Dolutegravir (HIV): Zusatznutzen in der Pädiatrie

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der vorliegende Artikel basiert auf der IQWiG-Dossierbewertung A22-38 aus dem Jahr 2022. Gegenstand ist die erneute Nutzenbewertung des Wirkstoffs Dolutegravir bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis unter 18 Jahren mit einer HIV-1-Infektion.

Anlass für die Neubewertung waren neue wissenschaftliche Erkenntnisse, insbesondere die Ergebnisse der ODYSSEY-Studie. Dolutegravir wird in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln zur Behandlung eingesetzt.

Das Institut bewertete den Zusatznutzen in vier verschiedenen Patientengruppen. Dabei wurde zwischen therapienaiven und therapieerfahrenen Kindern (6 bis unter 12 Jahre) sowie Jugendlichen (12 bis unter 18 Jahre) unterschieden.

Empfehlungen

Das IQWiG kommt in seiner Bewertung zu folgenden zentralen Ergebnissen bezüglich des Zusatznutzens:

Therapienaive Kinder und Jugendliche

Für therapienaive Jugendliche (12 bis < 18 Jahre) und Kinder (6 bis < 12 Jahre) ist laut Bericht kein Zusatznutzen belegt.

Die herangezogene ODYSSEY-Studie wird für diese Gruppen als nicht relevant eingestuft. Als Grund wird angeführt, dass die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) festgelegte zweckmäßige Vergleichstherapie im Kontrollarm nicht umgesetzt wurde.

Therapieerfahrene Kinder und Jugendliche

Auch für vorbehandelte Jugendliche und Kinder ist gemäß der Bewertung ein Zusatznutzen nicht belegt.

Zwar wird die ODYSSEY-Studie für diese Populationen als potenziell relevant erachtet. Der pharmazeutische Unternehmer reichte jedoch keine entsprechenden Datenauswertungen ein.

Zur Begründung wurde angeführt, dass ein substanzieller Teil der Studienpopulation über einen längeren Zeitraum nicht gemäß der aktuellen Fachinformation dosiert wurde.

Zweckmäßige Vergleichstherapien

Der Bericht definiert folgende Vergleichstherapien für die jeweiligen Gruppen:

  • Therapienaive Jugendliche: Rilpivirin in Kombination mit Tenofoviralafenamid plus Emtricitabin oder Abacavir plus Lamivudin

  • Therapienaive Kinder: Atazanavir plus Ritonavir in Kombination mit Abacavir plus Emtricitabin oder Abacavir plus Lamivudin

  • Therapieerfahrene Patienten: Eine patientenindividuelle antiretrovirale Therapie unter Auswahl zugelassener Wirkstoffe

Dosierung

Die Dosierung von Dolutegravir erfolgt gewichtsabhängig einmal täglich oral. Die in der ODYSSEY-Studie dokumentierten, aktuell zugelassenen Dosierungen stellen sich wie folgt dar:

KörpergewichtDarreichungsformDosis
14 bis < 20 kgSuspensionstablette25 mg
20 bis < 25 kgFilmtablette oder Suspensionstablette50 mg (Film) oder 30 mg (Suspension)
25 bis < 30 kgFilmtablette50 mg
30 bis < 40 kgFilmtablette50 mg
ab 40 kgFilmtablette50 mg

Es wird darauf hingewiesen, dass Filmtabletten und dispergierbare Tabletten aufgrund unterschiedlicher Bioverfügbarkeit nicht eins zu eins (auf Milligramm-Basis) austauschbar sind.

Kontraindikationen

Laut Dokument bestehen folgende Kontraindikationen für die Anwendung von Dolutegravir:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile

  • Gleichzeitige Anwendung mit Arzneimitteln, die ein enges therapeutisches Fenster aufweisen und Substrate des organischen Kationentransporters 2 (OCT2) sind (z. B. Fampridin/Dalfampridin)

Zudem werden besondere Warnhinweise für folgende Bereiche aufgeführt:

  • Integrase-Inhibitor-Resistenzen

  • Überempfindlichkeitsreaktionen und Immun-Rekonstitutions-Syndrom

  • Opportunistische Infektionen und Arzneimittelwechselwirkungen

  • Osteonekrose sowie Veränderungen von Gewicht und metabolischen Parametern

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Der Bericht hebt hervor, dass Filmtabletten und dispergierbare Tabletten zur Herstellung einer Suspension eine unterschiedliche Bioverfügbarkeit aufweisen. Es wird betont, dass diese Darreichungsformen daher nicht direkt auf Milligramm-Basis gegeneinander ausgetauscht werden können. Zudem zeigt die Bewertung, dass bei der Verordnung stets auf das aktuelle Körpergewicht geachtet werden muss, da historische Studiendosierungen teilweise von der heutigen Zulassung abweichen.

Häufig gestellte Fragen

Laut der IQWiG-Bewertung ist ein Zusatznutzen von Dolutegravir bei Kindern und Jugendlichen (6 bis unter 18 Jahre) weder für therapienaive noch für therapieerfahrene Patienten belegt. Die vorliegenden Studiendaten entsprachen nicht den Anforderungen an die zweckmäßige Vergleichstherapie oder die aktuelle Zulassung.

Bei therapienaiven Patienten wurde in der ODYSSEY-Studie die vom G-BA geforderte zweckmäßige Vergleichstherapie nicht umgesetzt. Bei vorbehandelten Patienten wurde Dolutegravir bei einem Großteil der Kinder unter 40 kg über einen längeren Zeitraum niedriger dosiert, als es die aktuelle Fachinformation vorgibt.

Gemäß den im Bericht zitierten Fachinformationen ist Dolutegravir zur Behandlung von HIV-Infektionen bei Kindern ab einem Alter von 4 Wochen und einem Körpergewicht von mindestens 3 kg zugelassen. Die vorliegende Nutzenbewertung bezieht sich jedoch spezifisch auf die Altersgruppe der 6- bis unter 18-Jährigen.

Das Dokument nennt eine Kontraindikation für die gleichzeitige Anwendung mit OCT2-Substraten, die ein enges therapeutisches Fenster aufweisen. Als spezifisches Beispiel wird hierbei der Wirkstoff Fampridin (Dalfampridin) aufgeführt.

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Quelle: IQWiG A22-38: Dolutegravir (HIV) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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