WHO2024

Diphtherie: Therapie, DAT-Dosierung und Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie (2024) adressiert das klinische Management der respiratorischen Diphtherie vor dem Hintergrund weltweit zunehmender Ausbrüche. Die Erkrankung wird durch Toxin-produzierende Stämme von Corynebacterium diphtheriae verursacht.

Das bakterielle Toxin führt zu einer Entzündung der Schleimhäute mit der Bildung charakteristischer grau-weißer Pseudomembranen im Rachen- oder Kehlkopfbereich. Diese können eine lebensbedrohliche Atemwegsobstruktion verursachen.

Zudem kann eine systemische Ausbreitung des Toxins schwere Komplikationen wie Myokarditis, Nierenschäden und neurologische Ausfälle nach sich ziehen. Eine rasche klinische Erkennung und frühzeitige Therapie sind laut Leitlinie entscheidend für das Überleben.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die Behandlung der Diphtherie:

Antibiotikatherapie

Laut Leitlinie wird bei vermuteter oder bestätigter Diphtherie der Einsatz von Makroliden (Azithromycin, Erythromycin) gegenüber Penicillinen bevorzugt (starke Empfehlung, niedrige Evidenz). Der Einsatz von Antibiotika dient dazu, das weitere Bakterienwachstum und die Toxinproduktion zu stoppen.

Die Leitlinie begründet diese Präferenz mit der einfacheren oralen und selteneren Gabe von Makroliden sowie einer zunehmenden Penicillin-Resistenz. Die Antibiotikagabe sollte parallel zum Diphtherie-Antitoxin (DAT) erfolgen und dieses nicht verzögern.

Diphtherie-Antitoxin (DAT)

Das Diphtherie-Antitoxin neutralisiert ungebundenes Toxin und senkt die Mortalität signifikant. Die Leitlinie empfiehlt:

  • Keine routinemäßige Sensitivitätstestung vor der DAT-Gabe durchzuführen, um lebensrettende Zeit nicht zu verlieren (starke Empfehlung, moderate Evidenz).

  • Eine eskalierende Dosierung des DAT basierend auf Krankheitsschwere und Dauer der Symptome anstelle einer festen Dosis für alle (bedingte Empfehlung, sehr niedrige Evidenz).

  • Das Antitoxin so früh wie möglich zu verabreichen, da es intrazelluläres Toxin nicht mehr neutralisieren kann.

Notfallbereitschaft und Monitoring

Da das DAT aus Pferdeserum gewonnen wird, besteht das Risiko schwerer allergischer Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock. Es wird empfohlen, die Gabe in einem überwachten Umfeld durchzuführen.

Laut Leitlinie müssen geschultes Personal sowie Notfallmedikamente (Adrenalin, Salbutamol, Antihistaminika, Kortikosteroide) und Ausrüstung für das Atemwegsmanagement zwingend bereitstehen. Eine eventuelle Prämedikation mit Steroiden oder Antihistaminika darf die DAT-Gabe nicht verzögern.

Dosierung

Diphtherie-Antitoxin (DAT) Dosierungsschema

Die Leitlinie empfiehlt eine an die Schwere und Dauer angepasste Einzeldosis:

KrankheitsbildDauer der SymptomeDAT-Dosis (IE)
Laryngitis oder Pharyngitis< 48 Stunden20.000
Nasopharyngeale Erkrankung (ausgedehnte Pseudomembran)< 48 Stunden40.000
Diffuse Halsschwellung ("Stierhals") ODER schwere Erkrankung (Atemnot, Schock)Unabhängig von der Dauer80.000
Jegliche Manifestation≥ 48 Stunden80.000

Antibiotika-Dosierungen

Makrolide werden als Erstlinientherapie empfohlen. Penicilline sind laut Leitlinie eine Alternative, falls Makrolide nicht verfügbar sind und eine Sensibilität nachgewiesen wurde.

MedikamentPatientengruppeDosis und FrequenzMaximaldosis
Azithromycin (p.o. oder i.v.)Kinder10–12 mg/kg einmal täglich500 mg/Tag
Azithromycin (p.o. oder i.v.)Erwachsene500 mg einmal täglich500 mg/Tag
Erythromycin (p.o. oder i.v.)Kinder & Erwachsene10–15 mg/kg alle 6 Stunden500 mg/Dosis oder 2 g/Tag
Procain-Benzylpenicillin (i.m.)Kinder & Erwachsene50 mg/kg einmal täglich1,2 g/Tag
Wässriges Benzylpenicillin (i.m. oder i.v.)Kinder & Erwachsene100.000 IE/kg/Tag aufgeteilt in 25.000 IE/kg alle 6 Stunden4 Mio. IE oder 2,4 g/Tag
Phenoxymethylpenicillin V (p.o.)Kinder & Erwachsene50 mg/kg/Tag aufgeteilt in Dosen alle 6 Stunden (je 10–15 mg/kg)500 mg/Dosis

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt vor möglichen schweren allergischen Reaktionen (einschließlich Anaphylaxie) bei der Gabe von Diphtherie-Antitoxin (DAT), da dieses aus Pferdeserum gewonnen wird.

Trotz dieses Risikos wird explizit davon abgeraten, die lebensrettende DAT-Gabe aufgrund von Bedenken bezüglich einer Allergie zu verzögern. Eine routinemäßige Sensitivitätstestung wird nicht empfohlen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist der Verzicht auf eine routinemäßige Allergietestung vor der Gabe von Diphtherie-Antitoxin. Es wird betont, dass der Zeitverlust durch eine Testung oder Desensibilisierung die Mortalität erhöht. Stattdessen wird empfohlen, das Antitoxin sofort zu verabreichen und sich auf die klinische Beherrschung eventueller allergischer Reaktionen vorzubereiten.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt primär Makrolide wie Azithromycin oder Erythromycin. Diese werden gegenüber Penicillinen bevorzugt, da sie einfacher zu verabreichen sind und seltener Resistenzen aufweisen.

Nein, die Leitlinie spricht sich stark gegen eine routinemäßige Sensitivitätstestung aus. Der Überlebensvorteil durch eine sofortige Antitoxin-Gabe überwiegt laut Leitlinie das Risiko einer allergischen Reaktion.

Es wird eine eskalierende Dosierung empfohlen, die von der Krankheitsdauer und -schwere abhängt. Die Dosis variiert laut Leitlinie zwischen 20.000 IE bei frühen, leichten Verläufen und 80.000 IE bei schweren Verläufen oder einer Dauer von über 48 Stunden.

Die Leitlinie betont, dass das Antitoxin so schnell wie möglich verabreicht werden muss. Es neutralisiert nur frei zirkulierendes Toxin und ist wirkungslos, sobald das Toxin in die Zellen eingedrungen ist.

Penicilline können laut Leitlinie eingesetzt werden, wenn Makrolide nicht verfügbar sind oder ein Antibiogramm eine Sensibilität zeigt. Allerdings ist die Behandlungslast durch häufigere oder intravenöse Gaben höher.

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Quelle: Clinical management of diphtheria: guideline, 2 February 2024  (WHO, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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