Drogenprävention bei Risikogruppen: Interventionen
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie NG64 befasst sich mit gezielten Interventionen zur Prävention des Drogenmissbrauchs bei gefährdeten Personengruppen. Der Fokus liegt auf der Vermeidung oder Verzögerung des Drogenkonsums sowie der Verhinderung eines regelmäßigen, exzessiven Konsums.
Es wird betont, dass präventive Maßnahmen nicht in isolierten Spezialeinrichtungen, sondern im Rahmen bestehender Dienstleistungen erbracht werden sollten. Dazu zählen unter anderem die primäre Gesundheitsversorgung, psychiatrische Dienste, die Schulsozialarbeit sowie das Jugendstrafrechtssystem.
Die Leitlinie richtet sich an Fachkräfte, die mit vulnerablen Gruppen arbeiten, wie beispielsweise obdachlosen Menschen, Heimkindern oder Personen mit psychischen Erkrankungen. Eine frühzeitige und strukturierte Identifikation von Risikofaktoren steht dabei im Mittelpunkt.
Empfehlungen
Assessment und Identifikation
Die NICE-Leitlinie empfiehlt, bei Routine- und Gelegenheitskontakten in bestehenden Einrichtungen systematisch zu beurteilen, ob eine Person anfällig für Drogenmissbrauch ist. Dies schließt Gesundheitsuntersuchungen, Notaufnahmebesuche oder Kontakte mit der Justiz ein.
Es wird ein konsistenter, lokal abgestimmter Ansatz empfohlen, der respektvoll und nicht wertend ist. Die Beurteilung sollte sich proportional zu den präsentierten Schwachstellen der Person verhalten.
Laut Leitlinie sollten folgende Aspekte in einem ersten Gespräch erörtert werden:
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Körperliche und geistige Gesundheit
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Persönliche, soziale, schulische oder berufliche Umstände
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Jeglicher bestehender Drogenkonsum (Art und Häufigkeit)
Zudem wird empfohlen, die unmittelbare Sicherheit der beurteilten Person und ihrer Angehörigen zu prüfen, um bei Bedarf Schutzmaßnahmen einzuleiten.
Interventionen für Kinder und Jugendliche
Für Kinder und Jugendliche, die als anfällig für Drogenmissbrauch eingestuft werden, wird ein Kompetenztraining empfohlen. Wenn dieses angeboten wird, sollten gemäß Leitlinie auch die Betreuer oder Familienangehörigen einbezogen werden.
Das Training sollte darauf abzielen, persönliche und soziale Fähigkeiten zu entwickeln. Die Leitlinie nennt hierfür folgende Kernkompetenzen:
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Zuhören und Konfliktlösung
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Ablehnungsstrategien
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Erkennen und Bewältigen von Stress
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Umgang mit Kritik und Ausgrenzungsgefühlen
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Treffen gesunder Verhaltensentscheidungen
Es wird empfohlen, mindestens zwei Sitzungen anzubieten. Die genaue Ausgestaltung sollte an Alter, Entwicklungsstand und den kulturellen Hintergrund angepasst werden.
Interventionen für Erwachsene
Bei Erwachsenen mit erhöhter Vulnerabilität für Drogenmissbrauch empfiehlt die Leitlinie eine gezielte Informationsvermittlung. Diese sollte zeitgleich mit dem Assessment erfolgen.
Folgende Inhalte werden empfohlen:
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Klare Informationen über Drogen und deren Wirkungen
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Beratung und Feedback zu einem eventuell bereits bestehenden Konsum
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Informationen über lokale Hilfsangebote und Beratungsstellen
Die Informationen sollten sowohl mündlich als auch schriftlich bereitgestellt werden. Es wird betont, die Beratung nicht wertend zu gestalten und an das Gesundheitsverständnis der Person anzupassen.
Personen außerhalb des regulären Versorgungssystems
Für gefährdete Personen, die reguläre Dienste selten nutzen, wird empfohlen, Informationen an Orten bereitzustellen, die von diesen Gruppen frequentiert werden. Dazu gehören laut Leitlinie Nachtclubs, Festivals, Fitnessstudios oder betreute Unterkünfte.
Zudem wird die Bereitstellung von webbasierten Informationen und digitalen Tools zur Selbsteinschätzung des eigenen Drogenkonsums empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Praxis-Hinweis der Leitlinie ist, dass präventive Gespräche über Drogenkonsum stets nicht wertend und respektvoll geführt werden sollten, um die Akzeptanz zu erhöhen. Zudem wird nachdrücklich darauf hingewiesen, bei jedem Assessment auf mögliche Gefährdungssituationen zu achten. Es wird empfohlen, die unmittelbare Sicherheit der Person und ihrer Angehörigen zu priorisieren, bevor weitere präventive Schritte geplant werden.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt, Routine- und Gelegenheitskontakte in der Notaufnahme oder Hausarztpraxis für ein opportunistisches Assessment zu nutzen. Dabei wird ein respektvoller, nicht wertender Ansatz empfohlen, der die persönlichen und sozialen Umstände beleuchtet.
Für gefährdete Kinder und Jugendliche wird primär ein Kompetenztraining empfohlen, das idealerweise auch die Familien oder Betreuer einbezieht. Dieses Training soll Fähigkeiten wie Konfliktlösung, Stressbewältigung und Ablehnungsstrategien fördern.
Laut Leitlinie sollten für ein effektives Kompetenztraining mindestens zwei Sitzungen angeboten werden. Die genaue Anzahl und Dauer sollte jedoch individuell an den Entwicklungsstand und die Bedürfnisse des Jugendlichen angepasst werden.
Es wird empfohlen, gefährdeten Erwachsenen klare Informationen über Drogenwirkungen sowie Feedback zu ihrem aktuellen Konsumverhalten zu geben. Diese Informationen sollten sowohl mündlich als auch schriftlich erfolgen und Hinweise auf lokale Hilfsangebote enthalten.
Um schwer erreichbare Risikogruppen zu adressieren, empfiehlt die Leitlinie die Bereitstellung von Informationen an spezifischen Orten wie Nachtclubs, Festivals oder Fitnessstudios. Ergänzend wird der Einsatz von webbasierten Selbstbewertungs-Tools und digitalen Medien empfohlen.
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Quelle: NG64: Drug misuse prevention: targeted interventions (NICE). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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