Ejaculatio praecox: SSRI-Therapie und Wirksamkeit
Hintergrund
Die Ejaculatio praecox (vorzeitiger Samenerguss) ist eine häufige sexuelle Funktionsstörung bei Männern. Sie ist definiert durch eine Ejakulation, die früher auftritt als gewünscht, was häufig zu Unzufriedenheit, Leidensdruck und Beziehungsproblemen führt.
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) werden primär zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Da eine Verzögerung der Ejakulation eine bekannte Nebenwirkung dieser Medikamentenklasse ist, werden sie auch zur Therapie der Ejaculatio praecox verwendet.
Dieser Artikel basiert auf einem Cochrane Review, der die Wirksamkeit und Sicherheit von SSRI im Vergleich zu Placebo bei erwachsenen Männern mit vorzeitigem Samenerguss untersucht.
Empfehlungen
Die Meta-Analyse formuliert folgende Kernaussagen zur Wirksamkeit von SSRI bei Ejaculatio praecox:
Klinische Wirksamkeit
Laut dem Review verbessert eine SSRI-Therapie im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich mehrere patientenrelevante Endpunkte:
-
Die persönlich wahrgenommene Symptomatik wird verbessert (moderate Evidenz).
-
Die Zufriedenheit mit dem Geschlechtsverkehr steigt (moderate Evidenz).
-
Die wahrgenommene Kontrolle über die Ejakulation nimmt zu (moderate Evidenz).
-
Der subjektive Leidensdruck der Patienten wird wahrscheinlich verringert.
Zudem wird berichtet, dass die Behandlung mit SSRI die intravaginale Ejakulationslatenzzeit (IELT) möglicherweise verlängert (niedrige Evidenz).
Sicherheit und Nebenwirkungen
Der Review weist auf erhöhte Risiken unter der Therapie hin:
-
Es kommt unter SSRI wahrscheinlich vermehrt zu unerwünschten Ereignissen im Vergleich zu Placebo.
-
Die Rate der Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen ist unter SSRI möglicherweise erhöht.
Die Autoren betonen, dass die potenziellen Vorteile der Therapie gegen das erhöhte Risiko für unerwünschte Ereignisse abgewogen werden müssen.
Dosierung
Der Review schließt Studien ein, die verschiedene SSRI sowohl als Dauertherapie (täglich) als auch als Bedarfsmedikation (on-demand) untersuchten. Folgende Dosierungen wurden in den eingeschlossenen Studien verwendet:
| Wirkstoff | Dosierungsschema | Indikation / Anwendung |
|---|---|---|
| Dapoxetin | 30 - 60 mg | Bedarfsmedikation (on-demand) oder täglich |
| Paroxetin | 10 - 40 mg | Täglich oder als Bedarfsmedikation |
| Fluoxetin | 20 - 90 mg | Täglich |
| Sertralin | 50 - 200 mg | Täglich |
| Citalopram | 20 - 60 mg | Täglich oder als Bedarfsmedikation |
| Escitalopram | 10 mg | Täglich |
| Fluvoxamin | 100 mg | Täglich |
| Duloxetin | 20 - 40 mg | Täglich |
Hinweis: Die meisten SSRI (mit Ausnahme von Dapoxetin in einigen Ländern) werden für diese Indikation im Off-Label-Use eingesetzt.
Kontraindikationen
Der Review nennt folgende Warnhinweise im Zusammenhang mit der SSRI-Einnahme:
-
Absetzsyndrom: Ein abruptes Absetzen einer Langzeittherapie kann zu einem SSRI-Absetzsyndrom führen (Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Angstzustände). Es wird ein schrittweises Ausschleichen über mehrere Wochen empfohlen.
-
Serotonin-Syndrom: Durch Arzneimittelwechselwirkungen kann ein potenziell lebensbedrohliches Serotonin-Syndrom entstehen.
-
Suizidalität: Bei depressiven Patienten unter SSRI-Therapie wurde ein leicht erhöhtes Risiko für Suizidgedanken beschrieben. Besondere Vorsicht ist bei jüngeren Männern mit begleitender Depression geboten.
💡Praxis-Tipp
Laut dem Review sollten Patienten darüber aufgeklärt werden, dass die Evidenz für die Wirksamkeit von SSRI bei Ejaculatio praecox teilweise von niedriger Qualität ist. Es wird betont, dass die tatsächlichen Effekte im klinischen Alltag von den Studienergebnissen abweichen können und eine sorgfältige Abwägung zwischen dem Nutzen und den zu erwartenden sexuellen und systemischen Nebenwirkungen erfolgen muss.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review wurden in Studien unter anderem Dapoxetin, Paroxetin, Fluoxetin, Sertralin und Citalopram untersucht. Dapoxetin ist in vielen Ländern speziell für diese Indikation zugelassen, während andere SSRI off-label verwendet werden.
Der Review beschreibt, dass SSRI die Serotonin-Transporter blockieren, was zu einer erhöhten Serotoninkonzentration im synaptischen Spalt führt. Dies bewirkt eine Verzögerung des Ejakulationsreflexes.
Der Review schließt Studien ein, die sowohl eine tägliche Einnahme (z.B. bei Paroxetin oder Fluoxetin) als auch eine Bedarfsmedikation (on-demand, typischerweise bei Dapoxetin) untersuchten.
Es wird berichtet, dass SSRI häufig zu Müdigkeit, Übelkeit, Schlaflosigkeit und Gewichtszunahme führen. Zudem können sexuelle Nebenwirkungen wie eine verminderte Libido oder eine erektile Dysfunktion auftreten.
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Quelle: Cochrane Review: Selective serotonin re-uptake inhibitors for premature ejaculation in adult men (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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