Gestationsdiabetes: oGTT-Kriterien und Klassifikation
Hintergrund
Die Prävalenz von Diabetes und Hyperglykämie bei Frauen im gebärfähigen Alter nimmt weltweit zu. Eine in der Schwangerschaft auftretende Glukosetoleranzstörung ist mit einem erhöhten Risiko für unerwünschte Schwangerschaftsausgänge wie Makrosomie und Präeklampsie assoziiert.
Die vorliegende Leitlinie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aktualisiert die Empfehlungen aus dem Jahr 1999. Sie basiert maßgeblich auf den Ergebnissen der HAPO-Studie, die einen kontinuierlichen Zusammenhang zwischen mütterlicher Glykämie und perinatalen Risiken aufzeigte.
Ein zentraler Aspekt ist die Einführung einer neuen Klassifikation. Es wird nun explizit zwischen einem manifesten Diabetes in der Schwangerschaft und dem Gestationsdiabetes unterschieden, um der unterschiedlichen Prognose und dem Managementbedarf gerecht zu werden.
Empfehlungen
Die WHO-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Einteilung und Diagnose:
Klassifikation
Laut Leitlinie wird empfohlen, eine erstmals während der Schwangerschaft festgestellte Hyperglykämie in eine von zwei Kategorien einzuteilen:
-
Diabetes mellitus in der Schwangerschaft
-
Gestationsdiabetes mellitus (GDM)
Diagnostik des manifesten Diabetes
Die Leitlinie empfiehlt, die Diagnose eines manifesten Diabetes in der Schwangerschaft anhand der regulären WHO-Kriterien für Nicht-Schwangere zu stellen. Die Diagnose gilt als gesichert, wenn eines oder mehrere der folgenden Kriterien erfüllt sind:
| Parameter | Grenzwert (mmol/l) | Grenzwert (mg/dl) | Bedingung |
|---|---|---|---|
| Nüchternplasmaglukose | ≥ 7,0 | ≥ 126 | - |
| 2-Stunden-Plasmaglukose | ≥ 11,1 | ≥ 200 | Nach 75g oraler Glukosebelastung |
| Gelegenheitsglukose | ≥ 11,1 | ≥ 200 | Bei klassischen Diabetessymptomen |
Diagnostik des Gestationsdiabetes (GDM)
Für die Diagnose eines Gestationsdiabetes wird gemäß Leitlinie ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT) mit 75 g Glukose empfohlen. Die Diagnose wird gestellt, wenn einer oder mehrere der folgenden Grenzwerte erreicht werden (schwache Empfehlung):
| Zeitpunkt im 75g-oGTT | Grenzwert (mmol/l) | Grenzwert (mg/dl) |
|---|---|---|
| Nüchtern | 5,1 - 6,9 | 92 - 125 |
| Nach 1 Stunde | ≥ 10,0 | ≥ 180 |
| Nach 2 Stunden | 8,5 - 11,0 | 153 - 199 |
Therapieeffekte
Die Leitlinie hält fest, dass eine Behandlung des Gestationsdiabetes das Risiko für Makrosomie, Schulterdystokie und hypertensive Schwangerschaftserkrankungen signifikant senkt. Die Evidenz für diesen Nutzen wird als moderat bis hoch eingestuft.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie weist darauf hin, dass die Nüchternplasmaglukose bei nicht-adipösen Frauen im ersten Trimenon physiologischerweise abfällt. Eine sehr frühe Testung mit dem strengen Grenzwert von 5,1 mmol/l kann daher laut Leitlinie zu einer Überdiagnostik führen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt einen oralen Glukosetoleranztest (oGTT) mit 75 g Glukose. Die Diagnose wird gestellt, wenn mindestens ein Grenzwert (Nüchtern ≥ 5,1 mmol/l, nach 1 Stunde ≥ 10,0 mmol/l oder nach 2 Stunden ≥ 8,5 mmol/l) erreicht wird.
Laut Leitlinie weisen Frauen mit Werten im Bereich eines manifesten Diabetes ein deutlich höheres Risiko für Komplikationen auf und benötigen oft eine intensivere Therapie. Zudem erfordert diese Gruppe eine spezifische postpartale Nachsorge.
Die Leitlinie hält fest, dass eine Therapie das Risiko für fetale Makrosomie, Schulterdystokie sowie mütterliche Präeklampsie signifikant reduziert. Die Evidenz hierfür wird als moderat bis hoch eingestuft.
Ja, gemäß der WHO-Leitlinie genügt bereits ein einziger pathologischer Wert im 75g-oGTT, um die Diagnose eines Gestationsdiabetes zu stellen. Es müssen nicht mehrere Grenzwerte gleichzeitig überschritten werden.
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Quelle: Diagnostic criteria and classification of hyperglycaemia first detected in pregnancy (WHO, 2013). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
SIGN 171: Management of diabetes in pregnancy
WHO recommendations on care for women with diabetes during pregnancy
USPSTF: Gestational Diabetes: Screening (Grade B)
Diabetes Canada Chapter 36: Diabetes and Pregnancy
StatPearls: Gestational Diabetes
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