Ginkgo biloba bei Tinnitus: Wirksamkeit und Evidenz
Hintergrund
Tinnitus ist die Wahrnehmung von Geräuschen ohne externe Quelle und betrifft einen signifikanten Teil der Bevölkerung. Die Behandlung umfasst oft Aufklärung, Verhaltenstherapie, apparative Versorgung und medikamentöse Ansätze zur Linderung von Begleitsymptomen.
Ginkgo biloba wird häufig als Nahrungsergänzungsmittel oder verschreibungspflichtiges Präparat zur Tinnitus-Behandlung eingesetzt. Es wird vermutet, dass die Inhaltsstoffe die Durchblutung fördern und neuroprotektiv wirken.
Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2022 evaluiert die Evidenz aus 12 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 1915 Teilnehmenden. Ziel war es, die Wirksamkeit und Sicherheit von Ginkgo biloba bei Erwachsenen und Kindern mit Tinnitus zu bewerten.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert folgende Kernaussagen zur Behandlung von Tinnitus mit Ginkgo biloba:
Wirksamkeit im Vergleich zu Placebo
Laut Review hat Ginkgo biloba im Vergleich zu Placebo nach drei bis sechs Monaten wahrscheinlich wenig bis keinen Effekt auf die Schwere der Tinnitus-Symptomatik (sehr niedrige Evidenzqualität).
Auch bezüglich der Tinnitus-Lautstärke und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigt sich laut den Daten kein relevanter Unterschied.
| Endpunkt | Effekt von Ginkgo biloba (vs. Placebo) | Evidenzqualität (GRADE) |
|---|---|---|
| Tinnitus-Schweregrad | Wenig bis kein Unterschied | Sehr niedrig |
| Tinnitus-Lautstärke | Wenig bis kein Unterschied | Sehr niedrig |
| Lebensqualität | Wenig bis kein Unterschied | Niedrig |
| Schwere Nebenwirkungen | Wenig bis kein Unterschied | Niedrig |
Kombination mit apparativer Versorgung
Eine Studie untersuchte die Kombination von Ginkgo biloba mit Hörgeräten im Vergleich zur alleinigen Hörgeräteversorgung.
Die Evidenz ist hierbei sehr unsicher, sodass der Review keine aussagekräftigen Schlüsse zulässt (sehr niedrige Evidenzqualität).
Leitlinienkonsens
Der Review verweist darauf, dass aktuelle europäische und amerikanische Tinnitus-Leitlinien von der Anwendung von Ginkgo biloba abraten.
Dies wird mit der fehlenden Wirksamkeit und potenziellen Schadensrisiken durch Medikamenteninteraktionen begründet.
Kontraindikationen
Der Review warnt vor potenziell schweren Nebenwirkungen und Interaktionen:
-
Es besteht ein erhöhtes Risiko für schwere Blutungen, insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von Antikoagulanzien oder bei zugrunde liegenden Gerinnungsstörungen.
-
Es wird empfohlen, Ginkgo biloba bei älteren Erwachsenen zu vermeiden, da diese häufig Antikoagulanzien und Analgetika einnehmen.
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Weitere dokumentierte Interaktionen umfassen Thiaziddiuretika (Blutdruckanstieg) und Trazodon (verstärkte Sedierung).
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Zu den häufigeren, aber milden Nebenwirkungen zählen Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und allergische Hautreaktionen.
💡Praxis-Tipp
Der Review betont, dass Ginkgo biloba bei Tinnitus keine nachweisbare Wirksamkeit besitzt und internationale Leitlinien von der Verordnung abraten. Es wird hervorgehoben, dass insbesondere bei älteren Personen auf potenziell gefährliche Interaktionen mit Antikoagulanzien geachtet werden muss.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es keine Evidenz dafür, dass Ginkgo biloba die Schwere oder Lautstärke eines Tinnitus lindert. Internationale Leitlinien raten aufgrund der fehlenden Wirksamkeit von einer Anwendung ab.
Der Review nennt milde Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und allergische Reaktionen. Selten können schwere unerwünschte Ereignisse wie Blutungen oder Krampfanfälle auftreten.
Es wird vor der gleichzeitigen Einnahme von Ginkgo biloba und Antikoagulanzien gewarnt. Der Review weist darauf hin, dass diese Kombination das Risiko für schwere Blutungen signifikant erhöhen kann.
Der Text führt als etablierte Managementstrategien Aufklärung, kognitive Verhaltenstherapie und Tinnitus-Retraining-Therapie an. Zudem wird die apparative Versorgung mit Hörgeräten oder Rauschgeneratoren erwähnt.
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Quelle: Cochrane Review: Ginkgo biloba for tinnitus (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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