NICE

Gastroenteritis bei Kindern: Diagnostik und Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die infektiöse Gastroenteritis bei Kleinkindern ist durch plötzlich auftretende Diarrhö, mit oder ohne Erbrechen, gekennzeichnet. In den meisten Fällen wird die Erkrankung durch enterale Viren verursacht, seltener durch Bakterien oder Protozoen.

Die Symptome klingen meist innerhalb weniger Tage ohne spezifische Behandlung ab. Eine schwere Diarrhö kann jedoch schnell zu einer lebensbedrohlichen Dehydratation führen.

Etwa 10 Prozent der Kinder unter fünf Jahren werden jährlich wegen einer Gastroenteritis medizinisch vorstellig. Die NICE-Leitlinie CG84 bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnostik, Beurteilung der Dehydratation und zum Flüssigkeitsmanagement.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Versorgung von Kindern unter fünf Jahren:

Diagnostik und Differenzialdiagnostik

Eine Gastroenteritis wird laut Leitlinie bei einer plötzlichen Veränderung der Stuhlkonsistenz zu weich oder wässrig und/oder bei plötzlichem Erbrechen vermutet. Es wird empfohlen, nach Kontaktpersonen, möglichen Infektionsquellen und kürzlichen Auslandsreisen zu fragen.

Die Leitlinie weist darauf hin, dass Diarrhö typischerweise 5 bis 7 Tage (maximal 2 Wochen) und Erbrechen 1 bis 2 Tage (maximal 3 Tage) andauert.

Auf folgende Warnzeichen für andere Diagnosen ist zu achten:

  • Fieber (≥ 38 °C bei Säuglingen unter 3 Monaten, ≥ 39 °C ab 3 Monaten)

  • Kurzatmigkeit oder Tachypnoe

  • Bewusstseinsveränderungen oder Nackensteifigkeit

  • Vorgewölbte Fontanelle bei Säuglingen

  • Nicht wegdrückbarer Hautausschlag

  • Blut oder Schleim im Stuhl

  • Galliges (grünes) Erbrechen

  • Schwere oder lokalisierte Bauchschmerzen

Mikrobiologische Diagnostik

Eine mikrobiologische Stuhluntersuchung wird zwingend empfohlen bei Verdacht auf eine Sepsis, bei Blut oder Schleim im Stuhl sowie bei immunsupprimierten Kindern. Bei kürzlichen Auslandsreisen, fehlender Besserung nach 7 Tagen oder diagnostischer Unsicherheit sollte sie erwogen werden.

Beurteilung der Dehydratation

Die Leitlinie klassifiziert den Flüssigkeitsmangel anhand klinischer Symptome. Kinder unter einem Jahr, Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht oder Kinder mit mehr als fünf Durchfällen beziehungsweise mehr als zwei Episoden von Erbrechen in 24 Stunden haben ein erhöhtes Risiko.

Klinisches ZeichenKeine klinische DehydratationKlinische DehydratationKlinischer Schock
ErscheinungsbildWach und ansprechbarVeränderte Ansprechbarkeit (Red Flag)Vermindertes Bewusstsein
HautfarbeUnverändertUnverändertBlass oder marmoriert
ExtremitätenWarmWarmKalt
AugenNicht eingefallenEingefallen (Red Flag)-
SchleimhäuteFeuchtTrocken-
HerzfrequenzNormalTachykardie (Red Flag)Tachykardie
AtmungNormalTachypnoe (Red Flag)Tachypnoe
HautturgorNormalVermindert (Red Flag)-
KapillarfüllungszeitNormalNormalVerlängert

Flüssigkeitsmanagement und Ernährung

Bei Kindern ohne klinische Dehydratation wird empfohlen, das Stillen oder andere Milchnahrungen fortzusetzen und die Flüssigkeitsaufnahme zu fördern. Fruchtsäfte und kohlensäurehaltige Getränke sollen vermieden werden.

Bei klinischer Dehydratation empfiehlt die Leitlinie eine orale Rehydratationslösung (ORS) mit niedriger Osmolarität (240–250 mOsm/l). Es werden 50 ml/kg Körpergewicht zum Ausgleich des Flüssigkeitsdefizits über 4 Stunden plus Erhaltungsbedarf in kleinen, häufigen Mengen verabreicht.

Eine intravenöse Flüssigkeitstherapie ist indiziert bei Verdacht auf Schock, bei klinischer Verschlechterung trotz oraler Rehydratation oder bei anhaltendem Erbrechen der ORS-Lösung. Bei Schock wird ein rascher intravenöser Bolus von 10 ml/kg 0,9%iger Kochsalzlösung empfohlen (Update 2022).

Medikamentöse Therapie

Die Leitlinie rät vom routinemäßigen Einsatz von Antibiotika bei Gastroenteritis ab. Eine antibiotische Therapie ist spezifischen Indikationen vorbehalten, wie etwa einer Sepsis, extraintestinaler Ausbreitung oder bestimmten Erregern bei Risikogruppen.

Kontraindikationen

Die Leitlinie spricht sich explizit gegen die Verwendung von Antidiarrhoika bei Kindern unter fünf Jahren aus.

Zudem wird davor gewarnt, Fruchtsäfte und kohlensäurehaltige Getränke zu verabreichen, bis die Diarrhö vollständig abgeklungen ist.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler ist der sofortige Griff zur intravenösen Rehydratation. Die Leitlinie betont, dass die orale Rehydratationstherapie (ORS) auch bei klinischer Dehydratation die Methode der Wahl ist und bei Verweigerung zunächst eine nasogastrale Sonde erwogen werden sollte. Zudem ist bei der intravenösen Schocktherapie das Leitlinien-Update von 2022 zu beachten, welches den initialen Flüssigkeitsbolus auf 10 ml/kg Körpergewicht reduziert.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie dauert die Diarrhö meist 5 bis 7 Tage und stoppt bei den meisten Kindern innerhalb von 2 Wochen. Das Erbrechen hält typischerweise 1 bis 2 Tage an und endet meist innerhalb von 3 Tagen.

Es wird empfohlen, dass Kinder frühestens 48 Stunden nach der letzten Episode von Durchfall oder Erbrechen wieder eine Schule oder Betreuungseinrichtung besuchen. Auf Schwimmbadbesuche sollte für 2 Wochen nach dem letzten Durchfall verzichtet werden.

Die Leitlinie empfiehlt, nach erfolgreicher Rehydratation sofort wieder die gewohnte Vollmilch und die übliche feste Nahrung einzuführen. Eine spezielle Schonkost wird nicht empfohlen, lediglich Fruchtsäfte und Limonaden sollen gemieden werden.

Eine mikrobiologische Untersuchung wird zwingend bei Verdacht auf Sepsis, bei Blut oder Schleim im Stuhl sowie bei immunsupprimierten Kindern empfohlen. Bei kürzlichen Auslandsreisen oder fehlender Besserung nach 7 Tagen sollte sie erwogen werden.

Es wird eine orale Rehydratationslösung (ORS) mit niedriger Osmolarität (240–250 mOsm/l) empfohlen. Bei Kindern ohne klinische Dehydratation können auch die üblichen Milchnahrungen und Wasser verwendet werden.

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Quelle: CG84: Diarrhoea and vomiting caused by gastroenteritis in under 5s: diagnosis and management (NICE). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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