Fibula-Flap: Indikation, OP-Technik und Monitoring
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie beschreibt den Einsatz des freien Fibulatransplantats (Fibula Free Flap) in der rekonstruktiven Chirurgie. Dieses Verfahren wird zur Rekonstruktion von Knochen- und Weichteildefekten eingesetzt.
Der Eingriff umfasst die Entnahme eines Fibulasegments zusammen mit den zugehörigen Blutgefäßen und Weichteilen. Die Länge, Form und doppelte Blutversorgung der Fibula machen sie zu einer idealen Wahl für komplexe Rekonstruktionen.
Ein wesentlicher Vorteil des vaskularisierten Knochentransplantats ist die sofortige mechanische Stabilität. Zudem bietet es das Potenzial für eine knöcherne Integration, beispielsweise bei Zahnimplantaten.
Empfehlungen
Präoperative Diagnostik und Planung
Vor der Operation wird eine umfassende Beurteilung der Gefäßsituation empfohlen. Es wird betont, dass ausreichende und unabhängige Pulse an der Arteria dorsalis pedis und der Arteria tibialis posterior bestätigt werden müssen.
Bei Unklarheiten wird eine weitere Abklärung mittels Doppler-Sonografie, CT-Angiografie oder MR-Angiografie empfohlen. Zudem wird eine virtuelle chirurgische 3D-Planung zur präzisen Vorbereitung von Osteotomien und Implantatplatzierungen als hilfreich beschrieben.
Chirurgische Technik
Die Leitlinie beschreibt die Entnahme der Fibula typischerweise über einen lateralen Zugang. Dabei wird empfohlen, die distalen 5 cm der Fibula zur Erhaltung der Sprunggelenksstabilität und die proximalen 5 cm zum Schutz des Nervus peroneus communis zu belassen.
Der Erhalt der Arteria peronea und ihrer Begleitvenen wird als essenziell für die Durchblutung des Transplantats hervorgehoben.
Postoperatives Monitoring
Ein engmaschiges Monitoring des Transplantats wird besonders in den ersten 72 Stunden nach der Operation empfohlen. In dieser Phase findet die Reepithelialisierung der anastomosierten Gefäße statt.
Die Leitlinie nennt folgende Warnsignale für ein Transplantatversagen:
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Farbveränderungen (blass oder bläulich)
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Verminderte Gewebetemperatur
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Fehlende oder extrem schnelle Kapillarfüllung
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Verlust des arteriellen Doppler-Signals
Bei Anzeichen einer vaskulären Kompromittierung wird eine sofortige chirurgische Revision empfohlen. Die Erfolgsraten einer Rettung liegen laut Leitlinie bei über 50 Prozent, wenn die Intervention innerhalb von drei Stunden erfolgt.
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt spezifische Kontraindikationen für die Entnahme eines Fibulatransplantats:
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Periphere arterielle Verschlusskrankheit der unteren Extremitäten
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Hypoplastische Arteria tibialis anterior
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Venöse Insuffizienz oder tiefe Venenthrombose
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Zustand nach Amputation der kontralateralen unteren Extremität
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Kardiopulmonale Begleiterkrankungen, die eine lange Vollnarkose ausschließen
Zudem wird von einer Entnahme abgeraten, wenn die Arteria peronea die einzige Blutversorgung des Fußes darstellt (Peronea magna).
💡Praxis-Tipp
Der Verlust des Doppler-Signals ist laut Leitlinie oft das letzte Anzeichen für ein Transplantatversagen, da venöse Stauungen für 80 bis 90 Prozent der Ausfälle verantwortlich sind. Es wird empfohlen, bereits bei frühen klinischen Anzeichen wie Farbveränderungen oder Gewebeödemen an eine vaskuläre Kompromittierung zu denken und eine rasche Revision anzustreben.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie nennt als Indikationen unter anderem traumatische Knochendefekte über 6 cm Länge, Defekte nach Tumorresektionen und chronische Osteomyelitis. Auch bei der Unterkieferrekonstruktion wird das Verfahren häufig eingesetzt.
Die primäre Blutversorgung des Transplantats erfolgt über die Arteria peronea und ihre paarigen Venae comitantes. Diese Gefäße werden bei der Entnahme als Gefäßstiel präpariert.
Es wird empfohlen, die distalen 5 cm der Fibula zur Stabilisierung des Sprunggelenks zu erhalten. Ebenso sollen die proximalen 5 cm belassen werden, um den Nervus peroneus communis zu schützen.
Als häufigste postoperative Komplikationen nennt die Leitlinie Transplantatfrakturen und Wundinfektionen. Zudem kann es zu Gangstörungen, Beinlängendifferenzen oder Verletzungen des Nervus peroneus kommen.
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Quelle: StatPearls: Fibula Free Flaps (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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