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Gestationsdiabetes: Diagnostik, Zielwerte und Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2018 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Diabetes Canada (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Prävalenz von präexistentem Diabetes (Typ 1 und Typ 2) sowie Gestationsdiabetes (GDM) bei Schwangeren nimmt weltweit zu. Unbehandelt oder bei schlechter glykämischer Kontrolle führt dies zu einer erhöhten maternalen und fetalen Morbidität.

Zu den typischen Komplikationen zählen kongenitale Fehlbildungen, Präeklampsie, Makrosomie und perinatale Mortalität. Eine interprofessionelle Betreuung bereits vor der Konzeption kann diese Risiken signifikant minimieren.

Die Leitlinie von Diabetes Canada (2018) liefert evidenzbasierte Strategien für das Management von Diabetes vor, während und nach der Schwangerschaft. Ein besonderer Fokus liegt auf strengen Blutzuckerzielwerten und einer strukturierten Nachsorge.

Empfehlungen

Die Leitlinie von Diabetes Canada formuliert detaillierte Empfehlungen für das Management von präexistentem Diabetes und Gestationsdiabetes (GDM).

Präkonzeptionelle Betreuung

Bei Frauen mit präexistentem Typ-1- oder Typ-2-Diabetes wird eine interprofessionelle Beratung vor der Schwangerschaft empfohlen (Evidenzgrad C). Ziel ist die Optimierung der glykämischen Kontrolle zur Reduktion von kongenitalen Anomalien und Spontanaborten.

Laut Leitlinie sollten folgende Maßnahmen vor einer geplanten Schwangerschaft umgesetzt werden:

  • Anstreben eines HbA1c-Wertes von <= 7,0 % (idealerweise <= 6,5 %), sofern sicher erreichbar (Evidenzgrad C).

  • Tägliche Supplementierung von 1 mg Folsäure ab 3 Monaten vor der Konzeption bis mindestens zur 12. Schwangerschaftswoche (Evidenzgrad D).

  • Absetzen potenziell embryotoxischer Medikamente wie ACE-Hemmer, ARBs und Statine.

  • Umstellung von oralen Antidiabetika auf Insulin, mit Ausnahme von Metformin oder Glibenclamid bei adäquater Einstellung (Evidenzgrad C).

Screening und Diagnostik von Gestationsdiabetes

Es wird empfohlen, alle Schwangeren ohne bekannten Diabetes zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche auf GDM zu screenen (Evidenzgrad C). Bei hohem Risiko für Typ-2-Diabetes sollte bereits beim ersten pränatalen Besuch ein HbA1c-Test erfolgen.

Die Leitlinie bevorzugt ein zweistufiges Screening-Verfahren:

  • Zunächst erfolgt ein 50-g-Glukose-Challenge-Test (GCT) im nicht-nüchternen Zustand.

  • Bei einem 1-Stunden-Wert >= 7,8 mmol/L wird ein 75-g-oraler Glukosetoleranztest (OGTT) angeschlossen.

  • Ein Wert >= 11,1 mmol/L im GCT ist direkt diagnostisch für einen GDM.

  • Alternativ kann ein einstufiger 75-g-OGTT durchgeführt werden (Evidenzgrad B).

Therapie und Monitoring in der Schwangerschaft

Für alle Diabetestypen in der Schwangerschaft wird eine strenge Blutzuckerkontrolle empfohlen. Bei präexistentem Diabetes wird ein HbA1c von <= 6,5 % (idealerweise <= 6,1 %) im Verlauf der Schwangerschaft angestrebt (Evidenzgrad D).

Zur Erreichung der Ziele formuliert die Leitlinie folgende Therapieempfehlungen:

  • Bei GDM ist eine Ernährungstherapie mit niedrigem glykämischen Index und körperliche Aktivität die Erstlinientherapie.

  • Werden die Zielwerte nach 1 bis 2 Wochen nicht erreicht, wird eine pharmakologische Therapie, primär mit Insulin, empfohlen (Evidenzgrad A).

  • Metformin kann als Alternative zu Insulin eingesetzt werden, erfordert jedoch bei etwa 40 % der Frauen eine zusätzliche Insulingabe (Evidenzgrad A).

  • Bei präexistentem Diabetes wird eine intensivierte Insulintherapie (Basal-Bolus oder Insulinpumpe) empfohlen.

  • Zur Präeklampsie-Prophylaxe wird bei präexistentem Diabetes die Gabe von 81 mg ASS täglich ab der 12. bis 16. Woche empfohlen (Evidenzgrad D).

Für das Monitoring wird eine regelmäßige Blutzuckerselbstmessung (nüchtern und postprandial) empfohlen. Bei Typ-1-Diabetes sollte laut Leitlinie der Einsatz von kontinuierlichem Glukosemonitoring (CGM) angeboten werden, um neonatale Komplikationen zu reduzieren (Evidenzgrad B).

Peripartales und postpartales Management

Während der Geburt wird empfohlen, den mütterlichen Blutzucker zwischen 4,0 und 7,0 mmol/L zu halten, um neonatale Hypoglykämien zu vermeiden (Evidenzgrad D).

Für die postpartale Phase gelten folgende Kernempfehlungen:

  • Unmittelbar nach der Entbindung muss die Insulindosis drastisch reduziert werden.

