Glaukom & okuläre Hypertension: Diagnostik und Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG81 befasst sich mit der Diagnostik und dem Management des chronischen Offenwinkelglaukoms (COAG), des Verdachts auf COAG sowie der okulären Hypertension (OHT). Ziel ist es, das Risiko eines fortschreitenden Sehverlusts durch eine adäquate Senkung des Augeninnendrucks (IOP) zu minimieren.

Ein zentraler Aspekt der Aktualisierung von 2022 ist die Positionierung der 360°-selektiven Lasertrabekuloplastik (SLT) als Erstlinientherapie. Zudem wurde der Schwellenwert für eine Überweisung und Behandlungsindikation bei OHT auf einen IOP von 24 mmHg oder mehr festgelegt.

Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer kontinuierlichen Risikobewertung. Die Therapieintensität und die Kontrollintervalle richten sich nach der Krankheitsschwere, Gesichtsfeldveränderungen und der Wahrscheinlichkeit eines fortschreitenden Sehverlusts.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie NG81 formuliert folgende Kernempfehlungen:

Diagnostik und Überweisung

Die Leitlinie empfiehlt eine Überweisung zur weiteren Abklärung, wenn bei der Spaltlampenuntersuchung ein Sehnervenschaden vorliegt, ein glaukomtypischer Gesichtsfelddefekt besteht oder der Augeninnendruck (IOP) mittels Goldmann-Applanationstonometrie bei 24 mmHg oder höher liegt.

Vor der Überweisung sollte eine Wiederholung der Messungen erwogen werden, um die Befunde zu bestätigen.

Für die endgültige Diagnose werden laut Leitlinie folgende Tests empfohlen:

  • Zentrale Gesichtsfeldprüfung (Standard-Automatisierte Perimetrie)

  • Beurteilung des Sehnervs und Fundusuntersuchung mit Pupillenerweiterung

  • IOP-Messung mittels Goldmann-Applanationstonometrie

  • Gonioskopie zur Beurteilung des Kammerwinkels

  • Messung der zentralen Hornhautdicke (CCT)

Erstlinientherapie bei OHT und COAG

Bei neu diagnostizierter OHT (IOP von 24 mmHg oder mehr) oder neu diagnostiziertem COAG wird eine 360°-selektive Lasertrabekuloplastik (SLT) als Erstlinientherapie empfohlen. Dies gilt für Personen, bei denen ein Risiko für eine Sehbehinderung zu Lebzeiten besteht.

Ein generisches Prostaglandin-Analogon (PGA) wird als Alternative empfohlen, wenn:

  • Die Person sich gegen eine SLT entscheidet oder diese nicht geeignet ist

  • Eine Überbrückungstherapie bis zur SLT benötigt wird

  • Nach einer SLT eine zusätzliche Drucksenkung erforderlich ist

Laufende medikamentöse Therapie

Wenn die aktuelle Behandlung nicht vertragen wird, empfiehlt die Leitlinie den Wechsel auf ein anderes generisches PGA. Bei erneuter Unverträglichkeit sollte ein Betablocker angeboten werden.

Falls der IOP nicht ausreichend gesenkt wird, um einen Sehverlust zu verhindern, wird die Hinzunahme einer Substanz aus einer anderen therapeutischen Klasse empfohlen. Hierzu zählen Betablocker, Carboanhydrasehemmer oder Sympathomimetika.

Konservierungsmittelfreie Augentropfen werden für Personen mit einer Allergie gegen Konservierungsmittel oder einer klinisch signifikanten Augenoberflächenerkrankung empfohlen.

Fortgeschrittenes Glaukom und chirurgische Optionen

Bei fortgeschrittenem COAG wird eine Glaukomoperation mit pharmakologischer Augmentation (Mitomycin-C) empfohlen. Bis zur Operation sollte eine Überbrückungstherapie mit einem generischen PGA erfolgen.

Für Personen, die eine Operation ablehnen oder für die diese nicht geeignet ist, werden medikamentöse Kombinationstherapien, eine 360°-SLT oder eine Zyklodiode-Laserbehandlung als Alternativen genannt.

Monitoring und Kontrollintervalle

Die Leitlinie gibt spezifische Intervalle für die Wiedervorstellung vor. Diese basieren auf der IOP-Kontrolle und dem Risiko einer Progression.

Für Personen mit behandelter okulärer Hypertension (OHT) gelten folgende Intervalle:

DiagnoseIOP kontrolliertKonversion zu COAGNächstes Assessment
OHTNeinNicht erkannt / unsicher1 bis 4 Monate
OHTJaUnsicher6 bis 12 Monate
OHTJaKeine Konversion erkannt18 bis 24 Monate

Für Personen mit chronischem Offenwinkelglaukom (COAG) gelten folgende Intervalle:

DiagnoseIOP kontrolliertProgressionNächstes Assessment
COAGNeinNicht erkannt1 bis 4 Monate
COAGNeinUnsicher / vorhanden1 bis 2 Monate
COAGJaKeine erkannt (geringes Risiko)12 bis 18 Monate
COAGJaKeine erkannt (hohes Risiko)6 bis 12 Monate
COAGJaUnsicher / vorhanden2 bis 6 Monate

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:

  • Eine 360°-selektive Lasertrabekuloplastik (SLT) wird bei Glaukomen, die mit einem Pigmentdispersionssyndrom assoziiert sind, nicht empfohlen.

  • Bei einer bekannten Allergie gegen Konservierungsmittel oder bei klinisch signifikanten Augenoberflächenerkrankungen wird von konservierungsmittelhaltigen Augentropfen abgeraten.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Praxis-Hinweis der Leitlinie ist die Bevorzugung der 360°-selektiven Lasertrabekuloplastik (SLT) als Erstlinientherapie vor der Verordnung von Augentropfen bei neu diagnostiziertem Offenwinkelglaukom oder okulärer Hypertension. Es wird zudem betont, dass bei der Erstverschreibung von Augentropfen die korrekte Tropftechnik demonstriert und die Anwendung durch die betroffene Person ärztlich beobachtet werden sollte, um Therapiefehler zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt, eine Behandlung bei okulärer Hypertension ab einem Augeninnendruck von 24 mmHg oder mehr anzubieten. Voraussetzung ist, dass ein Risiko für eine Sehbehinderung zu Lebzeiten besteht.

Als Erstlinientherapie wird eine 360°-selektive Lasertrabekuloplastik (SLT) empfohlen. Falls diese nicht gewünscht oder nicht geeignet ist, wird der Einsatz eines generischen Prostaglandin-Analogons angeraten.

Konservierungsmittelfreie Präparate werden laut Leitlinie bei einer nachgewiesenen Allergie gegen Konservierungsmittel empfohlen. Sie sind auch bei klinisch signifikanten und symptomatischen Erkrankungen der Augenoberfläche indiziert.

Die Kontrollintervalle hängen von der Druckeinstellung und dem Progressionsrisiko ab. Bei gut eingestelltem Druck und geringem Risiko wird eine Kontrolle nach 12 bis 18 Monaten empfohlen, bei unzureichender Kontrolle bereits nach 1 bis 4 Monaten.

Ein Absetzen der Therapie kann laut Leitlinie diskutiert werden, wenn ein akzeptabler Augeninnendruck vorliegt und das Risiko für einen Sehverlust zu Lebzeiten gering ist. In diesem Fall wird eine Kontrolluntersuchung nach 1 bis 4 Monaten empfohlen.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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