (LDCT) zum Lungenkrebs-Screening wird nur für COPD-Patienten mit Raucheranamnese empfohlen.
Hintergrund
Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine heterogene Erkrankung, die durch chronische Atembeschwerden (Dyspnoe, Husten, Auswurf) und eine persistierende Atemwegsobstruktion gekennzeichnet ist. Die Entstehung basiert auf sogenannten GETomics (Gen-Umwelt-Interaktionen über die Lebenszeit).
Neben dem Hauptrisikofaktor Tabakkonsum spielen auch Luftverschmutzung und genetische Faktoren (z. B. SERPINA1-Mutationen bei Alpha-1-Antitrypsin-Mangel) eine Rolle. Die Leitlinie definiert zudem Vorstufen:
- Pre-COPD: Symptome oder strukturelle Läsionen ohne Atemwegsobstruktion.
- PRISm: Erhaltene Ratio (FEV1/FVC ≥ 0,7), aber abnormale Spirometrie.
Diagnostik und Assessment
Eine Verdachtsdiagnose sollte bei Dyspnoe, chronischem Husten, Auswurf oder rezidivierenden Atemwegsinfektionen gestellt werden.
Zur Bestätigung der Diagnose ist eine Spirometrie zwingend erforderlich. Das Kriterium ist eine nicht vollständig reversible Atemwegsobstruktion mit einem Post-Bronchodilatator FEV1/FVC < 0,7.
Prävention und Basismanagement
Die wichtigste Maßnahme ist die Rauchentwöhnung. E-Zigaretten werden mangels Evidenz zu Wirksamkeit und Sicherheit nicht als Entwöhnungshilfe empfohlen.
Zur Infektionsprävention empfiehlt die Leitlinie folgende Impfungen:
| Impfung | Indikation / Zielgruppe |
|---|---|
| COVID-19 | Alle COPD-Patienten (nach nationalen Vorgaben) |
| Influenza | Alle COPD-Patienten |
| Pneumokokken | Alle COPD-Patienten |
| Tdap (Pertussis, Tetanus, Diphtherie) | Patienten ohne Impfung im Jugendalter |
| Zoster (Gürtelrose) | Routinemäßig für alle COPD-Patienten |
| RSV | Patienten > 60 Jahre und/oder mit chronischer Herz-/Lungenerkrankung |
Pharmakologische und apparative Therapie
Die medikamentöse Therapie zielt auf die Reduktion von Symptomen und Exazerbationen ab. Die Auswahl der Inhalatoren muss individualisiert erfolgen, wobei die Inhalationstechnik regelmäßig überprüft werden muss.
Für Patienten mit schwerer chronischer Hypoxämie in Ruhe verbessert eine Langzeit-Sauerstofftherapie (LTOT) das Überleben. Bei moderater Desaturierung wird sie nicht routinemäßig empfohlen.
| Kriterium für LTOT | PaO2-Grenzwert |
|---|---|
| Schwere chronische Hypoxämie in Ruhe | ≤ 55 mmHg |
| Mit Cor pulmonale oder sekundärer Polyzythämie | < 60 mmHg |
Bei schwerer chronischer Hyperkapnie und einer Historie von Hospitalisierungen wegen akuten Atemversagens kann eine langfristige nicht-invasive Beatmung (NIV) die Mortalität senken.
Management von Exazerbationen
Eine Exazerbation ist definiert als eine Verschlechterung von Dyspnoe und/oder Husten und Auswurf über einen Zeitraum von < 14 Tagen. Differenzialdiagnosen wie Pneumonie, Herzinsuffizienz und Lungenembolie müssen ausgeschlossen werden.
| Maßnahme | Empfehlung / Bemerkung |
|---|---|
| SABA (mit/ohne SAMA) | Initialer Bronchodilatator der Wahl |
| LABA | Erhaltungstherapie so schnell wie möglich beginnen |
| ICS | Erwägen bei häufigen Exazerbationen und erhöhten Blut-Eosinophilen |
| Systemische Kortikosteroide | Bei schweren Exazerbationen; Therapiedauer maximal 5 Tage |
| Antibiotika | Bei Indikation; Therapiedauer 5 Tage |
| Methylxanthine | Nicht empfohlen (aufgrund des Nebenwirkungsprofils) |
| NIV | Erste Wahl bei akuter respiratorischer Insuffizienz (ohne Kontraindikationen) |
Komorbiditäten
COPD tritt häufig mit Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose, Depressionen und Lungenkrebs auf. Diese sollten unabhängig von der COPD nach den üblichen Standards behandelt werden.
Lungenkrebs-Screening:
- Ein jährliches Low-Dose-CT (LDCT) wird für COPD-Patienten mit Raucheranamnese empfohlen.
- Bei Nichtraucher-COPD wird ein jährliches LDCT mangels Evidenz nicht empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Überprüfen Sie regelmäßig die Inhalationstechnik Ihrer Patienten und denken Sie an die Verordnung der RSV- und Zoster-Impfung, die nun explizit in den GOLD-Leitlinien empfohlen werden.