Diarrhoe und Kolitis bei Tumoren: Diagnostik & Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Onkopedia|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Gastrointestinale Komplikationen, insbesondere Diarrhoe und Kolitis, treten bei Patienten mit hämatologischen und onkologischen Erkrankungen häufig auf. Das Spektrum der möglichen Ursachen ist dabei sehr breit.

Laut der Onkopedia-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Infektionen (AGIHO) ist es differenzialdiagnostisch entscheidend, Komplikationen der Grunderkrankung von Nebenwirkungen der antineoplastischen Therapie abzugrenzen.

Die Leitlinie definiert eine infektiöse Diarrhoe als das Auftreten von mindestens drei ungeformten Stühlen innerhalb von 24 Stunden.

Klinischer Kontext

Gastrointestinale Komplikationen, insbesondere Diarrhoe und Colitis, treten bei onkologischen und hämatologischen Patienten sehr häufig auf. Sie sind oft direkte Folgen von zytotoxischen Chemotherapien, zielgerichteten Therapien oder modernen Immuncheckpoint-Inhibitoren.

Die Pathogenese ist vielfältig und reicht von direkter toxischer Schleimhautschädigung über immunvermittelte Entzündungen bis hin zu infektiösen Ursachen durch die zugrundeliegende Immunsuppression. Besonders Immuncheckpoint-Inhibitoren können schwere autoimmunähnliche Kolitiden auslösen, während klassische Zytostatika eher eine Mukositis verursachen.

Schwere Durchfälle führen rasch zu Dehydratation, Elektrolytentgleisungen und Malnutrition, was die Morbidität der betroffenen Patienten signifikant erhöht. Zudem erfordern diese Komplikationen oft Dosisreduktionen oder Therapieabbrüche, was den eigentlichen onkologischen Behandlungserfolg gefährden kann.

Die Diagnostik umfasst eine ausführliche Anamnese, Stuhldiagnostik zum Ausschluss infektiöser Ursachen und laborchemische Parameter. Bei schweren oder therapierefraktären Verläufen ist eine Endoskopie mit Biopsie zur histologischen Sicherung und Differenzialdiagnostik essenziell.

Wissenswertes

Die klassische Chemotherapie schädigt das sich schnell teilende Epithel des Gastrointestinaltrakts direkt, was zu einer Mukositis und konsekutiver Diarrhoe führt. Zudem können Veränderungen der Darmflora und eine beeinträchtigte Resorption von Nährstoffen den Durchfall weiter verstärken.

Patienten präsentieren sich typischerweise mit wässrigen Durchfällen, abdominellen Schmerzen und gelegentlich blutigen Stühlen nach Gabe von Immuncheckpoint-Inhibitoren. Die Diagnostik erfordert den Ausschluss von Infektionen sowie oft eine Koloskopie mit Biopsie zum Nachweis der charakteristischen lymphozytären Infiltration.

Durch häufige Antibiotikagaben, Immunsuppression und längere Krankenhausaufenthalte haben onkologische Patienten ein stark erhöhtes Risiko für C. difficile-Infektionen. Eine rasche Stuhldiagnostik auf Toxine ist bei jedem neu aufgetretenen Durchfall in dieser Patientengruppe obligat.

Die Typhlitis ist eine lebensbedrohliche Komplikation bei tiefer Neutropenie, die sich durch Fieber, rechtsseitige Unterbauchschmerzen und Diarrhoe äußert. Diagnostisch steht die Sonographie oder Computertomographie des Abdomens im Vordergrund, um eine Wandverdickung des Zökums nachzuweisen.

Bei milden, nicht-infektiösen Durchfällen stehen die adäquate Hydratation und der Ausgleich von Elektrolyten im Vordergrund. Symptomatisch kommen Loperamid oder andere motilitätshemmende Substanzen zum Einsatz, sofern keine spezifischen Kontraindikationen bestehen.

Eine Endoskopie ist indiziert bei schweren, blutigen oder therapierefraktären Durchfällen sowie bei dringendem Verdacht auf eine immunvermittelte Colitis. Sie dient der histologischen Sicherung, der Beurteilung des Schweregrads und dem Ausschluss von viralen Reaktivierungen wie CMV.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut Leitlinie ist es ein essenzieller Schritt, vor dem Beginn einer motilitätshemmenden Therapie mit Loperamid zwingend eine infektiöse Ursache der Diarrhoe auszuschließen. Zudem wird betont, dass bei einer Clostridium-difficile-Infektion für die Handhygiene zwingend warmes Wasser und Seife verwendet werden sollen, da alkoholische Händedesinfektionsmittel die Sporen nicht zuverlässig abtöten.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie definiert eine infektiöse Diarrhoe als das Auftreten von mindestens drei ungeformten Stühlen innerhalb von 24 Stunden.

Es wird eine initiale Dosis von 4 mg Loperamid oral empfohlen. Danach erfolgt laut Leitlinie die Gabe von 2 mg nach jedem ungeformten Stuhl, bis zu einer Maximaldosis von 16 mg pro Tag.

Bei Loperamid-refraktärer Diarrhoe wird der Einsatz von Octreotid subkutan empfohlen. Als weitere Alternativen nennt die Leitlinie Flohsamenschalen, Diphenoxylat plus Atropin oder Opiate.

Die Leitlinie empfiehlt als primäre Optionen Vancomycin (4x 125 mg/Tag oral) oder Fidaxomicin (2x 200 mg/Tag oral) über 10 Tage. Alternativ kann Metronidazol oral eingesetzt werden.

Es wird eine stationäre Aufnahme empfohlen, wenn eine schwere Diarrhoe trotz motilitätshemmender Therapie für mehr als 48 Stunden persistiert.

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Quelle: Gastrointestinale Komplikationen (Schwerpunkt: Diarrhoe und Colitis) bei Patienten mit hämatologischen und onkologischen Erkrankungen (Onkopedia). Originaldokument ansehen

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