HCV-Resistenzen gegen DAAs: Prävalenzstudie (EASL)
📋Auf einen Blick
- •Die Entstehung und Übertragung von Resistenz-assoziierten Substitutionen (RASs) kann die Wirksamkeit von DAA-Therapien bei chronischer Hepatitis C beeinträchtigen.
- •Eine Analyse von GenBank HCV-Sequenzen zeigte eine hohe Prävalenz von RASs in NS3 (50,4%), NS5A (60,2%) und NS5B (25,3%).
- •Es wurde ein signifikanter Anstieg klinisch relevanter RASs (cr-RASs) über die Zeit für mehrere DAA-Regime und HCV-Genotypen beobachtet.
- •Für Subtyp 1a stiegen cr-RASs gegen Ledipasvir/Sofosbuvir und Elbasvir/Grazoprevir signifikant an.
- •Bei Genotyp 3 nahmen cr-RASs gegen Sofosbuvir/Velpatasvir und Glecaprevir/Pibrentasvir ebenfalls deutlich zu.
- •Die Studie betont die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Überwachung und Anpassung der klinischen Leitlinien und Behandlungsregime.
Hintergrund
Direkt wirkende antivirale Medikamente (DAAs) haben die Therapie der chronischen Hepatitis C revolutioniert. Jedoch kann die Entstehung und Übertragung von Hepatitis-C-Virus (HCV)-Varianten mit Resistenz-assoziierten Substitutionen (RASs) die Wirksamkeit der HCV-Behandlung untergraben.
Ziel der Studie
Diese Studie zielte darauf ab, die Prävalenz und die zeitlichen Trends von RASs im HCV zu bewerten, mit besonderem Fokus auf klinisch relevante RASs (cr-RASs).
Methodik
Für die Analyse wurden nahezu vollständige HCV GenBank-Sequenzen aus der Los Alamos HCV-Datenbank herangezogen. Der Studienzeitraum wurde in zwei Phasen unterteilt: vor 2011 und ab 2011. Die Identifizierung von RASs in den drei DAA-Klassen (NS3-, NS5A- und NS5B-Inhibitoren) basierte auf den EASL-Leitlinien von 2020. Die AASLD-IDSA-Empfehlungen wurden verwendet, um cr-RASs für drei HCV-Genotypen/Subtypen (1a, 1b und 3) und vier DAA-Regime zu identifizieren:
- Ledipasvir/Sofosbuvir
- Elbasvir/Grazoprevir
- Sofosbuvir/Velpatasvir
- Glecaprevir/Pibrentasvir
Der endgültige HCV-Datensatz umfasste 3443 Sequenzen.
Ergebnisse zur RAS-Prävalenz
Die Prävalenz von RASs betrug:
- 50,4% in NS3
- 60,2% in NS5A
- 25,3% in NS5B
Spezifische Resistenzen gegen DAA-Regime wurden ebenfalls festgestellt:
- Bei Subtyp 1a betrug die Resistenz gegen Ledipasvir/Sofosbuvir 32,8% und gegen Elbasvir/Grazoprevir 33,0%.
- Für Genotyp 3 lag die Resistenz gegen Sofosbuvir/Velpatasvir bei 4,2% und gegen Glecaprevir/Pibrentasvir bei 24,9%.
Zeitliche Entwicklung klinisch relevanter RASs (cr-RASs)
Es wurde ein signifikanter Anstieg der cr-RASs über die beiden Studienphasen hinweg beobachtet:
| DAA-Regime | Genotyp/Subtyp | Phase 1 (vor 2011) | Phase 2 (ab 2011) | p-Wert |
|---|---|---|---|---|
| Ledipasvir/Sofosbuvir | 1a | 30,2% | 35,8% | 0,019 |
| Elbasvir/Grazoprevir | 1a | 30,4% | 36,1% | 0,018 |
| Ledipasvir/Sofosbuvir | 1b | 0% | 6,5% | < 0,001 |
| Elbasvir/Grazoprevir | 1b | 0% | 6,5% | < 0,001 |
| Sofosbuvir/Velpatasvir | 3 | 0,9% | 5,2% | 0,006 |
| Glecaprevir/Pibrentasvir | 3 | 12,0% | 29,1% | < 0,001 |
Fazit und Empfehlungen
Der steigende Anteil von HCV-RASs und cr-RASs war deutlich erkennbar. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Überwachung und Anpassung neuartiger Therapeutika, um HCV-Resistenzen effektiv zu managen. Eine Aktualisierung der klinischen Leitlinien und Behandlungsregime wird empfohlen, um der sich entwickelnden HCV-Resistenz gegenüber DAAs entgegenzuwirken.
💡Praxis-Tipp
Beachten Sie die zunehmende Prävalenz von Resistenz-assoziierten Substitutionen (RASs) bei der Auswahl und Bewertung von DAA-Therapien für Hepatitis C, insbesondere bei den Genotypen 1a und 3.