  • Frühes und mindestens viermonatiges Stillen wird empfohlen, um kindliches Übergewicht und mütterlichen Typ-2-Diabetes zu verhindern (Evidenzgrad C).

  • Frauen mit GDM sollten zwischen 6 Wochen und 6 Monaten postpartal mit einem 75-g-OGTT auf persistierenden Diabetes gescreent werden (Evidenzgrad D).

Dosierung

Die Leitlinie definiert spezifische Blutzucker-Zielwerte, diagnostische Schwellenwerte und Anpassungsschemata für Insulin.

Blutzucker-Zielwerte in der Schwangerschaft

Diese Zielwerte gelten laut Leitlinie für Frauen mit präexistentem Diabetes sowie für Gestationsdiabetes.

MesszeitpunktZielwert (mmol/L)Evidenzgrad
Nüchtern und präprandial< 5,3Grad B / D
1 Stunde postprandial< 7,8Grad D
2 Stunden postprandial< 6,7Grad B / D

Diagnostische Kriterien für Gestationsdiabetes (24.-28. SSW)

Die Leitlinie beschreibt einen bevorzugten (zweistufigen) und einen alternativen (einstufigen) Ansatz. Ein GDM liegt vor, wenn mindestens ein Wert erreicht oder überschritten wird.

AnsatzTestmethodeNüchtern1 Stunde2 Stunden
Bevorzugt (Schritt 1)50-g-GCT->= 7,8 mmol/L (Screening positiv)-
Bevorzugt (Schritt 2)75-g-OGTT>= 5,3 mmol/L>= 10,6 mmol/L>= 9,0 mmol/L
Alternativ (1-stufig)75-g-OGTT>= 5,1 mmol/L>= 10,0 mmol/L>= 8,5 mmol/L

Insulinanpassung bei Betamethason-Gabe zur Lungenreife

Bei Frauen mit Typ-1- oder insulinbehandeltem Typ-2-Diabetes, die pränatale Kortikosteroide erhalten, wird folgendes Protokoll zur Vermeidung von Hyperglykämien und Ketoazidosen empfohlen:

Tag nach erster Betamethason-DosisEmpfohlene Insulinanpassung
Tag 1Erhöhung der nächtlichen Insulindosis um 25 %
Tag 2 und 3Erhöhung aller Insulindosen um 40 %
Tag 4Erhöhung aller Insulindosen um 20 %
Tag 5Erhöhung aller Insulindosen um 10 % bis 20 %
Tag 6 und 7Schrittweise Reduktion auf die Dosis vor Betamethason

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt spezifische Kontraindikationen und Warnhinweise für die medikamentöse Therapie im Rahmen einer Schwangerschaft.

  • ACE-Hemmer und ARBs: Diese Medikamente sind in der Schwangerschaft kontraindiziert. Bei Frauen mit chronischer Nierenerkrankung oder Hypertonie wird ein Absetzen vor der Konzeption oder unmittelbar bei Feststellung der Schwangerschaft empfohlen.

  • Statine: Der Einsatz von Statinen wird in der Schwangerschaft nicht empfohlen und diese sollten vor der Konzeption abgesetzt werden.

  • Orale Antidiabetika: Mit Ausnahme von Metformin und Glibenclamid (unter bestimmten Bedingungen) gibt es keine Sicherheitsdaten für andere Antidiabetika (wie DPP-4-Inhibitoren, GLP-1-Rezeptor-Agonisten, SGLT2-Inhibitoren). Deren Einsatz wird in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut Leitlinie sinkt der Insulinbedarf unmittelbar nach der Geburt der Plazenta drastisch ab. Es wird empfohlen, die intravenöse Insulininfusion oder die Basalrate der Insulinpumpe sofort um mindestens 50 % zu reduzieren. Eine engmaschige Blutzuckerkontrolle in den ersten Tagen postpartal ist essenziell, um schwere mütterliche Hypoglykämien zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt ein Screening aller Schwangeren zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche. Bevorzugt wird ein zweistufiges Verfahren mit einem 50-g-Glukose-Suchtest, gefolgt von einem 75-g-OGTT bei auffälligem Ergebnis.

Es wird ein Nüchternblutzucker von unter 5,3 mmol/L empfohlen. Postprandial liegen die Zielwerte laut Leitlinie bei unter 7,8 mmol/L nach einer Stunde und unter 6,7 mmol/L nach zwei Stunden.

Insulin ist die empfohlene Erstlinientherapie bei medikamentösem Behandlungsbedarf. Metformin kann als Alternative erwogen werden, erfordert jedoch häufig eine zusätzliche Insulingabe, während andere neuere Antidiabetika kontraindiziert sind.

Die Leitlinie empfiehlt, Frauen mit GDM zwischen 6 Wochen und 6 Monaten nach der Entbindung erneut zu testen. Hierfür sollte ein 75-g-OGTT verwendet werden, um einen persistierenden Diabetes oder Prädiabetes auszuschließen.

Es wird empfohlen, potenziell embryotoxische Medikamente wie ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARBs) und Statine bereits vor der Konzeption abzusetzen.

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Quelle: Diabetes Canada Chapter 36: Diabetes and Pregnancy (Diabetes Canada, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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