Dupilumab bei schwerem Asthma: Indikation und Dosierung
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A19-74 bewertet den Zusatznutzen von Dupilumab als Add-on-Erhaltungstherapie bei schwerem Asthma. Die Bewertung fokussiert sich auf Patientengruppen mit einer Typ-2-Entzündung, die trotz hoch dosierter inhalativer Kortikosteroide (ICS) und eines weiteren Arzneimittels unzureichend kontrolliert sind.
Eine Typ-2-Entzündung ist laut Bericht durch erhöhte eosinophile Granulozyten und/oder erhöhte fraktionierte exhalierte Stickstoffmonoxid-Werte (FeNO) charakterisiert. Die Nutzenbewertung wird getrennt für Jugendliche von 12 bis 17 Jahren und für Erwachsene durchgeführt.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde eine patientenindividuelle Therapieeskalation festgelegt. Diese umfasst unter anderem die zusätzliche Gabe eines lang wirksamen Muskarinrezeptor-Antagonisten (LAMA) oder spezifischer Antikörper wie Omalizumab.
Empfehlungen
Die Bewertung des IQWiG kommt zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen von Dupilumab für die untersuchten Indikationen nicht belegt ist.
Bewertung der Studienlage
Der pharmazeutische Unternehmer legte die randomisierten kontrollierten Studien DRI12544, QUEST und VENTURE vor. Laut Bericht sind die Daten aus diesen Studien jedoch nicht geeignet, um einen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie abzuleiten.
Als Hauptgrund wird angeführt, dass die zweckmäßige Vergleichstherapie in den Kontrollarmen nicht umgesetzt wurde. Es werden folgende methodische Mängel beschrieben:
-
Die eingeschlossenen Personen wiesen eine unzureichende Asthmakontrolle auf, was leitliniengerecht eine Therapieeskalation erfordert hätte.
-
In den Kontrollarmen fand jedoch keine Therapieeskalation statt, sondern die unzureichende Vortherapie wurde lediglich fortgeführt.
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Therapieoptionen wie LAMA oder andere Biologika standen im Kontrollarm nicht zur Verfügung oder waren explizit ausgeschlossen.
Fazit zum Zusatznutzen
Aufgrund der fehlenden Umsetzung der Vergleichstherapie ist ein Zusatznutzen für folgende Gruppen nicht belegt:
-
Jugendliche (12 bis 17 Jahre) mit unzureichend kontrolliertem schweren Asthma mit Typ-2-Entzündung.
-
Erwachsene mit unzureichend kontrolliertem schweren Asthma mit Typ-2-Entzündung.
Dosierung
Gemäß den im Bericht zitierten Fachinformationen wird für Dupilumab folgendes Dosierungsschema bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren empfohlen:
| Indikation / Patientengruppe | Anfangsdosis | Erhaltungsdosis | Applikationsweg |
|---|---|---|---|
| Schweres Asthma (Standard) | 400 mg (2 Injektionen à 200 mg) | 200 mg alle 2 Wochen | Subkutan |
| Schweres Asthma mit OCS-Therapie oder komorbider schwerer atopischer Dermatitis | 600 mg (2 Injektionen à 300 mg) | 300 mg alle 2 Wochen | Subkutan |
Es wird darauf hingewiesen, dass die Notwendigkeit einer Fortsetzung der Therapie mindestens einmal jährlich ärztlich beurteilt werden sollte.
Kontraindikationen
Der Bericht zitiert folgende Warnhinweise und Kontraindikationen aus der Fachinformation:
-
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile.
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Dupilumab darf nicht zur Behandlung von akuten Asthmasymptomen, akuten Exazerbationen, akutem Bronchospasmus oder Status asthmaticus angewendet werden.
-
Systemische, topische oder inhalative Kortikosteroide dürfen nach Einleitung der Therapie nicht abrupt abgesetzt werden.
-
Eine Reduktion der Kortikosteroiddosis sollte nur schrittweise und unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
💡Praxis-Tipp
Es wird im Bericht ausdrücklich davor gewarnt, bestehende Kortikosteroid-Therapien bei Beginn einer Behandlung mit Dupilumab abrupt abzusetzen. Eine Dosisreduktion von oralen Kortikosteroiden sollte laut Fachinformation erst nach Eintritt einer klinischen Verbesserung und stets schrittweise erfolgen, um systemische Entzugssymptome oder die Demaskierung zuvor unterdrückter Krankheiten zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist eine Typ-2-Inflammation durch eine erhöhte Anzahl von Eosinophilen im Blut (≥ 150 Zellen/μl) und/oder erhöhte FeNO-Werte (≥ 20 ppb) gekennzeichnet. Zudem kann ein klinisch allergisch bedingtes Asthma oder der Bedarf einer OCS-Erhaltungstherapie auf diesen Phänotyp hinweisen.
Der Zusatznutzen gilt als nicht belegt, da in den vorgelegten Zulassungsstudien die zweckmäßige Vergleichstherapie nicht umgesetzt wurde. Den Personen im Kontrollarm wurde trotz unzureichender Asthmakontrolle eine notwendige Therapieeskalation vorenthalten.
Die zitierten Fachinformationen weisen darauf hin, dass Dupilumab nicht zur Behandlung von akuten Asthmasymptomen, Exazerbationen oder einem Status asthmaticus angewendet werden darf. Es handelt sich um eine reine Erhaltungstherapie.
Die Standarddosierung beginnt mit einer Initialdosis von 400 mg, gefolgt von 200 mg alle zwei Wochen subkutan. Bei Personen, die auf orale Kortikosteroide eingestellt sind oder eine schwere atopische Dermatitis aufweisen, wird eine Initialdosis von 600 mg und eine Erhaltungsdosis von 300 mg alle zwei Wochen empfohlen.
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Quelle: IQWiG A19-74: Dupilumab (Asthma) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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