Diabetische Retinopathie: Therapie und Monitoring
Hintergrund
Die diabetische Retinopathie ist eine der Hauptursachen für Sehbehinderungen und Erblindung. Sie ist eine direkte Folge erhöhter Blutzuckerwerte und betrifft die meisten Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes im Laufe ihrer Erkrankung.
Die Erkrankung umfasst die nicht-proliferative (NPDR) und proliferative diabetische Retinopathie (PDR) sowie die diabetische Makulopathie. Ohne korrekte Überwachung und Behandlung können insbesondere die PDR und das diabetische Makulaödem (DME) zu einem dauerhaften Sehverlust führen.
Diese Zusammenfassung basiert auf der NICE-Leitlinie NG242. Sie fokussiert sich auf das Management von Personen, die bereits in augenärztlichen Spezialambulanzen (Sekundärversorgung) betreut werden, und schließt das routinemäßige Screening aus.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie formuliert detaillierte Empfehlungen zur stadiengerechten Therapie der diabetischen Augenerkrankung. Es wird betont, dass jedes Auge separat basierend auf seinen aktiven Pathologien behandelt werden sollte.
Allgemeines Management und Risikofaktoren
Laut Leitlinie wird eine enge Abstimmung zwischen Augenärzten und den behandelnden Diabetologen empfohlen. Augenärzte sollten Zugriff auf die HbA1c- und Blutdruckwerte haben.
Es wird darauf hingewiesen, dass eine gute Blutdruckeinstellung bei Hypertonikern die Progression der NPDR reduzieren kann. Bei normotensiven Personen wird jedoch von einer antihypertensiven Therapie zur reinen Progressionshemmung abgeraten.
Für Personen mit Typ-2-Diabetes und NPDR kann der Off-Label-Einsatz von Fenofibrat zur Progressionshemmung erwogen werden.
Proliferative diabetische Retinopathie (PDR)
Die Leitlinie empfiehlt die panretinale Photokoagulation als Erstlinientherapie bei Erstdiagnose einer PDR. Dabei gelten folgende zeitliche Vorgaben:
-
Beginn der Behandlung idealerweise innerhalb von 4 Wochen, spätestens nach 6 Wochen
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Abschluss der Therapie innerhalb von 4 Wochen nach Beginn
-
Bei Hochrisikomerkmalen wird ein sofortiger Behandlungsbeginn am Tag der Diagnose empfohlen
Wenn die PDR trotz vollständiger Laserkoagulation aktiv bleibt, wird der Einsatz von Anti-VEGF-Präparaten empfohlen. Eine Vitrektomie wird bei Glaskörperblutungen angeraten, die sich nach 3 Monaten nicht zurückgebildet haben, oder bei einer die Makula bedrohenden Netzhautablösung.
Diabetisches Makulaödem (DME)
Die Therapiestrategie richtet sich nach der Lokalisation und der Sehschärfe. Bei einem nicht-zentrumsbetroffenen klinisch signifikanten Makulaödem wird eine fokale Laserkoagulation empfohlen.
Für das zentrumsbetroffene DME empfiehlt die Leitlinie:
-
Bei guter Sehschärfe: Lasertherapie oder Beobachtung
-
Bei Sehbeeinträchtigung und zentraler Netzhautdicke ab 400 Mikrometern: Anti-VEGF-Therapie
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Bei Sehbeeinträchtigung und zentraler Netzhautdicke unter 400 Mikrometern: Anti-VEGF- oder Lasertherapie
Das Ansprechen auf Anti-VEGF sollte nach der Aufsättigungsphase und erneut nach 12 Monaten beurteilt werden. Bei suboptimalem Ansprechen nach 12 Monaten wird ein Wechsel auf ein intravitreales Steroidimplantat empfohlen.
Überwachung und Bildgebung
Zur Diagnostik des DME wird die optische Kohärenztomografie (OCT) als primäre Methode empfohlen. Zur Erkennung einer PDR kann die Ultraweitwinkel-Fundusbildgebung ergänzend zur klinischen Untersuchung eingesetzt werden.
Für Personen mit NPDR ohne aktuelle oder frühere Therapie empfiehlt die Leitlinie folgende Kontrollintervalle:
| Retinopathie-Stadium | Empfohlenes Kontrollintervall |
|---|---|
| Moderate NPDR | Alle 6 bis 12 Monate |
| Schwere oder sehr schwere NPDR | Alle 3 bis 6 Monate |
Nach Abschluss einer Therapie (PDR oder DME) wird eine Beurteilung der Rückbildung nach 2 bis 3 Monaten empfohlen. Im ersten Jahr nach Therapieende sollte das Monitoring individuell angepasst werden.
Kontraindikationen
Die Leitlinie weist darauf hin, dass Anti-VEGF-Präparate in der Schwangerschaft kontraindiziert sind. Für schwangere Personen mit behandlungsbedürftigem Makulaödem wird stattdessen die Erwägung eines intravitrealen Steroidimplantats empfohlen.
Zudem wird davor gewarnt, Blutdrucksenker bei Personen ohne Hypertonie ausschließlich zur Progressionshemmung der Retinopathie einzusetzen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt vor einer frühen Verschlechterung (Early Worsening) der Retinopathie bei einer raschen und starken Senkung des HbA1c-Wertes. Es wird empfohlen, vor Beginn einer intensivierten Diabetestherapie eine augenärztliche Untersuchung zu veranlassen, um den Ausgangsbefund zu dokumentieren und Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie sollte die panretinale Photokoagulation idealerweise innerhalb von 4 Wochen, spätestens jedoch nach 6 Wochen begonnen werden. Bei Personen mit Hochrisikomerkmalen wird ein Beginn noch am Tag der Diagnose empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt Anti-VEGF-Präparate bei einem zentrumsbetroffenen Makulaödem mit einhergehender Sehbeeinträchtigung. Dies gilt insbesondere bei einer zentralen Netzhautdicke von 400 Mikrometern oder mehr.
Für Personen mit schwerer oder sehr schwerer nicht-proliferativer diabetischer Retinopathie, die keine Therapie erhalten, wird ein Kontrollintervall von 3 bis 6 Monaten empfohlen.
Es wird empfohlen, vor dem Eingriff den aktuellen Status der diabetischen Augenerkrankung zu erheben. Bei einer aktiven proliferativen Retinopathie, die eine Lasertherapie aufgrund der Katarakt verhindert, kann eine temporäre Anti-VEGF-Gabe erwogen werden.
Wenn das Makulaödem nach 12 Monaten suboptimal auf die Anti-VEGF-Therapie anspricht, empfiehlt die Leitlinie den Wechsel auf ein intravitreales Steroidimplantat.
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Quelle: Diabetic retinopathy: management and monitoring (NICE, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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