IQWiG2025

DMP Diabetes mellitus Typ 2: Leitlinien-Empfehlungen

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2025)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der IQWiG-Bericht V24-11 stellt eine Leitliniensynopse zur Aktualisierung des Disease-Management-Programms (DMP) für Diabetes mellitus Typ 2 dar. Ziel ist es, Diskrepanzen zwischen der aktuell gültigen DMP-Anforderungen-Richtlinie und aktuellen evidenzbasierten Leitlinien aufzuzeigen.

Diabetes mellitus Typ 2 ist durch Insulinresistenz und einen relativen Insulinmangel gekennzeichnet. Ein dauerhaft erhöhter Blutglukosespiegel steigert das Risiko für mikro- und makrovaskuläre Begleit- und Folgeerkrankungen erheblich.

Die Synopse basiert auf der systematischen Auswertung von 20 aktuellen, evidenzbasierten nationalen und internationalen Leitlinien. Es werden unter anderem neue Erkenntnisse zur medikamentösen Therapie, zu kontinuierlichen Glukosemesssystemen und zu Komorbiditäten beleuchtet.

Empfehlungen

Die Leitliniensynopse formuliert folgende Kernaspekte für die Versorgung:

Diagnostik und Therapieziele

Die Diagnose eines Diabetes mellitus Typ 2 gilt als gesichert bei Nüchtern-Plasmaglukose ≥ 126 mg/dl, Nicht-Nüchtern-Glukose ≥ 200 mg/dl oder einem HbA1c ≥ 6,5 %. Bei Abwesenheit typischer Symptome ist eine Bestätigung durch eine zweite Messung erforderlich.

Zusätzlich wird bei der Eingangsuntersuchung die Bestimmung der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR), des Lipidstatus und der Urin-Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR) empfohlen.

Die Therapieziele sollen individuell und partizipativ vereinbart werden. Als Orientierungsgröße wird meist ein HbA1c-Bereich von 6,5 % bis 7,5 % angestrebt.

Nicht-medikamentöse Basistherapie

Lebensstilinterventionen bilden die Grundlage der Behandlung. Es wird ein regelmäßiges sportliches Training von mindestens 150 Minuten wöchentlich empfohlen.

Bei Übergewicht oder Adipositas wird eine Gewichtsreduktion angestrebt:

  • Gewichtsabnahme von 5 % bis über 10 % des Ausgangsgewichts

  • Einsatz von Medikamenten (GLP-1-RA, SGLT2-Inhibitoren), die eine Gewichtsreduktion unterstützen

  • Prüfung einer bariatrischen Chirurgie bei einem BMI ≥ 35 kg/m2 oder bei einem BMI von 30 bis 34,9 kg/m2 mit unzureichender glykämischer Kontrolle

Medikamentöse Therapie

Die Wahl der Antidiabetika richtet sich stark nach dem Vorliegen kardiovaskulärer oder renaler Begleiterkrankungen. Metformin bleibt häufig die Erstlinientherapie bei Personen ohne hohes Risiko.

Für spezifische Risikogruppen werden folgende Wirkstoffe bevorzugt empfohlen:

  • Bei manifester arteriosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung: SGLT2-Inhibitoren oder GLP-1-Rezeptor-Agonisten (hoher Empfehlungsgrad)

  • Bei Herzinsuffizienz (insbesondere mit reduzierter Ejektionsfraktion): SGLT2-Inhibitoren zur Reduktion von Hospitalisierungen

  • Bei chronischer Nierenkrankheit: SGLT2-Inhibitoren oder GLP-1-Rezeptor-Agonisten zur Verlangsamung der Progression

Begleit- und Folgeerkrankungen

Ein systematisches Screening auf Folgeerkrankungen wird regelmäßig empfohlen. Dies umfasst die chronische Nierenkrankheit, Retinopathie und das diabetische Fußsyndrom.

Für das diabetische Fußsyndrom wird folgende Risikostratifizierung für Inspektionsintervalle aufgeführt:

RisikokategorieKlinische BefundeInspektionsintervall
Keine sensible NeuropathieKeine Risikofaktoren außer KallusMindestens jährlich
Sensible NeuropathieNeuropathie vorhandenMindestens alle 6 Monate
Hohes RisikoNeuropathie + pAVK, Fußdeformitäten, Z.n. Ulkus/AmputationAlle 3 Monate oder häufiger

Bei arterieller Hypertonie wird meist ein Blutdruckzielwert von unter 130/80 mmHg angestrebt. Zur Therapie werden bevorzugt ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker eingesetzt.

Glukosemonitoring und digitale Anwendungen

Die kontinuierliche Glukosemessung (CGM) wird für Personen mit intensivierter Insulintherapie oder hohem Hypoglykämierisiko empfohlen.

Klinisch validierte Smartphone-Applikationen können zur Unterstützung des Selbstmanagements eingesetzt werden.

Kontraindikationen

Es werden folgende Kontraindikationen und Warnhinweise in der Synopse hervorgehoben:

  • Eine Kombinationstherapie mit Metformin ist bei Vorliegen einer dekompensierten Herzinsuffizienz kontraindiziert.

  • ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptor-Blocker und Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten sind in der Schwangerschaft kontraindiziert und sollten bei fehlender Kontrazeption vermieden werden.

  • Bei einer Therapie mit SGLT2-Inhibitoren wird vor einem erhöhten Risiko für Ketoazidosen bei längeren Fastenperioden, Operationen oder schweren akuten Erkrankungen gewarnt.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitliniensynopse betont einen Paradigmenwechsel in der medikamentösen Therapie des Diabetes mellitus Typ 2. Es wird empfohlen, die Wirkstoffauswahl primär vom Vorliegen kardiovaskulärer oder renaler Begleiterkrankungen abhängig zu machen, unabhängig vom aktuellen HbA1c-Wert. Bei diesen Risikogruppen wird der frühzeitige Einsatz von SGLT2-Inhibitoren oder GLP-1-Rezeptor-Agonisten angeraten, um die Prognose signifikant zu verbessern.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitliniensynopse ist eine Therapie mit Metformin bei Vorliegen einer dekompensierten Herzinsuffizienz kontraindiziert. Bei stabiler Herzinsuffizienz wird hingegen eine Kombination mit SGLT2-Inhibitoren empfohlen.

Es wird der Einsatz von SGLT2-Inhibitoren oder GLP-1-Rezeptor-Agonisten empfohlen. Diese Wirkstoffe sollen das Fortschreiten der Nierenschädigung verlangsamen und kardiovaskuläre Ereignisse reduzieren.

Das Inspektionsintervall richtet sich nach dem individuellen Risiko. Bei fehlender Neuropathie wird eine jährliche Kontrolle empfohlen, bei Vorliegen einer Neuropathie alle 6 Monate und bei zusätzlichen Risikofaktoren wie pAVK alle 3 Monate oder häufiger.

Ein sofortiger Beginn mit Insulin wird erwogen, wenn bei Erstdiagnose starke metabolische Entgleisungen, katabole Symptome wie Gewichtsverlust oder extrem hohe Glukosewerte (HbA1c > 10 %) vorliegen. Sobald sich der Stoffwechsel stabilisiert hat, kann eine Deeskalation geprüft werden.

In der Regel wird ein Blutdruckzielwert von unter 130/80 mmHg angestrebt, sofern dieser sicher erreicht werden kann. Die Therapieziele sollen jedoch stets individuell unter Berücksichtigung von Alter und Komorbiditäten festgelegt werden.

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