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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Geschlechterspezifische Kardiologie: DGK-Positionspapier

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Frauen weisen bei akuten Koronarsyndromen häufiger atypische Symptome auf und haben ein deutlich höheres Risiko für MINOCA und SCAD.
  • Kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Rauchen wiegen bei Frauen schwerer; zudem müssen frauenspezifische Risiken (z.B. Schwangerschaftskomplikationen) beachtet werden.
  • Bei der Herzinsuffizienz dominiert bei Frauen die HFpEF (2:1 im Vergleich zu Männern), während Männer häufiger an HFrEF erkranken.
  • Frauen haben ein höheres Risiko für medikamentös induzierte QT-Zeit-Verlängerungen und Torsades de Pointes.
  • Die pulmonalarterielle Hypertonie (PAH) betrifft Frauen häufiger, sie zeigen jedoch ein besseres Überleben (Östrogenparadox).
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Hintergrund

Kardiovaskuläre Erkrankungen manifestieren sich bei Frauen und Männern nicht immer identisch. Sie unterscheiden sich in Anatomie, Pathophysiologie, Symptomatik sowie im Therapieansprechen. Das Positionspapier der DGK fasst die aktuelle Evidenz zusammen, um eine fundierte Grundlage für eine personalisierte, geschlechtersensible Behandlung zu schaffen.

Risikofaktoren und Prävention

Klassische Risikofaktoren wirken sich zum Teil geschlechtsspezifisch aus. So ist das kardiovaskuläre Risiko durch Rauchen bei Frauen höher als bei Männern. Zudem existieren spezifische Risikofaktoren in verschiedenen Lebensphasen der Frau, die in der Anamnese oft vernachlässigt werden.

LebensphaseFrauenspezifische RisikofaktorenBemerkung
PrämenopausalPolyzystisches Ovarialsyndrom (PCO), Schwangerschaftskomplikationen (Präeklampsie, Gestationsdiabetes), frühe MenarcheErfordern regelmäßiges Screening auf Hypertonie und Diabetes
PostmenopausalFrühe Menopause, Östrogenabfall, Zunahme des viszeralen FettsFührt zu ungünstigeren Lipidprofilen und erhöhtem Risiko
LebenslangAutoimmunerkrankungen, Mammakarzinom (und Therapien)Erhöhen das kardiovaskuläre Gesamtrisiko

Zur Risikostratifizierung werden die SCORE2-Modelle der ESC empfohlen, auch wenn diese junge Hochrisikofrauen (< 40 Jahre) oft noch unzureichend erfassen.

Akute und chronische Koronarsyndrome

Frauen klagen bei einem akuten Koronarsyndrom (ACS) häufiger über Luftnot, Leistungsschwäche, Müdigkeit, Übelkeit und Schmerzen im Oberbauch oder Nacken. Der Begriff des atypischen Brustschmerzes soll laut Leitlinien zugunsten von wahrscheinlich kardialen Symptomen verlassen werden.

KrankheitsbildBesonderheiten bei Frauen
INOCA / ANOCAHäufiger bei Frauen; Ischämie ohne flusslimitierende Stenosen.
MINOCAMacht 10,5 % aller ACS bei Frauen aus (vs. 3,4 % bei Männern).
SCAD (Spontandissektion)Verursacht ca. 35 % aller Herzinfarkte bei Frauen < 50 Jahre.

Herzklappenerkrankungen

Bei der Aortenklappenstenose (AS) reagiert das weibliche Myokard auf die Druckbelastung eher mit einer konzentrischen Hypertrophie, während Männer eher eine exzentrische Hypertrophie entwickeln. Frauen weisen daher häufiger kleinere linke Ventrikel, eine erhaltene LVEF und eine paradoxe low-flow low-gradient AS auf.

Herzinsuffizienz

Es zeigen sich deutliche epidemiologische und therapeutische Unterschiede bei der Herzinsuffizienz:

ParameterFrauenMänner
Häufigster PhänotypHFpEF (Verhältnis ca. 2:1)HFrEF
Medikamenten-WirkspiegelOft schon bei niedrigeren Dosen erreichtStandarddosierungen
Device-Therapie (ICD/CRT)Seltener versorgt, höhere KomplikationsratenHäufiger leitliniengerecht versorgt

Herzrhythmusstörungen

Frauen haben eine höhere basale Herzfrequenz und eine längere kardiale Repolarisation (QT-Zeit).

  • Long-QT-Syndrom: Frauen sind stärker gefährdet für medikamentös induzierte QT-Zeit-Verlängerungen und Torsades de Pointes (z.B. durch Amiodaron, Sotalol).
  • Vorhofflimmern (VHF): Frauen sind bei Erstdiagnose älter, haben mehr Symptome und eine stärkere Reduktion der Lebensqualität. Sie erhalten seltener und später eine Katheterablation.
  • AVNRT: Die Inzidenz ist bei Frauen 2- bis 3-fach erhöht.

Pulmonale Hypertonie (PH)

Die pulmonalarterielle Hypertonie (PAH) betrifft Frauen deutlich häufiger (weibliche Prädominanz). Dennoch ist das weibliche Geschlecht bei der PAH mit einem signifikant besseren Überleben assoziiert (Östrogenparadox). Von einer Schwangerschaft wird bei PAH-Patientinnen aufgrund der weiterhin hohen mütterlichen Sterblichkeit (11-25 %) dringend abgeraten.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei der Verordnung von QT-Zeit-verlängernden Medikamenten (z.B. Amiodaron, Sotalol) besonders bei Frauen auf EKG-Kontrollen, da sie ein deutlich höheres Risiko für Torsades de Pointes haben. Erheben Sie zudem immer eine gynäkologische Anamnese (Präeklampsie, Gestationsdiabetes, PCO) zur kardiovaskulären Risikostratifizierung.

Häufig gestellte Fragen

Frauen klagen häufiger über Luftnot, Leistungsschwäche, Müdigkeit, Übelkeit sowie Schmerzen im Oberbauch, Nacken oder in der rechten Körperhälfte.
SCAD (Spontandissektion der Koronararterien) verursacht ca. 35 % der Herzinfarkte bei Frauen unter 50 Jahren. Es betrifft meist Frauen zwischen 42 und 53 Jahren, die oft nur geringe klassische kardiovaskuläre Risikofaktoren aufweisen.
Bei Frauen dominiert die Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion (HFpEF) in einem Verhältnis von etwa 2:1 im Vergleich zu Männern.
Ja, das Myokard von Frauen reagiert eher mit einer konzentrischen Hypertrophie, was oft zu kleineren Ventrikeln und einer paradoxen low-flow low-gradient-Aortenstenose führt.
Obwohl Frauen deutlich häufiger an PAH erkranken, haben sie ein signifikant besseres Überleben als Männer, was in der Literatur als Östrogenparadox bezeichnet wird.

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